Umfrage zum Stadtentwicklungskonzept in Weinsberg startet

Weinsberg  Die Bürgerbeteiligung ist ein wichtiger Baustein im Prozess. Welche Noten erteilen die 4000 befragten Weinsberger der Stadt und ihren Begebenheiten?

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Ein Blick von der Weibertreu auf die Stadt. Was gefällt den Weinsbergern an ihrem Wohnort, was vermissen sie? Das wird jetzt abgefragt.

Foto: Andreas Veigel

Wie lebt es sich in Weinsberg? Was ist besonders schön? Wofür gibt es Kritik? Wie zufrieden sind Einwohner mit dem Angebot - an Wohnraum, Betreuung, Freizeitaktivitäten, sozialen Dienstleistungen oder Einkaufmöglichkeiten? Welche sonstigen Wünsche, Anregungen und Ideen kommen aus der Bevölkerung?

Das ist ein Ausschnitt aus einem Katalog mit 24 Fragen verschiedener Themenbereiche, der nun 4000 Weinsbergern ab 16 Jahren zugegangen ist. Dieses repräsentative Meinungsbild fließt ein in das Stadtentwicklungskonzept Weinsberg 2035.

Demografische Gesichtspunkte bei der Auswahl

Zwar sind die Adressaten nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Zugrunde liegen jedoch demografische Gesichtspunkte wie Alter, Geschlecht, Nationalität, damit die Umfrage repräsentativ ist und einen guten Querschnitt liefert, macht Hauptamtsleiter Thomas Siegle deutlich. Die Umfrage sei anonym, die Stadtverwaltung habe keinen Zugang zu den Antworten und bekomme vom beauftragten Büro Reschl Stadtentwicklung nur die zusammengefassten Ergebnisse

"Wir erhoffen uns eine gute Resonanz", sagt Siegle. Eine Rücklaufquote von 30 bis 40 Prozent wären gut. In Obersulm, das sein Zukunftskonzept im vergangenen Oktober verabschiedete, hatten 43 Prozent der Befragten auf Papier oder online geantwortet. "Die Bürgerbeteiligung ist die Basis für die weitere Arbeit", hebt Siegle hervor. Deshalb sei sie eine ganz wesentliche Grundlage für das Stadtentwicklungskonzept. "Umso mehr die Leute mitmachen, umso gesicherter sind die Erkenntnisse, die wir für diesen Prozess kriegen."

Drei Themenkomplexe

Die Umfrage umfasst drei Komplexe: Leben, Wohnen und Arbeiten, Kultur, Freizeit, Nahversorgung sowie Bürgerbeteiligung, Kommunalpolitik und Verwaltung. Es geht zum Beispiel um die Lebensbedingungen für die unterschiedlichen Altersgruppen. Oder darum, wie der Wohnungsmarkt eingeschätzt wird. Die Meinungen zur zukünftigen Gewerbeentwicklung interessieren genauso wie die zu Umwelt-, Landschafts- und Klimaschutz. Beim Thema Mobilität und Verkehr sind Bewertungen des Öffentlichen Personennahverkehrs gefragt, von Parkmöglichkeiten, Belangen von Radfahrern und Fußgängern oder des Schulwegs.

Angeregt aus der Mitte des Gemeinderats, ist der größte Arbeitgeber der Stadt im Fragebogen separat berücksichtigt. Hier interessiert, welche Bedeutung dem Klinikum am Weissenhof beigemessen wird und wie gut dieser quasi vierte Stadtteil im Gesamtgefüge integriert ist.

Strategiepapier für die nächsten 15 Jahre

Siegle erklärt, was ein Stadtentwicklungskonzept ist: ein kommunalpolitisches Strategiepapier für die kommenden 15 Jahre. Aber es ist kein starres Handlungsprogramm, soll es doch immer wieder überprüft und angepasst werden. In Obersulm enthält das 150-seitige Werk 21 strategische Ziele sowie 40 Projekte und Planungen. Im Fokus der dortigen Bürger stehen die Schwerpunkte Landschaft, Soziales/Infrastruktur und Mobilität.

Da auf Volkes Stimme so viel gezählt wird, werden damit nicht Erwartungen geschürt, die gar nicht zu erfüllen sind? "Natürlich schürt man Erwartungen, das soll auch so sein", antwortet Siegle. "Aber man muss klar signalisieren, dass die Bürgerbeteiligung kein Wunschkonzert ist." Finanzen und Ressourcen setzten Grenzen. Und was umgesetzt wird, entscheidet der Gemeinderat. Der bezieht in das Meinungsbild auch weitere wichtige Zielgruppen ein: Mit Vereinen sowie Handel und Gewerbe werden dazu Gespräche geführt.

Die weiteren Schritte

Wie geht es weiter in Sachen Stadtentwicklungskonzept? Die Ergebnisse der Bürgerbefragung werden dem Weinsberger Gemeinderat bei einer zweitägigen Klausur im Herbst präsentiert, gibt Hauptamtsleiter Thomas Siegle zur Auskunft. Dann folgt der zweite Schritt der Bürgerbeteiligung. Einwohner können ihre Wünsche, Ideen und Anregungen bei einer Veranstaltung wohl im Frühjahr 2021 einbringen. Wenn alles eingearbeitet ist, verabschiedet der Gemeinderat das Handlungsprogramm der Zukunft mit den strategischen Zielen, Projekten und Planungen. Rund 70 000 Euro bekommt das beauftragte Büro.


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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