26-Jährige muss für Betäubung und Raub sieben Jahre hinter Gitter

Heilbronn  Das Heilbronner Landgericht verurteilte die Angeklagte im Whiskey-Fall zu einer hohen Strafe. Die Kammer hat keine Zweifel, dass die Frau einen 61-Jährigen in einem Hotelzimmer betäubte und ihm dann 55.000 Euro stahl. Mit klaren Worten kritisierte das Gericht die Lügen-Strategie der Familie.

Von Carsten Friese

26-Jährige muss für Betäubung und Raub sieben Jahre hinter Gitter
Der kuriose Fall um geraubte 55.000 Euro nach der Betäubung eines 61-Jährigen in einem Hotelzimmer endet mit einer drastischen Strafe. Foto: Unclesam/stock.adobe.com  

Als Richter Frank Haberzettl eine siebenjährige Haftstrafe für schweren Raub und gefährliche Körperverletzung ausspricht, blickt die 26-jährige Angeklagte am Mittwoch relativ gefasst zu ihrem Verteidiger. Kurz danach vergräbt sie ihr Gesicht in den Händen und scheint zu verstehen, dass sie ihr riskantes Pokerspiel krachend verloren hat.

Die stark verschuldete Frau hat nach Überzeugung des Landgerichts den 61-jährigen Bekannten, einen Autohändler, im Insel-Hotel nach langem Chat-Austausch besucht - aber nicht wie vereinbart, um Sex gegen Geld in die Tat umzusetzen. "Sie hatten einen anderen Plan", sagt der Richter und bestätigte die Anklage, nach der die 26-Jährige aus dem Kraichgau dem älteren Mann ein Betäubungsmittel in einen Whiskey mischte, dann seinen Autoschlüssel nahm und im Wagen nach Geld suchte. Dass der ältere Mann viel Geld hat, hatte er durch ein übersandtes prahlerisches Foto mit lauter Geldscheinen Tage zuvor dokumentiert. 55.000 Euro hatte er in einem Kuvert im Auto - Geld, das er nach seiner Aussage für einen Autokauf dort deponiert hatte.

Version der Angeklagten stuft der Richter als abstrus ein

Die Version der 26-Jährigen, dass der Autohändler sich das in seinem Körper nachgewiesene Betäubungsmittel selbst eingeflößt habe, um ihr oder ihrer Familie etwas in die Schuhe zu schieben, stuft der Richter als abstrus ein. Am Mantelärmel der Angeklagten fand man den Wirkstoff des Mittels, ebenso in der Wohnung der Familie. Und: Die Geldflüsse, die ihre Familie dem Gericht beschrieben hatte, um den plötzlichen Reichtum der 26-Jährigen zu erklären, stuft das Gericht als kollektive Lügen zur Legendenbildung ein. Abwegig nannte der Richter es zum Beispiel, dass die Familie Geld abhob und über Jahre nach ihrer Version zu Hause liegen ließ - statt Bankschulden zu tilgen. "Das Geld war die Beute aus dem Raub, daran haben wir keinen Zweifel." Am Ende spreche "alles gegen Sie", sagt Haberzettl zur Angeklagten.

Als "völlig unnötig" bewertet der Richter dieses harte Urteil. Obwohl er ihr Brücken gebaut habe, habe die 26-Jährige an ihrer Version festgehalten. Bei Geständnis, Reue und einem Angebot zur Geldrückzahlung hätte man unter Umständen auf drei Jahre Haft kommen können. So seien die sieben Jahre angemessen - zumal es um eine hohe Summe gehe und die 26-Jährige wegen eines Einbruchs unter Bewährung stand.

Mit Zinsen muss die Verurteilte die 55.000 Euro zurückzahlen

Die 55.000 Euro muss die Angeklagte dem Autohändler zurückzahlen - mitsamt fünf Prozent Zinsen. Ihr Verteidiger, der in seinem Plädoyer Freispruch gefordert hat, will zunächst einmal Revision gegen das Urteil einlegen. Nebenklageanwältin Sandra Göke erklärte dem Autohändler die Vorgehensweise, per Gerichtsvollzieher zu versuchen, das Geld wiederzubekommen. Und die Staatsanwaltschaft wird prüfen, ob sie gegen Vater, Mutter und Schwestern der Angeklagten wegen Falschaussagen vor Gericht ermitteln wird.

 


Völlig verzockt

Ein Kommentar von Carsten Friese

Das Urteil im Whiskey-Prozess ist konsequent. Die Angeklagte büßt nun für ein sehr naives Verhalten – von ihr, ihrer Familie und ihrem Anwalt.

Sieben Jahre Haft: Es ist eine gewaltige Strafe, die das Heilbronner Landgericht gegen eine 26-jährige Frau verhängt hat. Weil sie einen lüsternen Bekannten, der ihre finanzielle Not mit Sexdiensten ausnutzen wollte, erst betäubt und dann kräftig ausgenommen hat.

Das verheiratete Opfer hat in dem Fall nur wenig Sympathie verdient. Doch was die junge Angeklagte und ihre gesamte Familie da vor Gericht abgeliefert haben, war eine kollektive Dummheit ersten Ranges. In einem Fall, in dem viele Indizien selbst für Laien gegen die Angeklagte sprechen, sponn die Familie eine Lügengeschichte, die absurd war. Und trotz mehrerer Warnungen des Richters blieben Mutter, Vater, Schwestern und Angeklagte eisern bei ihren schiffbrüchigen Erklärungen. Das Urteil ist nicht nur konsequent.

Es zeigt, dass der Staat auch die Härte des Gesetzes ausschöpft, wenn Beschuldigte meinen, ihn für dumm verkaufen zu wollen. Die Familie hat geglaubt, schlauer als Richter und Ermittler zu sein – und steht nun vor einem Scherbenhaufen.

Bemerkenswert an dem Fall ist auch, dass der Anwalt offenbar nicht den Weitblick hatte, die Lage realistisch einzuschätzen. Er gab eine schwache Figur ab und hat es versäumt, auf eine sinnvolle Verteidigungsstrategie zu drängen. Sieben statt drei oder vier Jahre Haft – da steht auch der Anwalt mit in der Verantwortung. Nun dürfte es zu spät sein. Es ist nicht zu erwarten, dass das Urteil in nächster Instanz kippt.