Andere Länder bekämpfen den Zucker-Konsum

International  Die Deutschen essen täglich doppelt so viel Zucker wie Experten empfehlen. In anderen Ländern wird der Zucker-Konsum reguliert: Auf süße Lebensmittel gibt es eine Zuckersteuer. Und die zeigt Wirkung.

Von Christoph Donauer
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In anderen Ländern gibt es für süße Getränke eine "Zuckersteuer". Foto: dpa

Ralf Bohlmann hat Ernährung zum Beruf gemacht. Der 54-Jährige aus Ludwigsburg berät Menschen zu ihrer Ernährung und Fitness und erreicht mit seinem Podcast 30.000 Hörer pro Woche. Er weiß, warum beim Thema Zucker noch viel Aufklärung nötig ist. "Bei vielen ist eine Art Sucht nach Zucker zu spüren. Das ist biologisch bedingt und nicht nur im Kopf." Wenn er Menschen rate, auf Zucker zu verzichten, würden viele gereizt reagieren. "Das ist normal. Ich sage dann, dass man den Zucker-Entzug aushalten darf." Gemeint sind Kopfweh, Müdigkeit und Schlappsein.

Auf Zucker verzichten geht nicht immer

Was Zucker ist, weiß nicht jeder seiner Kunden: "Es gibt Menschen, die sagen, sie essen keinen Zucker. Dabei frühstücken sie zwei Brötchen mit Marmelade. Das sind Kohlenhydrate, die der Körper in Zucker umwandelt." Deshalb empfiehlt er, einfache Kohlenhydrate wie Nudeln oder Reis zu meiden. Dass das nicht immer geht, sieht er bei seinen drei Töchtern. "Meine Töchter bekommen in der Schule ihr Essen. Und weil es billig sein muss, sind das Spätzle mit Soß. Das sind einfache Kohlenhydrate, damit man die Kinder satt bekommt."

Er wünscht sich, dass es Standards für gesünderes Schulessen gibt. Die gibt es zwar, bisher halten sich aber nur Berlin, Bremen und das Saarland daran. Eine Zuckersteuer oder eine besondere Kennzeichnung für ungesunde Lebensmittel gibt es in Deutschland nicht. Dabei essen die Deutschen täglich rund 90 Gramm Zucker, doppelt so viel, wie Experten empfehlen. Ein Großteil wandert in Form von süßen Getränken und Fertiggerichten in unseren Mund. 

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Andere Länder haben deshalb eine Steuer für bestimmte Produkte eingeführt. Ein Überblick.

Großbritannien: Steuer für süße Getränke

Im vergangenen Jahr hat das Vereinigte Königreich eine Steuer für süße Getränke eingeführt. Enthalten Softdrinks mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter, wird eine Abgabe von 18 Pence fällig, ab acht Gramm sind es 24 Pence. Hersteller haben daraufhin den Zucker drastisch gesenkt: Fanta und Sprite enthalten in Großbritannien weniger als fünf Gramm Zucker, sodass keine Steuer gezahlt werden muss. Auch Lidl hat auf der Insel den Zuckergehalt der Eigenmarken unter diese Grenze gesenkt. In Deutschland enthalten viele Getränke nun doppelt so viel Zucker. Zudem hat das Königreich eine Lebensmittelampel eingeführt. Zuckrige und fettige Produkte sind rot, ausgewogenere sind grün.

Skandinavien: Zuckersteuer für Lebensmittel

In Norwegen gibt es eine Zuckersteuer für Lebensmittel schon lange. 2018 wurde sie drastisch erhöht, um bis zu 83 Prozent. Zwölf Millionen Liter weniger süße Getränke wurden seitdem verkauft, fast elf Prozent weniger als im Vorjahr. In Dänemark und Finnland gab es trotz Steuer keinen Rückgang, sie wurde wieder abgeschafft.

Frankreich/Belgien: Lebensmittelampel

Frankreich besteuert seit 2012 alle Getränke mit Zucker und Süßstoff, unabhängig davon, wie viel davon sie enthalten. Die Einnahmen fließen in die Sozialversicherung. Viele Hersteller haben ihre Rezepturen jedoch nicht angepasst, sondern die Steuer auf den Preis aufgeschlagen. 2015 brachte die Zuckersteuer Frankreich 378 Millionen Euro ein. Im Nachbarland Belgien werden seit 2018 alle zuckerhaltigen Getränke mit Cent-Beträgen besteuert. In beiden Ländern gibt es eine Lebensmittelampel.

USA/Mexiko: Steuer pro Liter Zuckergetränk

In den USA gibt es keine einheitliche Zuckersteuer. Einzelne Städte besteuern Softdrinks, darunter Berkeley, Philadelphia oder Oakland. Im Schnitt sind für Softdrinks dort vier Prozent Steuer fällig, mancherorts bis zu 15 Prozent. Mexiko besteuert jeden Liter Zuckergetränk seit 2014 mit einem Peso, was etwa 50 Cent entspricht. Seitdem kauft die ärmere Bevölkerung mehr ungesüßte Getränke und 17 Prozent weniger Softdrinks.

 


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