An der Jagst arbeiten Angler und Vogelfreunde im Tandem

Region  Das Jagst-Unglück richtete schweren Schaden in den Fischbeständen an. Um diese nicht weiter zu schwächen, einigten sich Landesfischereiverband, Landesnaturschutzverband und das Regierungspräsidium Stuttgart auf ein gemeinsames Kormoran-Management.

Von Reto Bosch
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Fischer investieren beim Angeln und bei der Gewässerpflege viel Zeit.

Foto: Marem/stock.adobe.com

Die Zählungen laufen noch immer. "Im Anschluss wird das projektbegleitende Büro eine Auswertung der diesjährigen Wintersaison vornehmen", erklärt das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) auf Anfrage. Schlussfolgerungen könnten erst in einer gemeinsamen, disziplinübergreifenden Bewertung erfolgen.

Als Reaktion auf das Fischsterben hatte das RP eine Ausnahmegenehmigung zur Vergrämung des Kormorans an der Jagst von Hessenau bis zum Neckar erteilt. Pro Jahr dürfen maximal 50 Tiere geschossen werden, in fünf Jahren jedoch nicht mehr als 170 Tiere. Nicht schießen dürfen die Jäger in Naturschutzgebieten und den dazugehörigen Pufferbereichen. Ehrenamtliche Tandems aus Fischern und Vogelschützern zählen die Schlafplätze

In der Region nimmt Zahl der Kormorane ab

Welche Effekte an der Jagst bislang eingetreten sind, kann das Regierungspräsidium also noch nicht sagen. Wolfgang Hellwig vom Nabu Heilbronn und Umgebung hat für den Stadt- und Landkreis Heilbronn beobachtet, dass die Zahl der Tiere seit Jahren abnimmt. In früheren Jahren seien etwa 350 Tiere gezählt worden, diesen Winter seien es gerade mal 200.

Größere Bestände gebe es in Heilbronn-Horkheim am Altneckar oder an den Böttinger Baggerseen. An der Lauffener Nachtigalleninsel seien keine Schlafplätze gezählt worden. "Insgesamt sind viele ehemalige Schlafplätze aufgegeben worden", sagt Hellwig. Die Vögel hätten sich im Wesentlichen in Schutzgebiete zurückgezogen. Die Diskussionen um die Kormorane haben sich laut Hellwig in der Region beruhigt.

Mehr als 220 Kormorane in Baden-Württemberg geschossen

Nach Angaben von Buchautor Rainer Nahrendorf wurden in der Jagdsaison 2016/17 allein in Deutschland 19.000 Kormorane geschossen, 80.000 in Kerneuropa. Der Landesfischereiverband berichtet für dasselbe Jagdjahr von 2256 erlegten Kormoranen in Baden-Württemberg: 1739 an Fließgewässern, 476 an stehenden Gewässern, 41 an Teichen.

Im Landkreis Heilbronn waren es laut Jagdstatistik 99, im Hohenlohekreis 37 geschossene Tiere. In stark von Kormoranen beflogenen Gewässerstrecken seien erhebliche Schäden festgestellt worden. Teilweise gebe es unter anderem eine hohe Zahl verletzter Fische, eine deutlich geringere Individuendichte bei den Leitfischarten, es fehlten Individuen mit 15 bis 35 Zentimeter Totallänge.

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