Warum nicht alle Spielplätze pünktlich wieder zugänglich waren

Region  Am Mittwoch sollten die Spielplätze wieder zugänglich sein, zumindest theoretisch: Weil die Empfehlung des Sozialministeriums am Vortag aber spät veröffentlicht wurde, ziehen viele Kommunen mit der Öffnung erst später nach.

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Mit dem Abnehmen der Absperrbänder ist nicht gleich alles getan: Der Neckarsulmer Bauhof richtete die Spielplätze, wie diesen in der Gymnasiumstraße, her. Foto: Linda Möllers

Viele Familien mit kleinen Kindern werden sich den Mittwoch, 6. Mai, in ihrem Kalender notiert haben als den Tag, an dem die Spielplätze wieder geöffnet werden. Seit gut acht Wochen sind die Areale gesperrt und werden als Freizeitanlage und Treffpunkt schmerzlich vermisst: das Buddeln im Sandkasten, das Toben auf den Geräten und der Kontakt zu anderen Kindern und Eltern.

Gegen 12.30 Uhr an diesem 6. Mai stand Julia Kaputa mit ihren kleinen Geschwistern Lukas (5) und Sofia (2) jedoch vor dem noch immer abgesperrten Spielplatz in der Gartenstraße in Flein. Die beiden Kleinkinder waren zwar recht enttäuscht, schließlich waren sie eigens zum Spielen hergekommen. Letzten Endes wussten sich die Geschwister zu beschäftigen und nutzten die freie Wiese neben dem Spielplatz. Die Absperrung nahmen sie selbstverständlich in Kauf.

Bürger nehmen Verspätung mit Missmut wahr

So manche Spielplätze in den nordöstlichen Kommunen blieben an diesem Stichtag vorerst gesperrt und wurden erst im Laufe des späten Nachmittags freigegeben. Bei vielen Bürgern sorgte das für Missmut, wie aus einer Facebook-Gruppe zu erfahren war: Manche Nutzer murrten, dass die Spielplätze in ihrer Gemeinde noch nicht geöffnet seien, obwohl das Datum bekannt gewesen sei.

Die Empfehlung des Ministeriums für Soziales und Integration, des Gemeindetags und Städtetags Baden-Württemberg zur Öffnung von öffentlichen Spielplätzen war jedoch erst am Vorabend veröffentlicht worden. Das Mantra in den kommunalen Verwaltungen lautete solange, abzuwarten, um auf Nummer sicher zu gehen. Weinsberg und Flein etwa hielten bewusst daran fest, auf die "Spielregeln" zu warten und dann erst die Spielplätze für die Öffentlichkeit freizugeben. "Allein schon, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein", erklärte Thomas Siegle, Hauptamtsleiter von Weinsberg, am Dienstag.

"Dass die Richtlinien erst am Dienstagabend kamen, war schon extrem spät", sagt der Neckarsulmer Bauhofleiter Andreas Pfeifer. Er hätte sich mehr Vorlaufzeit als nur wenige Stunden vor dem Stichtag gewünscht. In Neckarsulm waren die Spielplätze darum erst am Mittwochabend allesamt geöffnet. "Mit dem Abnehmen der Absperrbänder ist es ja nicht getan", sagte Pfeifer. Schließlich müssten die Areale, nachdem sie wochenlang nicht benutzt worden waren, erst fit gemacht werden. Für jeden einzelnen Spielplatz musste außerdem, entsprechend seiner Größe, die Maximalzahl der Kinder berechnet werden.

Eltern sind für Einhaltung der Regeln verantwortlich

"Es war etwas hektisch, die Beschilderungen am Mittwochmorgen für die jeweiligen Spielplätze zu fertigen und auszuhängen", berichtete Abstatts Bürgermeister Klaus Zenth. " Die Wasserspiele lassen wir zunächst noch außer Betrieb, da wir einen großen Andrang befürchten. Für unseren Bürgerpark wird es spannend werden, wie die Gebote eingehalten werden." In Neckarsulm etwa nehme das Ordnungsamt die Kontrollen der Spielplätze in das "Corona-Programm" auf, erklärte Jürgen Rixinger.

In Untergruppenbach waren Pia Mehrer und Sohn Leonard die Einzigen auf dem Platz in der Bubenhalde. Kein Problem also, was die Wahrung des Abstands angeht. Hier dürfen nicht mehr als 25 Kinder gleichzeitig spielen. "Es ist schwierig, den Kindern zu vermitteln, dass sie keinen körperlichen Kontakt haben dürfen", sagte die junge Mutter. Sie war dennoch zuversichtlich, dass die Eltern als Aufsichtspersonen sichergehen, dass die Regeln eingehalten werden. In Sachen Spielplätze erwartet Untergruppenbach übrigens Nachwuchs: In der Stettenfelser Straße wird derzeit ein neuer Platz gebaut.


Die Richtlinien

Auf öffentlichen Spielplätzen gilt: Zwischen den Personen ist ein Mindestabstand von 1,50 Metern einzuhalten. Für Kleinkinder, die die Abstandsregeln nur bedingt einhalten können, gilt dies daher wo immer möglich. Die zulässige Höchstzahl der Kinder auf dem Spielplatz ist nach Empfehlungen des Landesjugendamtes auf maximal ein Kind pro 10 Quadratmeter Gesamtfläche begrenzt. Die Höchstzahl wird für jeden Spielplatz von den Gemeinden berechnet und veröffentlicht. Kinder dürfen nur in Begleitung ihrer Eltern auf den Spielplatz. Für Kinder gilt keine Maskenpflicht.


Linda Möllers

Linda Möllers

Autorin

Linda Möllers kommt aus Weinheim an der Bergstraße und kam im November 2019 zur Heilbronner Stimme. Jetzt berichtet sie aus dem nördlichen und östlichen Landkreis - am liebsten über kulturelle und gesellschaftliche Themen.

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