2019 müssen alle Heizrohre im GKN geprüft werden

Neckarwestheim  Die GKN-Infokommission hat über die Schäden in den sicherheitsrelevanten Dampferzeugern von GKN II diskutiert. Laut Atomaufsicht sind alle Probleme behoben. Trotzdem muss die EnBW alle Rohre prüfen. Kritik wurde an einer Anti-AKW-Organisation laut.

Von Reto Bosch
Email
GKN: 2019 müssen alle Heizrohre geprüft werden

GKNFoto: Veigel

Die Heizrohrschäden in den sicherheitsrelevanten Dampferzeugern von GKN II haben auch die Diskussion in der Informationskommission am Mittwochabend bestimmt. Während Betreiber EnBW und das Umweltministerium betonten, dass ein sicherer Betrieb gewährleistet ist, wurden die Vorbehalte des Umweltschutzverbandes BUND deutlich. Die Atomaufsicht warf der Anti-Atom-Organisation Ausgestrahlt "unseriöses" Verhalten vor.

Schäden an 101 Heizrohren entdeckt

Bei der Revision des Kernkraftwerks GKN II wurden an insgesamt 101 Heizrohren Korrosionsschäden entdeckt. Leckagen oder Risse könnten unter anderem dazu führen, dass radioaktiv belastete Kühlflüssigkeit vom besonders gesicherten Primär- in den Sekundärkreislauf gelangt. BUND-Regionalgeschäftsführer Gottfried May-Stürmer wies in der GKN-Infokomission auf Pressemitteilungen von Ausgestrahlt hin, die unter Berufung auf Studien von zwei Experten vor hohen Risiken warnten (wir berichteten). Etwa dann, wenn Heizrohre komplett abreißen.

"Das sind ernst zu nehmende Fachleute", meinte May-Stürmer. Das stellt die Atomaufsicht nicht infrage. Abteilungsleiter Gerrit Niehaus hält das Vorgehen von Ausgestrahlt trotzdem für nicht seriös. Den Aussagen der Anti-AKW-Organisation seien Szenarien zugrunde gelegt worden, die vollkommen unwahrscheinlich seien. Jörg Michels, Geschäftsführer der Energie Baden-Württemberg Kernkraft GmbH (EnKK), verglich die Wahrscheinlichkeit gar mit dem Einschlag eines Meteoriten. Thomas Wildermann vom Umweltministerium versicherte, dass beide von Ausgestrahlt angeführten Untersuchungen intensiv geprüft und bewertet worden seien, unter anderem von der Reaktorsicherheitskommission.

Mehr zum Thema: Starke Schäden an Rohren im Kernkraftwerk Neckarwestheim    

 

Stopfen sollen Rohre stabiliseren und außer Funktion nehmen

Atomaufsicht und Betreiber sind sich einig, dass die Ursachen für die Korrosionsschäden eindeutig identifiziert worden sind - teilweise waren die Wandstärken um 91 Prozent geschwächt. Die Rohre seien allerdings zu jedem Zeitpunkt ausreichend stabil gewesen. Zum einen, so das Ministerium, hätten sich Eisenoxide auf den Rohrböden der Dampferzeuger abgelagert. Dies soll künftig vermeiden werden, indem die EnKK darauf verzichtet, dem Heizdampf Sauerstoff zuzusetzen. Dies wurde aus technischen Gründen bislang gemacht.

Zum anderen gelangte über kleine Lecks in den Kondensatoren Sulfat in den sekundären Kühlkreislauf. Die Salze reicherten sich an, es entstanden stellenweise stark saure Bereiche, ideale Bedingungen für Korrosion. Auch dies will die EnKK durch Umstellungen vermeiden. Die Kondensatoren sind nach Aussagen von Jörg Michels abgedichtet worden. Zudem haben die EnKK-Leute die Rohrböden gereinigt und korrosionsfördernde Stoffe beseitigt. In die beschädigten Heizrohre haben sie Stopfen eingebaut, um sie zu stabilisieren und außer Funktion zu nehmen.

EnBW hat Nachweise vorgelegt

Alles in allem ist die Atomaufsicht davon überzeugt, dass die Dampferzeuger von GKN II die Betriebsphase bis zur nächsten Revision im kommenden Jahr meistern werden. Entsprechende Nachweise habe die EnKK vorgelegt, sagte Charlotte Vollmer vom Umweltministerium. Auch der zuständige Ausschuss der Reaktorsicherheitskommission habe keine weiteren Schritte gefordert. Deshalb ist der Reaktor auch wieder am Netz. Vollmer kündigte an, dass entgegen den Vorgaben des Kerntechnischen Regelwerks (KTR) bei der Revision 2019 erneut alle Heizrohre aller Dampferzeuger geprüft werden müssen. Vorgeschrieben wären laut KTR nur 20 Prozent der Rohre.

Technik eines Druckwasserreaktors

In einem Druckwasserreaktor umspült Kühlflüssigkeit im Reaktordruckbehälter die heißen Brennelemente. In diesem abgeschlossenen Primärkreislauf wird das Kühlwasser unter hohem Druck in die Dampferzeuger gepumpt. Der Dampf treibt die Turbinen und damit auch den Strom erzeugenden Generator an. Der Kondensator verflüssigt anschließend den Dampf, das Kühlwasser kann also wieder in den Dampferzeuger gepumpt werden. Im Falle von Neckarwestheim wird das Wasser für den dritten Kreislaufs im Kondensator, vom Kühlturm abgekühlt.

 

 


Kommentar hinzufügen