Zum Feiertag sind Feld und Flur in Flein von Müll befreit

Flein  Ein Aufruf der Gemeinde Flein zur Plogging-Aktion wurde gehört. Als Belohnung fürs Müll-Einsammeln winken drei Teilnehmern Liegestühle.

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Kinder der Familien Eckert und Schaible, begleitet von Kater Toni, haben sich Zangen bei der Gemeinde geholt und sammeln am Deinenbach Müll ein.

Foto: privat

Schon ein bisschen seltsam, eine Veranstaltung anzukündigen und im gleichen Atemzug nachzuschieben, sie eine Woche vor dem Termin wieder abzusagen. Aber in Zeiten, in denen vieles nicht mehr normal ist, kann auch das Sinn machen. Jedenfalls ist es kreativ.

Im März hatte die Gemeinde den 1. Mai zum "1. Fleiner Plogging-light-Tag" ausgerufen. Statt zu einer Flurputzete, wie sie unregelmäßig die Jugendfeuerwehr und die Jäger durchführten, wurde zum coronakonformen individuellen Mülleinsammeln eingeladen. Das Echo war positiv.

Plogging gleich pflücken und joggen

Bürgermeister Alexander Krüger erklärt den Hintergrund: Bleib zu Hause, Abstand halten - das ist die Devise in der Pandemie, um die Ausbreitung des Virus zu vermeiden. Dennoch könne man sich sinnvoll betätigen. Zum Beispiel beim Plogging. Der Begriff setzt sich aus dem schwedischen Wort für pflücken und joggen zusammen. Und weil sich beim (Spazieren-)Gehen leichter Unrat einsammeln lässt, wählte Flein den Zusatz "light". Da viele Freizeitaktivitäten gestrichen sind, halten sich mehr Menschen im Freien auf. Das hinterlässt Spuren, sprich mehr Müll im Ort, in Feld, Wald und Flur.

Warum es also nicht der Oberstufe der Fleiner Johannesschulen gleichtun, für die Müllbeseitigung Teil ihres Projektunterrichts ist? Jede Woche ist sie unterwegs, um in der Umgebung der Schule all das aufzusammeln, was andere achtlos oder mutwillig wegwerfen.

Nachhaltige Müllbeutel und Zangen

Die Steuerungsgruppe Fair-Trade-Gemeinde machte sich an die Organisation der Aktion, besorgte nachhaltige Müllbeutel aus recycelten Teesäcken. Die Gemeinde schaffte Müllzangen an, die fürs Plogging ebenfalls ausgegeben wurden. Als kleiner Anreiz, dass sich Einwohner in den Wochen vor dem Feiertag auf den Weg machten, winken Preise. Unter den Teilnehmern werden in der kommenden Woche drei Fleiner Liegestühle verlost - "damit man sich nach getaner Arbeit ausruhen kann", sagt Bürgermeister Alexander Krüger.

Gag: Begleitung durch den Bürgermeister

Die zweite Motivationsspritze: Wer wollte, konnte mit dem Bürgermeister eine Stunde lang unterwegs sein. Zwei Ehepaare, so erzählt der Gemeindechef, hätten diesen Gag mitgemacht. So sammelte er mit dem einen Paar beim Krügle in Richtung Kotzbuckel einen "Riesensack" Unrat ein, mit dem anderen füllten sich auf dem Weg von der Johannesschule bis zum Hofwiesenpark drei kleine Säcke. Wer den eingesammelten Müll zuhause nicht entsorgen wollte, konnte ihn vom Bauhof abholen lassen.

20 Teilnehmer waren dabei

"Wir sind mit der Resonanz zufrieden", zieht Krüger Bilanz. 20 Familien oder Paare sowie Klassen der Fleiner Johannesschulen und der Paul-Meyle-Schule Heilbronn - die Lehrerin wohnt in Flein - machten Plogging. Ein herzliches Dankeschön lässt die Gemeinde ihnen zukommen, auch der Steuerungsgruppe für das bürgerschaftliche Engagement. Das Ergebnis sei sichtbar. So konnten die Fleiner Nachrichten jetzt folgerichtig mit launigen Worten die Absage des Plogging-light-Tags verkünden.

 


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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