Trauben-Apotheke in Löwenstein schließt

Löwenstein  In Löwenstein endet eine Jahrhunderte alte Tradition: Die Trauben-Apotheke, eine der ältesten im Weinsberger Tal, schließt zum 30. November. Die Suche nach einem Nachfolger scheiterte an hohen Hürden für Landapotheken.

Von Gustav Döttling
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Wolfgang Auell hinter der Theke: Seit 1986 war dies sein Arbeitsplatz. Foto: Gustav Döttling

Die Stadt Löwenstein verliert einen wichtigen Mosaikstein ihrer Infrastruktur. Wolfgang und Karen Auell schließen ihre Trauben-Apotheke in der Maybachstraße zum 30. November - nach einer langen Zeit. Apotheker Wolfgang Auell pachtete zunächst 1986 die Trauben-Apotheke von seinem Vorgänger Klaus Czirwitzky, 15 Jahre später kaufte er sie. Seitdem versorgt er zusammen mit seiner Frau Karen, die ebenfalls Apothekerin ist, und seinem Team die Löwensteiner Bevölkerung mit Medikamenten sowie pharmazeutischen und drogistischen Dienstleistungen.

Zwei Großkunden verloren

"Nach 35 Jahren ist es schon ein Abschied mit Wehmut, ich fühle mich gerade etwas ausgebrannt", sagt Wolfgang Auell. Er bedauert, dass er seine Apotheke aus wirtschaftlichen Gründen schließen muss. Nachdem er zwei Großkunden verloren habe, trage sich die Trauben-Apotheke wirtschaftlich nicht mehr. Wichtige Stützen waren zwei Altenheime aus Wüstenrot-Neulautern und die Evangelische Stiftung Lichtenstern. Die Altenheime hat Wolfgang Auell an einen Öhringer Kollegen verloren, der den Einrichtungen die Medikamente "verblistert", das heißt portioniert und eingeschweißt für jeden Patienten liefern kann. Das könne er mit seiner kleinen Landapotheke nicht leisten, so Auell.

Von der Laufkundschaft habe seine Apotheke noch nie existieren können. "Dazu kommt eine überbordende Bürokratie durch politische Entscheidungen, durch Verwaltungsvorschriften und die Krankenkassen, die ein wirtschaftliches Handeln enorm erschweren", berichtet der Apotheker.

Trauben-Apotheke in Löwensetin schließt

Die Löwensteiner Trauben-Apotheke ist eine der ältesten Apotheken im Weinsberger Tal. Doch die Bedingungen in den letzten Jahren haben den Betrieb erschwert. Foto: Gustav Dötting

Gesetzliche Auflagen wurden immer mehr

In den vergangenen sieben Jahren habe er von Jahr zu Jahr größere Umsatzeinbußen erlitten und immer höhere gesetzliche Auflagen für den Apothekenbetrieb erfüllen müssen. "Da wird beispielsweise vorgeschrieben, wie die Rezeptur zum Herstellen für Salben, Tropfen und Arznei abgeschirmt sein muss, sogar die Bodenbeläge werden uns vorgeschrieben", erläutert Auell. Dann sei das Thema der Rabattverträge von Krankenkassen mit den Pharmaherstellern aufgekommen, die zu einem verwaltungstechnischen Chaos und Einnahmeverlusten der Apotheken geführt hätten. Ein Fehler bei der Rezeptbearbeitung und man verliere das ganze Honorar. Nicht einmal der Einkaufspreis werde erstattet, erzählt der scheidende Apotheker.

Der organisatorische und verwaltungstechnische Aufwand, um Fehler zu vermeiden, sei speziell für kleinere Apotheken mit wenig Personal kaum leistbar. Nur weil seine Ehefrau Karen mitarbeite und die Apothekergehälter niedrig seien, habe er den Betrieb in den letzten Jahren noch aufrechterhalten können.

Kollegen aus Nachbarkommunen haben kein Interesse

Ein wenig Trost und Mitgefühle gebe es von seinen Kunden: "Es ist schade, dass Sie gehen", oder "Was wird jetzt aus uns in Löwenstein?", bekomme er zu hören. Er und seine Frau hätten sich in Löwenstein immer wohlgefühlt. Seit einem Jahr sucht Wolfgang Auell einen Nachfolger. Alle Kollegen in den Nachbarkommunen habe er gefragt, ob sie die Apotheke nicht übernehmen möchten, berichtet er. "Aber die haben die Zahlen gesehen, nachgerechnet und dann dankend abgelehnt", so Auell. "Ich habe in Willsbach sehr viel zu tun, aus wirtschaftlicher Sicht kommt Löwenstein für mich als Filiale nicht in Frage, weil sich mein Aufwand verdoppeln würde", erklärt der Obersulmer Apotheker Stephan Klaaßens auf Nachfrage der Heilbronner Stimme.

"Eine kleine Landapotheke wie Löwenstein oder meine Apotheke in Eberstadt funktioniert nur, wenn sie an eine größere Apotheke angeschlossen ist, eine gute Arztpraxis in der Nähe ist, und man qualifiziertes Personal bekommt", erklärt der Weinsberger Apotheker Bert Leisterer, wie er die Lage einschätzt. Er führt seit 2005 die beiden Apotheken, die er von seinem Vater übernommen hat. "Außerdem sind die Eberstädter treue Apothekenkunden, sie kommen auch mit Rezepten der auswärtigen Ärzte zu uns", erklärt Leisterer. Ansonsten sei ein Apothekenbetrieb nicht wirtschaftlich.

Löwensteins Bürgermeister Klaus Klaus Schifferer war kurzfristig für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.


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