Andreas Jung: Die Menschen spüren den Klimawandel

Heilbronn/Berlin  Der CDU-Umweltpolitiker Andreas Jung hat maßgeblich das christdemokratische Umweltkonzept erarbeitet. Er hat nun Heilbronn und die Buga besucht. Dort betont er im Gespräch die Verantwortung für kommende Generationen.

Von Stefan Lange und Hans-Jürgen Deglow

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Andreas Jung, 44 Jahre alt und Vater von zwei kleinen Kindern, bei seinem Besuch der Bundesgartenschau in Heilbronn.

Foto: Mario Berger

Der Begriff taucht im Duden nicht auf, wird in Berlin gerade aber ziemlich ventiliert: Umweltgesicht. Gemeint sind Politiker, die angesichts der Klimadebatte einer Partei umweltpolitisches Profil verleihen können.

Für die CDU ist die Frage geklärt. Der Konstanzer Andreas Jung hat die Aufgabe übernommen, Umweltgesicht der Christdemokraten zu sein. Jung bringt in der Tat alle Voraussetzungen mit. Er könnte sogar die Dominanz der Grünen beim Thema Klima brechen.

Zweitägige Klausur auf Einladung von Alexander Throm

Gerade war Jung in Heilbronn zu Gast. Denn der 44-Jährige ist im Bundestag auch Chef der CDU-Landesgruppe Baden-Württemberg, die sich hier auf Einladung des Heilbronner Abgeordneten Alexander Throm zu ihrer zweitägigen Klausur getroffen hatte. An zwei Tagen diskutierten die Südwest-Parlamentarier - darunter auch Eberhard Gienger, Christian von Stetten; Roderich Kiesewetter sowie die Staatssekretäre Norbert Barthle und Steffen Bilger - über ihre politische Agenda im Bund. Natürlich sprachen sie auch über das Klima-Thema. Montagabend folgte ein entspannter Ausklang auf dem Weindorf, am Dienstag schlossen sich weitere Gespräche und ein Besuch der Buga an. Ein Ort, an dem sich trefflich über den Klimawandel, seine Folgen und vor allem über Auswege diskutieren lässt.

Überzeugt vom Thema

Wer Jung nicht kennt, muss sich einen großgewachsenen, schlanken Mann vorstellen, der mit seiner medialen Wirkung - in Zeiten der sozialen Netzwerke nicht ganz unerheblich - Grünen-Chef Robert Habeck Konkurrenz macht. Der 44-Jährige ist im Gespräch zugewandt, höflich einem schnellen Witz nicht abgeneigt, hört zu und beantwortet zuverlässig Fragen. Und auch für Fotos ist er zu haben, wobei er nicht unbedingt CSU-Chef Markus Söder nachahmen möchte, der schon mal einen Baum umarmt hat. Gerne setzt sich Jung aber für den Stimme-Fotographen auf den sattgrünen Buga-Rasen.

Zwei Sorten von Politikern gibt es in Berlin: Die, die sich ein Thema aussuchen in der Hoffnung, damit Karriere zu machen. Und die, die von einem Thema gefangen sind, hart arbeiten und es deswegen nach vorne schaffen. Jung wird zur zweiten Kategorie gezählt. Eine nachhaltige Umweltpolitik ist seit vielen Jahren eine seiner Triebfedern, er war unter anderem Mitglied im Umweltausschuss sowie Klimaschutzbeauftragter seiner Fraktion.

Auch bei politischen Gegnern hat Jung einen guten Ruf

Jung genießt ob seiner pragmatischen Art bei politischen Gegnern einen guten Ruf, in den eigenen Reihen sowieso. Kanzlerin Angela Merkel schätzt Politiker, die sich nicht ständig in den Vordergrund drängeln. Sie war es, so wird in CDU-Kreisen erzählt, die Jung für eine der wichtigsten Weichenstellungen in der Parteigeschichte vorschlug: Der gelernte Rechtsanwalt arbeitete wochenlang zusammen mit Georg Nüßlein von der CSU an einem Konzept zur Neuausrichtung der Steuern und Abgaben im Energiebereich. Eine der schwierigsten Fragen ist dabei die der Kohlendioxid-Bepreisung. Wer das schädliche Treibhausgas produziert, soll in Zukunft dafür bezahlen. Die Kunst dabei ist, ein Preisetikett zu entwickeln, das nicht nach Steuererhöhung aussieht. Jung scheint das mit einem Modell für den Zertifikatehandel gelungen zu sein.

"Es darf kein Vertagen geben"

Sogar die SPD dürfte er bis zum Klimakabinett am 20. September noch ins Boot holen können. Er sagt: "Es darf kein Vertagen geben. Wir haben die feste Absicht und Verabredung, jetzt zu handeln. Denn die Zeit drängt, wenn wir den Klimaschutz nachhaltig voranbringen wollen."

Jung, der mit Familie auf der Insel Reichenau lebt, hat einen großen Vorteil. "Habeck kann Drei-Tage-Bart, Jung kann Dreisatz", kalauert einer aus seiner Fraktion. Gemeint ist, dass Jung - seit Oktober 2018 Fraktionsvize für die Bereiche Haushalt, Finanzen und Kommunalpolitik - Modelle zum Klimaschutz nicht nur denken, sondern auch rechnen kann. Jung empfiehlt sich in Unionskreisen mit seiner Arbeit gerade als Bundesumweltminister für eine neue Regierung. Einen Haken hätte die Sache allerdings: Für seine andere politische Leidenschaft, die deutsch-französischen Beziehungen, bliebe ihm noch weniger Zeit.

Thomas Strobl leistete Vorarbeit

Im Gespräch lobt er ausdrücklich die Vorarbeit des Heilbronners und CDU-Landeschefs Thomas Strobl, der mit dem Niedersachsen Bernd Althusmann im Frühsommer ein erstes Klimaschutzkonzept erarbeitet hatte - die Thesen zur Mobilität sind in Jungs Papier eingeflossen.Strobl und Jung sind sich einig in ihrer gegenseitigen Wertschätzung.

"Es geht um unsere Heimat"

Für Jung, er ist Vater von zwei kleinen Kindern, ist der Einsatz für mehr Klimaschutz Verpflichtung. Ein heute geborenes Menschenkind habe eine gute Chance, das Jahr 2100 zu erleben. Aber ist dieser Planet dann ohne entschlossenes Handeln noch lebenswert? Jung: "Es geht um unsere Heimat, wenn Wälder bedroht sind oder wenn sich Ernteausfälle häufen. Die Menschen spüren die Veränderung. In anderen Regionen der Welt verlieren schon Menschen ihre Lebensgrundlage. Gerade auch wir als Christdemokraten müssen da unserer Verantwortung gerecht werden und entschieden handeln."

 

Hans-Jürgen Deglow

Hans-Jürgen Deglow

Chefkorrespondent in Berlin

Hans-Jürgen Deglow ist seit Januar 2017 bei der Heilbronner Stimme.

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