AG Atom-Erbe kritisiert Vorgehen beim GKN-Rückbau

Neckarwestheim  Zwei große Einzelkomponenten aus dem nicht-nuklearen Teil von Block I sind auf dem Weg zur Wiederverwertung, darunter ein 442 Tonnen schweres Generatorteil. Die AG Atom-Erbe kritisiert das Vorgehen.

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Das Schiff hat laut EnBW am Donnerstagmorgen mit den beiden schweren Einzelkomponenten des Generators in Neckarwestheim abgelegt.

Foto: EnBW

Die Abbauarbeiten im Maschinenhaus von Block I des Kernkraftwerks Neckarwestheim (GKN I) schreiten voran. Wie die EnBW in einer Pressemitteilung erklärt, wurde die mit einem Gewicht von 442 Tonnen schwerste Einzelkomponente des gesamten Rückbaus von GKN I am Donnerstagmorgen per Schiff über den Neckar abtransportiert.

Es handelte sich dabei um den sogenannten Ständer eines der beiden Generatoren aus dem Maschinenhaus des Kraftwerks. Er ist rund neun Meter lang und hat einen Durchmesser von etwa fünf Metern. Darüber hinaus verschiffte der Energieversorger einen 116 Tonnen schweren Teil des Generatorgehäuses.

Nicht-nuklearer Teil des Kraftwerks

Das Maschinenhaus von GKN I gehört zum konventionellen, also nicht-nuklearen Teil des Kraftwerks. Dort haben früher zwei Generatoren die Bewegungsenergie der Turbinen in elektrische Energie für das öffentliche Netz (Drehstrom) sowie für das Netz der Deutschen Bahn (Bahnstrom) umgewandelt. Die Abbauarbeiten im Maschinenhaus begannen im Sommer 2019 und umfassen neben den Generatoren auch Turbinen, Kondensatoren und weitere Komponenten und Systeme.

Insgesamt geht es dort um eine Masse von 8000 Tonnen. Die beiden ausgebauten und abtransportierten Teile gehörten zum Bahnstromgenerator. Sie wurden nach ihrer Demontage im Maschinenhaus jeweils per Kran aus ihrer Ursprungsposition auf ein Spezialfahrzeug gehoben. Dieses fuhr die Komponenten dann über die 2016 errichtete Rampe am Neckar auf ein für solche Transporte geeignetes Schiff und setzte sie dort ab.

Keine konkreten Angaben über das Reiseziel

Auf dem Schiffsweg geht es für die aus Stahl und Kupfer bestehenden Komponenten nun nach einer Maßgabe des Kreislaufwirtschaftsgesetzes zur Wiederverwertung. Über das Reiseziel und die Frage, welche Firma die Wiederverwertung durchführt, gibt die EnBW keine Auskunft.

Auf Stimme-Anfrage teilt sie mit: "Die Bauteile des Generators werden zu einem deutschen Unternehmen transportiert, das auf die Trennung und Wiederverwertung der verbauten Metalle spezialisiert ist." Die AG Atom-Erbe Neckarwestheim vermutet, dass die Reise zur Firma Bick und Letzel nach Aschaffenburg-Nilkheim führt. Diese habe 2019 bereits drei Schiffstransporte aus Neckarwestheim erhalten.

Kritik an Vorgehensweise

Die AG kritisiert die Vorgehensweise der EnBW. "Die freie Verwendung von Anlagenteilen und Baumaterial aus dem AKW-Abriss für das Metallrecycling und als Baumaterial ist bedenklich, weil damit tausende, vermutlich sogar zehntausende Tonnen von Material pro AKW in unsere Lebensumwelt kommen, ohne dass die betroffenen Menschen informiert werden."


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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