6,5 Jahre Haft für Marihuana-Anbau in großem Stil

Heilbronn  Das Heilbronner Landgericht verurteilt einen Kraichgauer, weil er jahrelang Cannabis angebaut und verkauft hat. Zuletzt bestand die Marihuana-Plantage aus 271 Pflanzen. Der Richter verweist auf krasse Folgen des Kiffens.

Von Carsten Friese

6,5 Jahre Haft für Marihuana-Anbau in großem Stil

Für Marihuana-Anbau und Verkauf in großem Stil hat das Landgericht einen Kraichgauer verurteilt. Über Jahre hat er 31 Kilogramm der Droge großgezogen.

Foto: dpa

Das Urteil nimmt der 53-jährige Kraichgauer ohne große sichtbare Regung an. Zu sechseinhalb Jahren Haft hat das Heilbronner Landgericht ihn gerade verurteilt, weil er über Jahre in zwei Wohnungen in großem Stil eine Marihuana-Plantage mit zuletzt 271 Pflanzen betrieben und den Stoff verkauft hat.

Kiffende Kinder, die ein Fall für die Psychiatrie wurden

Gegen eine Verharmlosung der Wirkung der weichen Droge findet Richter Roland Kleinschroth klare Worte. Er habe in seiner Richterzeit einige Male erlebt, dass Kinder, die "das Zeug" genommen hätten, "ein Fall für die Psychiatrie wurden". Für derartige Folgen müsse der Angeklagte auch Verantwortung übernehmen, wenn er die Droge weiterverkauft.

Dem 53-Jährigen bescheinigt der Richter eine eigene Abhängigkeit. Durch den intensiven Konsum, teilweise bis zu 20 Joints am Tag, habe er sein Leben "verpfuscht" und nichts mehr auf die Reihe gebracht. Seine Anstellung als Handwerker gab der Mann mit Anfang 30 auf, lebte von Gelegenheitsjobs und dem Anbau der Marihuana-Pflanze.

Mehr zum Thema: Wie der Drogehändler aufflog

 

In sieben Jahren rund 31 Kilo geerntet

Dass er in seiner Wohnung Waffen lagerte - Pistole, Schlagring, mehrere Messer - verschärfte die Strafhöhe. Sein frühes Geständnis zogen die Richter als strafmildernd heran. Nach Überzeugung des Gerichts hat der Angeklagte von 2011 bis 2017 mindestens 31 Kilogramm Marihuana geerntet und 26 Kilo davon verkauft. Einnahmen von 130.000 Euro soll er erzielt haben. 7000 Euro Bargeld, sämtliche Waffen und Aufzuchtutensilien bleiben beschlagnahmt.

Als "Treppenwitz" bezeichnet Kleinschroth den Fakt, dass der Angeklagte ausgerechnet am Eröffnungstag der Buga verurteilt wird. Der Richter bescheinigt ihm gute, professionelle gärtnerische Arbeit, der Wirkstoffgehalt der Pflanzen sei hoch gewesen. "Offenbar haben Sie gärtnerische Qualitäten", sagt Kleinschroth und schärft dem Mann ein, er solle sie nach der Haft im legalen Bereich nutzen.

Noch im Gericht nehmen Angeklagter und Staatsanwaltschaft das Urteil an. Lob zollt der Richter dem Nachbarn, der den Drogenhändler angezeigt hat. "Endlich hat jemand den Mut gezeigt, etwas zu unternehmen." Der Mann ertrug es nicht mehr, dass der süße Geruch der Drogenpflanze immer bei ihm ins Kinderzimmer waberte.

 


Kommentar hinzufügen