Welche Weinreben färben sich im Herbst Rot, welche Gelb?

Weinsberg  Die Rebflächen der Weinberge in der Region bieten im Herbst ein spektakuläres Bild. Ein Weinexperte erklärt, welche Farben die vielen Sorten von Trollinger bis Riesling annehmen.

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Die Weinberglagen, wie hier der Schemelsberg und daneben die Weinsberger Weibertreu, sind eine Augenweide. Strahlender Sonnenschein steigert die Farbenpracht des Laubes.

Foto: Ralf Seidel

Die Natur hat den Malkasten ausgepackt und den Pinsel in die Rot- und Gelbtöne getaucht. Die Weinberge bieten derzeit ein herrliches Farbgemälde, an dem sich Spaziergänger und Radfahrer nicht satt sehen können, besonders an sonnigen Tagen. Warum schlüpft die eine Rebsorte in eine dunkelrotes Kleid, warum eine andere in ein gelbes? Und welche Herbstfarbe ist für den Trollinger typisch, welche für den Dornfelder? Dr. Jürgen Sturm, Leiter der Rebenzüchtung bei der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg, klärt auf.

Sonnenschein bringt Farbenpracht zur Geltung

"Dieses Jahr sind die Weinberge besonders schön, auch die Wälder", schwärmt der Experte. Das hänge mit dem Wetter zusammen. Strahlender Sonnenschein bringe die Farbenpracht gut zur Geltung. Die Herbstfärbung sorgt besonders in Hanglagen im Weinsberger Tal oder im Schozach- und Bottwartal für ein geometrisches Muster. Die Parzellen sind scharf abgegrenzt und gut zu erkennen.

Der hormonelle Umbau beginnt

Vom Frühjahr bis zum Sommer gebe es kaum einen Unterschied bei den Blättern. Da sind die Weinlagen in Grün getaucht. "Wenn der Herbst einsetzt, merkt die Pflanze, dass langsam der Winter kommt", sagt Jürgen Sturm. Der hormonelle Umbau setze ein. Das Chlorophyll - das Blattgrün - werde abgebaut und die Photosynthese eingestellt. Die Grundfärbung der Blätter trete hervor. Im Herbst ziehe die Rebe alle Nährstoffe aus den Blättern, um die Winterkälte gut zu überstehen und eine Reserve für das kommende Jahr zu haben.

Rote Farbstoffe, die Anthocyane, könne die Rebe nicht gebrauchen, deshalb blieben diese in den Blättern. Je nachdem, wie die chemische Zusammensetzung dieser Farbstoffe sei, verfärbten sich die Rebsorten unterschiedlich.

Lemberger mit intensivem Rot

"Alles, was sich rötlich verfärbt, sind Rotweinsorten", erklärt der Leiter der Rebenzüchtung. Die Blätter des Spätburgunders bekommen eine leichte Rottönung, der Dornfelder trägt im Herbst ein Mittelrot, der Portugieser Orange. Eine intensives Rot kennzeichnet den Lemberger, eine der wichtigsten württembergischen Sorten. Die Färbersorten wie Pallas oder Cabernet mitos, die in den Trauben viel Farbstoff bilden, würden in der Region nicht sehr häufig angebaut, sagt Sturm. Deshalb mischt sich in die bunte Laubpracht nur vereinzelt ein dunkles Weinrot.

Trollinger ist eine Überraschung

Das Blattwerk der Weißweine verwandelt sich überwiegend in Gelb. Die Intensität hängt davon ab, wie stark der noch vorhandene Grünstich sei, fügt Sturm hinzu. Überraschend die Parzellen, auf denen Trollinger angebaut wird: Sie verfärben sich ebenfalls gelb. Die unterschiedlichen Schattierungen haben mit dem Alter der Reben und dem Standort zu tun.

So herrlich das Landschaftsbild der Weinberge im Herbst, so trist erscheint es oft im Winter. Der Gegensatz könnte nicht größer sein: Die Blätter sind verwelkt und davon geflattert, die Rebstöcke bleiben nackt zurück. Die Sonne steht nicht mehr so hoch, die Wolken hängen tief, die Tage sind kürzer, und auch die Begrünung der Böden ist nicht mehr so üppig.

Der Kreislauf im Wengert

"Im Frühjahr erwacht wieder das Leben", beschreibt Sturm den Kreislauf im Weinberg. In den Fahrgassen erblüht die Einsaat, an der sich Insekten laben. Die Blühmischungen nehmen aus dem Boden Nährstoffe auf und werden im späten Frühjahr untergemulcht. So sind sie ein natürlicher Mineraldünger für die Rebstöcke.

Ab Mitte Juni bildet sich eine dichte Belaubung. Die Vegetation ist auf ihrem Höhepunkt, wenn denn der Sommer nicht zu trocken ist. "Wenn die Blätter ihre volle Größe haben, werden viele Nährstoffe gebildet, die in die Trauben verlagert werden", sagt Sturm. "Und dann beginnt die Reife."

Die häufigsten Rebsorten in Württemberg

Der Trollinger ist die häufigste Rebsorte in Württemberg. 2104 Hektar entfallen auf diese Sorte, gefolgt von 1722 Hektar mit Lemberger und 1367 mit Schwarzriesling. Auf den 11 106 Hektar Gesamtanbaufläche dominiert beim Weißwein der Riesling mit 2061 Hektar. Müller-Thurgau (298 Hektar), Kerner (274) und Ruländer (206) liegen deutlich dahinter. Der Anteil Rot- zu Weißweinen beträgt 69 zu 31 Prozent.


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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