21 Stiche auf Noch-Ehefrau: 35-Jähriger räumt Tat zum Prozessauftakt ein

Heilbronn  Seit diesem Montag wird vor dem Heilbronner Landgericht ein Eifersuchtsdrama mit fatalen Folgen verhandelt.

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Eifersuchtsdrama mit fatalen Folgen: Weil er auf seine getrennt von ihm lebende Ehefrau 21 Mal in Heilbronn mit einem Messer eingestochen haben soll, muss sich ein 35-jähriger Angeklagter seit diesem Montag wegen versuchten Totschlags vor dem Heilbronner Landgericht verantworten. "Alle Angaben in der Anklage stimmen. Er bedauert die Tat sehr", gab Verteidiger Christoph Wingerter für seinen Mandanten eine kurze Erklärung ab.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem aus Bulgarien stammenden Arbeiter vor, seine Frau in der Ehe wiederholt geschlagen zu haben. Er musste aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen; sie erwirkte zudem ein Annäherungsverbot. Am Tatabend im September 2020 soll er zu ihrer Wohnung gelaufen und dann über eine Regenrinne und ein offenes Fenster ins Innere gelangt sein. Dort sah er seine Frau mit neuem Partner auf dem Sofa beim Liebesspiel. Laut Anklage holte der Noch-Ehemann ein Küchenmesser, wollte zunächst auf den Liebhaber einstechen.

Als der fliehen konnte, soll der 35-Jährige seine Frau immer wieder in Oberkörper und Beine gestochen haben. Als sie zusammensackte, stark blutete und einige Zeit ohnmächtig wurde, soll er den Nachbarn gebeten haben, einen Rettungswagen zu alarmieren. Die 32-Jährige überlebte nach einer Notoperation. Aber: Sie habe bis heute Schmerzen, Taubheitsgefühle, Panikattacken und Schlafprobleme, sagte sie als Zeugin. Da sie bis heute nicht richtig arbeiten kann, erhielt sie die Kündigung von ihrer Leihfirma.

"Ich dachte, jetzt sterbe ich", sagte sie über die Momente der Attacke. In einigen Aussagen vermischte sie offenbar Gelesenes, Gehörtes und Annahmen. Es ergab nicht immer ein stimmiges Bild zur Anklage. Nach wiederholten Schlägen habe sie ihren Mann im Sommer bei der Polizei angezeigt. "Ich konnte nicht mehr." Vor den Stichen soll ihr Ehemann ihr vorgeworfen haben, sein Leben "kaputt gemacht" zu haben.

Der Angeklagte kam nach seinen Angaben 2009 nach Deutschland, arbeitete zuletzt bei einer Leihfirma. Alkohol trank er praktisch täglich, große Mengen, wie er angab, Bier, auch Schnaps. Offenbar wegen vieler Krankheiten in der Kindheit lernte er nie lesen und schreiben. 


Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.

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