A6-Brückenbau: Die letzten Betonplatten schweben ein

Region  Der Neckartalübergang ist kurz vor der Fertigstellung. Bis zur Freigabe im April bleibt es spannend. Denn Fehler dürfen nicht passieren, die A6-Brücke soll diesmal schließlich länger als 50 Jahre halten.

Von Christian Gleichauf

A6-Brückenbau: Die letzten Betonplatten schweben ein

Drunter der Neckar: Die Höhenarbeiter der Firma Gears sind gut gesichert. Mithilfe des Krans platzieren sie die Betonplatten auf den Querträgern.

Fotos: Christian Gleichauf

Ein bisschen sieht es auf der Brücke aus, als wäre schon das Festzelt für die Eröffnungsfeier vorbereitet. Doch wenn Anfang April das Band auf der Autobahn durchgeschnitten wird, dann sind diese Zelte abgebaut.

Derzeit werden sie gebraucht, um den neuen Neckartalübergang auch bei widrigen Wetterlagen rechtzeitig fertigzubekommen. Die Zeit drängt. Winterpause ist nicht vorgesehen. Ein Besuch auf der spektakulärsten Baustelle der Region.

Der Taktkeller wird verfüllt

An allen Ecken des Bauwerks wird derzeit gearbeitet. Drüben auf der Stahlbetonbrücke genauso wie hier auf der Stahlverbundbrücke. Und auch im ehemaligen Taktkeller, von wo aus die Stahlkonstruktion über das Neckartal geschoben wurde, fährt ein Lkw nach dem anderen ein.

Die Baustelle wird verfüllt, damit nicht nur die Brücke rechtzeitig fertig wird, sondern die Autos auch von der bestehenden Autobahn auf das neue Bauwerk fahren können. Ein mächtiger Stahlkäfig wartet darauf, mit Beton ummantelt zu werden. Es ist das Widerlager, mit dem die Brücke aufsetzt.

Speziell ausgebildete Höhenarbeiter sind im Einsatz

A6-Brückenbau: Die letzten Betonplatten schweben ein

Gut zu erkennen ist die rote Beschichtung, die verhindert, dass Feuchtigkeit in den Beton darunter eintritt. Dafür wurden mehrere Zelte (im Bild hinten) aufgestellt.

Weiter vorn auf der Brücke schwebt eine Betonplatte nach der anderen zu den Männern der Firma Gears aus dem hessischen Steinau. Direkt unter ihnen fließt der Neckar, 20 Meter tiefer. Deshalb sind sie mit Stahlseilen gesichert, wenn sie die zweieinhalb Tonnen schweren Platte in Empfang nehmen, sie mithilfe des Krans auf den Kunststoffstreifen platzieren, die sie zuvor zum Schutz der beschichteten Stahlträger aufgeklebt haben.

Rund 1000 Platten liegen bereits am richtigen Fleck. Weil die Brücke eine Kurve macht, sind sie unterschiedlich geformt. "Kürzlich ist noch eine kaputtgegangen, die muss jetzt neu gegossen werden", sagt Georg Pledl, Polier der Baufirma Hochtief. Am Sonntag soll aber auch diese letzte Platte liegen.

Stahlflechter verarbeiten 23 Tonnen Armierungseisen pro Schicht

A6-Brückenbau: Die letzten Betonplatten schweben ein

Die Eisenflechter verarbeiten in einer Schicht 23 Tonnen Armierung.

Gleich nebenan gehen die Stahlflechter wieder an die Arbeit. Sie haben ihre Pause im beheizten Zelt verbracht. Nun wartet wieder harte Arbeit auf der zugigen Brücke auf sie. Tag und Nacht schieben und biegen sie die Stahlbewehrung in Position, binden sie mit Drähten fest - 23 Tonnen Eisen pro Schicht. Abschnitt für Abschnitt wird diese Armierung dann mit Beton vergossen.

Wo das bereits geschehen ist, stehen jetzt die beheizten Winterbauzelte. Rund 4000 Liter Heizöl halten sie an kalten Tagen warm. Hier werden Beschichtungen aufgetragen, die nicht bei Minusgraden verarbeitet werden dürfen. Der Beton wurde kugelgestrahlt, damit eine raue Oberfläche entsteht, die sich gut mit dem Epoxidharz verbindet. "Das ist die Abdichtung, denn Feuchtigkeit wäre Gift für den Beton", erkärt Michael Endres, Sprecher der A 6-Betreibergesellschaft ViA6West.

Unabhängige Ingenieure prüfen die Verbindungen

Wie gut sich alles verbinden kann, das wird an diesem Freitagvormittag geprüft. Patrick Engelhardt von der Baufirma Max Bögl hat das sogenannte Haftzugprüfgerät vorbereitet. Uwe Wottke von der Prüffirma Zetcon kommt als "unabhängiger Ingenieur" hinzu. Ein Aluminium-Stempel, der auf den Beton geklebt wurde, wird jetzt mit zunehmender Kraft nach oben gezogen. Die Männer beobachten die Anzeige: 1,5 - 2,0 - 2,2 - 2,4 - knack! Die Werte stimmen, am Stempel hängt eine Schicht Beton. Bestens.

A6-Brückenbau: Die letzten Betonplatten schweben ein

Wie gut hat der Beton abgebunden? Patrick Engelhardt bereitet die Prüfung vor.

"Es hat schon Baustellen gegeben, da musste alles noch einmal gemacht werden", sagt Polier Engelhardt. Auch wenn es hier auf der Brücke weitreichende Folgen hätte, stellt Engelhardt klar: "Wenn die Werte nicht stimmen, machen wir nicht weiter." Dann wäre womöglich der April-Termin nicht zu halten. Doch hier geht es darum, eine Brücke zu bauen, die mehr als 50 Jahre durchhält.

Bald rollt hier der Verkehr

Bisher passt alles. Auf die Epoxidharzschicht kommen noch Bitumenschweißbahnen und Gussasphalt, zum Schluss der Fahrbahnbelag. In wenigen Wochen ist es so weit. Dann werden die 100.000 Fahrzeuge, die bis jetzt noch Tag für Tag über die alte Neckartalbrücke nebenan donnern, hier drüberfahren.


Für die Arbeiter herrscht Absturzgefahr

Die Stahlkonstruktion, die über den Neckar geschoben wurde, ist nach unten offen, es herrscht Absturzgefahr. Bis die Betonplatten eingesetzt sind, muss deshalb mit besonderer Vorsicht auf den Stahlträgern gearbeitet werden. Voraussetzung ist eine spezielle Weiterbildung zum Höhenarbeiter. Auf der Neckartalbrücke sind deshalb "Industriekletterer" im Einsatz. Sie führen andernorts auch Sanierungsarbeiten an Fassaden aus, ohne dass ein Gerüst gestellt werden muss. 
 


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