94 Tonnen Erdaushub mit Bauschutt illegal entsorgt

Heilbronn  Im Amtsgericht stehen ein Erdbauunternehmer und ein Landwirt vor Gericht. Ordnungswidrigkeit oder Straftat - Richter und Staatsanwaltschaft sind uneins, wie schwerwiegend die Umweltbelastung für das Naturdenkmal "Seehofer Schlucht" sein kann.

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Um illegal entsorgten Erdaushub und Bauschutt (Themenbild) geht es in dem Prozess. In der Bewertung der Tat liegen Richter und Staatsanwalt auseinander.

Foto: dpa

Den zwei Angeklagten vor dem Amtsgericht wird ein unerlaubter Umgang mit gefährlichen Abfällen zur Last gelegt. Der 58-Jährige und der 71-Jährige sollen im Frühjahr 2020 mindestens 160 Kubikmeter Erdaushub mit Bauschutt auf einem Möckmühler Flurstück, auf dem sich auch das Naturdenkmal "Seehofer Schlucht" befindet, illegal abgeladen haben. Es geht um 94 Tonnen Erdaushub, den sie per Lkw hingebracht haben sollen. Mindestens 940 Euro Entsorgungskosten sollen sie so gespart haben.

Beide Angeklagte sind ohne Anwalt in den Gerichtssaal gekommen. Sie hätten Vegetationsschäden billigend in Kauf genommen, heißt es in der Anklageschrift. Das sieht vor allem der 71-Jährige, ein Landwirt, anders. Er stuft ihr Tun als unproblematisch ein. Auf seinem Flurstück in Möckmühl sei der mit Bauschutt versetzte Erdaushub abgeladen worden, erklärt er. Sein Anliegen sei gewesen, einen Weg zu seinem landwirtschaftlichen Betriebshof zu befestigen, nachdem dort Bäume mit Schädlingsbefall gefällt worden waren. Diese Befestigung durch eine Auffüllung sei für ihn nichts Negatives. Er betont immer wieder, es seien nur Backsteinteile, die mit dem Erdaushub vermengt waren. Diese seien ja auch gut für das Wachstum von Pflanzen.

"Backstein haben die Römer bereits genutzt"

Richter und Staatsanwalt zeigen sich davon nicht überzeugt. Bildmaterial zeigt Reste von Fliesen, Folienreste, einen Ölfilter, Mauerwerk mit Beton, Holz und Plastik. An einer Stelle beschuldigt der Angeklagte Radfahrer, Wanderer oder Umweltschützer, ihm Beweise untergeschoben zu haben. Dann wieder sagt er: Backstein hätten "die Römer bereits genutzt, das ist doch kein Problem". "Sie reden sich um Kopf und Kragen", reagiert der Staatsanwalt darauf.

Ganz anders präsentiert sich der 58-jährige Betreiber einer Erdbaufirma. Er berichtet, dass er gut 60 Tonnen des Bauschutts wieder abtransportiert habe. Diesen habe er in seiner Arbeitshalle zwischengelagert, so der Angeklagte. Der Richter wertet dies als eine Art Wiedergutmachung - und stellt das Verfahren gegen den Mann gegen eine Geldauflage von 5000 Euro vorläufig ein.

Ein Zeuge der Naturschutzbehörde im Landratsamt stellt fest, dass das Material kein Kultursubstrat, sondern Bauschutt gewesen sei. Bei Starkregen könne dieser durch das Naturdenkmal ins Tal fließen und sich unterwegs ablagern. Kunststoffe und Beton blieben ewig, ein Ölfilter sei eine Gefahr für die Umwelt.

Der Staatsanwalt fordert neun Monate Haft auf Bewährung für den Landwirt. Richter Alexander Lobmüller sieht dagegen eher eine Ordnungswidrigkeit. "Es ist keine Straftat, aber eine Sauerei", sagt er. Gegen eine Geldauflage will er das Verfahren beenden. Das aber trägt die Staatsanwaltschaft nicht mit. Jetzt soll ein Gutachter die Gefährlichkeit der Stoffe genau bewerten. Bis dahin ist der Prozess ausgesetzt.

 


Philip-Simon Klein

Philip-Simon Klein

Volontär

Philip-Simon Klein arbeitet seit Oktober 2021 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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