A6-Neckartalübergang: Erste Testfahrt auf der neuen Brücke

Region  Mit zahlreichen Festgästen und einem Autokorso aus NSU-Oldtimern wurde das erste Teilbauwerk am Donnerstagabend eingeweiht. Es ist eine markante Landmarke für die Region. Die Verkehrsfreigabe erfolgt wie geplant Anfang April.

Von Christian Gleichauf

 

Ein Autokorso historischer NSU-Fahrzeuge hat am Donnerstagabend den ersten Teil des neuen A6-Neckartalübergangs zwischen Heilbronn und Neckarsulm eröffnet. Zuvor hatten Vertreter von Bund, Land und des Baukonsortiums ViA6West das Band durchschnitten. Nach zwei Jahren Bauzeit ist die erste Richtungsfahrbahn der längsten Autobahnbrücke Baden-Württembergs fertiggestellt.

Es war ihm eine Ehre: Joachim Auerbach durfte mit seinem weißen NSU TT als einer der ersten über die 1,3 Kilometer lange Brücke fahren. An seiner Seite Stefan Heß, Abteilungsleiter Straßenbau beim Regierungspräsidium (RP) Stuttgart, der für das Land den Neubau begleitet, und der wie alle Ehrengäste von der NSU-Fahrergemeinschaft Neckartal auf eine Testfahrt über die Brücke mitgenommen wurde.

Seit zehn Jahren gehört Auerbach der kleine Flitzer. In Erlenbach hatte ihn der Bad Wimpfener vor zehn Jahren erstanden. "Gut möglich", meint er, dass der TT vor 50 Jahren als brandneues Auto über die damals ebenfalls brandneue Neckartalbrücke gefahren ist. Der Kreis schließt sich. Nur konnte die Neckartalbrücke im Gegensatz zum TT nicht generalüberholt werden.

Rund 400 Gäste bei der Eröffnung

 

Es musste also neu gebaut werden. Dass das nicht ganz einfach war, hatte Hochtief-Geschäftsführer Alexander Hofmann kurz zuvor noch einmal erklärt. Rund 400 Gäste waren gekommen, etwa die Hälfte davon Mitarbeiter der beteiligten Firmen. Die andere Hälfte: Bürgermeister der Anliegerkommunen, Vertreter von Polizei, Feuerwehr, Politik und zahlreicher Behörden. Ein Hochamt für alle, die mit Straßenbau zu tun haben.

 

Denn die Konstruktion des Stuttgarter Ingenieurbüros Leonhardt, Andrä und Partner ist nicht nur massiv und soll langlebiger sein als die alte Stahlbrücke, mit ihrer Wellenform ist sie nun auch eine markante Landmarke für die Region.

In den Reigen der Festredner reihten sich Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer und Andreas Hollatz, der die Vorbereitung des Baus im Regierungspräsidium verantwortete und inzwischen als Ministerialdirigent ins Landesverkehrsministerium gewechselt ist.

Punktlandung zum Buga-Start

Nach rund zweijähriger Bauzeit ist das erste Teilbauwerk der 1,3 Kilometer langen Brücke fertig geworden - planmäßig wenige Tage vor Beginn der Bundesgartenschau in Heilbronn. Hollatz betonte, dass das auch nur durch die gute Zusammenarbeit von öffentlichen und privaten Partnern - sprich RP und ViA6West - in diesem bislang größten ÖPP-Straßenbauprojekt im Land möglich war. Bei einem ÖPP-Projekt werden Bau und Betrieb - in der Regel für 30 Jahre - an einen privaten Investor vergeben. Bilger merkte dazu an, dass der Bund auch weiterhin ÖPP nutze, "wenn es wirtschaftlich ist".

Eingeweiht wurde am Donnerstag letztlich nur ein Provisorium. Wie Hochtief-Geschäftsführer Hofmann erläuterte, liege "der Clou" darin, dass der nördliche Teil der Brücke bereits vor Abriss der alten Brücke gebaut wurde und später, nach dem Abriss der alten Brücke, "in seine finale Lage querverschoben wird". Es bleibt also ein aufwendiges Projekt. Die Gesamtkosten für den Ersatzneubau werden mit rund 160 Millionen Euro angegeben.


Ab Mittwoch sechs Spuren

Für den Verkehr wird die Brücke voraussichtlich in der Nacht auf Dienstag, 2. April, freigegeben. Ganz unspektakulär wird dann die Richtungsfahrbahn Mannheim - dreispurig - auf die Brücke umgeleitet. Eine Nacht später folgt dann die Richtungsfahrbahn Nürnberg - ebenfalls dreispurig. In den folgenden Wochen beginnt der Abriss der alten Brücke. Anschließend entsteht an deren Stelle das zweite Teilbauwerk. Ab 2022 steht dann für jede Richtungsfahrbahn eine Brücke zur Verfügung.


Kommentar: Zeit zum Aufatmen

Von Christian Gleichauf

Geschafft, der erste Teil der neuen Neckartalbrücke ist fertig. Aufatmen dürfen sogar jene, die mit Straßenbauprojekten gar nichts am Hut haben. Was passiert wäre, wenn die alte Brücke nicht durchgehalten hätte, mag man sich nicht ausmalen. Es hätte das Umland und insbesondere die Städte Heilbronn und Neckarsulm ins Chaos gestürzt.

Wie knapp es wirklich war, lässt sich kaum einschätzen. Ehrlichkeit ist bei solchen Themen von offiziellen Stellen nicht zu erwarten. Dort will man die Pferde nicht scheu machen, solange nichts passiert. Dadurch wäre nur deutlich geworden, dass die zwischenzeitliche Freigabe von sechs Spuren auf der alten Brücke vor einigen Jahren ein gefährliches Unterfangen war. Alexander Hofmann vom Baukonsortium ViA6West ließ in seiner Ansprache aber klarer als bisher durchblicken, dass den Verantwortlichen „ein Stein vom Herzen gefallen“ ist, dass es nicht zur vorzeitigen Sperrung gekommen ist.

Ein weiterer Punkt wurde am Rande der Veranstaltung erwähnt: Dass das neue Teilbauwerk 17,5 Meter breit ist und damit im Baustellenbetrieb sechs Spuren sicher aufnehmen kann, war ursprünglich so nicht geplant. Das Regierungspräsidium hatte nach Hinweisen der Stadt Heilbronn dafür gekämpft. Mit Erfolg.


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