Winterzeit ist Gartenzeit - So überstehen Pflanzen die kalte Jahreszeit

Region  Die Gartenexperten Hermann Zürn und Volker Kutofsky geben Pflegetipps für die kalte Jahreszeit. Denn auch in den Herbst- und Wintermonaten gibt es im Garten einiges zu tun.

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Bis zum Winter hat Gärtnermeister Hermann Zürn mit seinen Weihnachtssternen noch alle Hände voll zu tun.

Foto: Nils Buchmann

"Es ist immer Gartenzeit", antwortet Hermann Zürn lachend auf die Frage, ob man denn auch den Wintermonaten das Prädikat "Gartenzeit" zuschreiben könne. Damit ist klar: Weder Zürn, Zierpflanzengärtnermeister und Besitzer der gleichnamigen Gärtnerei in Möckmühl, noch der durchschnittliche Hobbygärtner kommen in den kühlen Herbst- und Wintermonaten um Gartenarbeit im und am Grünen herum. Doch dabei gibt es einiges zu beachten. "Jede Pflanze hat ihren eigenen idealen Schnitttermin", weiß Zürn. So sollten etwa Apfelbäume im Winter geschnitten und Dahlien vor dem ersten Frost aus dem Boden genommen werden.

Kosmetische Arbeiten statt zu viel Aktionismus

Oleander, Olivenbäume und andere mediterrane Gehölze müssen ebenfalls vor den nahenden Minustemperaturen geschützt werden, betont Volker Kutofsky. Der Inhaber der Weinsberger Rosenkulturen warnt zudem vor zu frühem Aktionismus: "Gerade bei heimischen Gehölzen, Rosen oder Stauden, genügt es, sie erst im Winter oder Frühjahr zurückzuschneiden oder auszudünnen." Und auch mit Wintervlies solle der Hobbygärtner vorsichtig sein, denn "viele heimische Gewächse vertragen ein wenig Kälte". Er empfiehlt im Herbst daher eher kosmetische Gartenarbeiten wie das Laubentfernen von Rasenflächen, damit diese nicht ersticken. Für Kübelpflanzen sollten ebenfalls frühzeitig Vorkehrungen getroffen werden. "Wenn sich in den Übertöpfen Wasser sammelt, ertrinken die Pflanzen", sagt Kutofsky. Tonkübel sollten zum Schutz vor dem Frost auf Hölzer oder Füße gestellt werden.

Für Narzissen, Krokusse oder Schneeglöckchen sei jetzt ebenso eine gute Setzzeit wie für das Pflanzen von Bäumen und Sträuchern. "Sie können im Herbst viel Wasser aufnehmen und brauchen dann im Frühjahr entsprechend weniger", erklärt Hermann Zürn. Er leitet den Gärtnereibetrieb seit 27 Jahren und hat in dieser Zeit festgestellt, dass viel früheres Wissen über Garten- und Pflanzenpflege verloren gegangen ist: Man müsse beispielsweise die Ratschläge der Großelterngeneration wieder ausgraben.

Dass viele Bio-Betriebe inzwischen auf altbekannte Hausmittel setzen und gerade während der Corona-Pandemie viele Menschen die Gartenarbeit oder die Gemüsezucht im heimischen Garten (wieder) für sich entdeckt hätten, seien Schritte in die richtige Richtung.

Noch bleibt die Hoffnung auf Niederschlag

"Pflanzen sind die Möbel der Seele", sagt der passionierte Gärtnermeister, der auch in einem zweiten Leben keinen anderen Beruf ergreifen wollen würde. Doch auch er kann nicht alles rund um den Garten beeinflussen: "Ich hoffe immer noch auf 400 Liter Regen im Winter." Besonders für die zahlreichen zu trockenen Bäume seien solche Niederschlagsmengen sehr wichtig.

Häufig wechselnde Wintertrends sehen die beiden Experten unterdessen nicht. Vielmehr dürften auch in diesem Jahr alte Bekannte wie Heidekräuter, Stacheldrahtpflanzen und verschiedene Sumpfgräser Anklang finden. "Aber auch im Herbst und Winter gesäte Stiefmütterchen sind im darauffolgenden Frühjahr etwas Tolles", betont Volker Kutofsky.

Für Hermann Zürn steht bis zum ersten Advent besonders die Züchtung und Pflege der Weihnachtssterne im Mittelpunkt. Bislang ist im Gewächshaus noch nicht viel vom typischen Rot der sternförmigen Hochblätter zu sehen, doch bis zur Adventszeit, davon ist Zürn überzeugt, wird die beliebte Zimmerpflanze in ihrer vollen Pracht erblühen.


Nils Buchmann

Nils Buchmann

Volontär

Nils Buchmann arbeitet seit Oktober 2020 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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