Atomkraftgegnerin bricht im Gerichtssaal zusammen

Heilbronn  Nach fünf turbulenten Stunden im Amtsgericht Heilbronn wird die Verhandlung verschoben. Die 37-jährige Umweltaktivistin akzeptiert die 150 Euro Bußgeld nicht. Im Gerichtssaal bricht sie zusammen.

Von Jürgen Kümmerle

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Atomkraft-Gegner und Polizisten beim ersten Castor-Transport auf der Otto-Konz-Brücke in Heilbronn. Foto: Archiv/Berger

„Das ist Diskriminierung, was Sie machen. Ich habe die Nase voll. Ich kann nicht mehr.“ Nach diesen Worten wurde am Donnerstagabend eine mehr als fünfstündige Verhandlung am Amtsgericht Heilbronn verschoben. Der französischen Umweltaktivistin Cécile Lecomte wird vorgeworfen, sich beim Transport von Castor-Behältern im November 2017 auf dem Neckar der Auflösung einer Demonstration widersetzt zu haben. Mehrere Aktivisten ließen Plastikenten, -würfel und Plastikfässer zu Wasser. Demonstranten in Neoprenanzügen schwammen im Neckar. Lecomte war eine von ihnen.

150 Euro Bußgeld hat Heilbronn der Beschuldigten aufgebrummt

Da die Aktivisten der Aufforderung, die Versammlung aufzulösen, nicht nachkamen, verdonnerte die Stadt Heilbronn Lecomte zu einem Bußgeld von 150 Euro, das sie nicht bezahlte und Einspruch einlegte. Lecomte hingegen sprach von einer unverhältnismäßigen Gewalt gegen sie.

Der Gerichtssaal war mit 20 Zuschauern – zum größten Teil Anhängern der Anti-Atomkraftbewegung – voll besetzt. Zeitweise sicherten bis zu zehn Justizbeamte den Fortgang der Verhandlung. Die Beschuldigte stellte Anträge gegen das Gericht, gegen Zeugen und gegen Richter Michael Reißer. Lecomte verteidigte sich selbst.

Im vollbesetzten Gerichtssaal brach die Aktivistin zusammen

Nach ihren Schilderungen erhielt sie die Information des Gerichts, dass ihr Wunschverteidiger abgelehnt wurde, erst als sie bereits mit dem Zug aus ihrer Wahlheimat Lüneburg auf dem Weg nach Heilbronn war. „Sie haben hinreichende juristische Kenntnisse“, sagte Richter Reißer. Lecomte hingegen verwies auf ihr Grundrecht eines Verteidigers.

Eine Mitarbeiterin der Stadt Heilbronn trat als Zeugin auf. Sie war an jenem Novembermorgen auf dem Polizeiboot, das den Castor-Transport begleitete. In ihrer Funktion als Vertreterin des Ordnungsamts löste sie die Veranstaltung auf. Als zweiter Zeuge beschrieb ein Polizist, wie er die Demo erlebte. Ein weiterer Polizist, der nach Lecomtes Meinung Entlastendes hätte aussagen können, meldete sich am Donnerstag krank. Zu viel für die Französin. Unter Tränen brach sie zusammen. Richter Reißer verschob die Verhandlung.

 

 


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