Talheimer Schlossbergschule ist bald so modern wie ein Neubau

Talheim  Nach den Sommerferien ist die 3,6 Millionen Euro teure Generalsanierung des Talheimer Schulhauses von 1966 abgeschlossen. Das Atrium ist zur grünen Oase geworden und kann von den Schülern genutzt werden.

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Das Atrium, das bisher nicht zugänglich war, hat sich in eine grüne Oase verwandelt, in der die Schüler verweilen und gärtnern können. Fotos: Ralf Seidel

Es war in doppelter Hinsicht ein ungewöhnliches Schuljahr an der Talheimer Schlossbergschule. Nicht nur wegen der Corona-Krise, sondern auch angesichts der Räumlichkeiten. Denn im Herbst 2019 zogen die 160 Kinder in Container um, weil das 54 Jahre alte Schulhaus zur Baustelle wurde. Zum Schuljahresbeginn Mitte September können sie zurück in ihr Domizil, das nach der Generalsanierung im Inneren einem Neubau gleicht.

Vorfreude auf das sanierte Schulhaus

"Es war besser, als wir uns das am Anfang vorgestellt haben", meint Rektorin Christa Seliger zum Ausweichquartier im Baukastensystem. Das Lehrerkollegium freut sich auf das moderne Schulhaus. Die Raumgestaltung mit den farblichen Akzenten "wird einfach toll", sagt Seliger. "Wir haben jetzt ein Vorzeigeschulhaus", stellt Bürgermeister Rainer Gräßle fest. "Wenn man sieht, was daraus geworden ist, dann hätten wir keinen Neubau untersucht." In einem solchen, so bemerkt Kämmerer Dieter Uhler, hätte man keine 75 Quadratmeter großen Klassenzimmer, wie sie 1966 gebaut wurden. Der Standard heute sind 62 Quadratmeter. "Wir sind hoch zufrieden, und die Resonanz der Schulleitung ist super positiv", fasst Gräßle vier Wochen vor der Fertigstellung zusammen.

Es gab keine großen bösen Überraschungen. Einzig der Starkregen Mitte Juli sorgte für nasse Kellerräume und 1000 Euro Schaden. Trotz Corona habe es keine Verzögerung gegeben, berichtet der Kämmerer. Elektriker, Schreiner und Installateur sind noch auf der Baustelle. In den Fluren stapeln sich Türen, die an die Einbauschrankwände in den Klassenzimmern montiert werden müssen. So gibt es viel Stauraum, und für jeden Schüler in den Holzregalen eine Ablage für das Unterrichtsmaterial.

Ein ausgeklügeltes Farbkonzept

Nach der Innensanierung der Talheimer Schlossbergschule: So modern wie ein Neubau

Der Kunststeinboden ist nach dem Abschleifen viel heller.

Orange, Petrol, Gelb und Grün in zwei Abstufungen - für jede Klassenstufe eine eigene Farbe - hat Innenarchitektin Carolin Fischer ausgewählt und eine Berg- und Tallandschaft in Anlehnung an die Topographie Talheims an einer Wandseite aufmalen lassen. Ihrer Tochter Anna, die in die zweite Klasse kommt, gefällt"s. Fast jedes der acht Klassenzimmer hat einen Nebenraum für Gruppenarbeit.

Neben den Tafeln bekommt jedes Klassenzimmer einen Großmonitor. Leinwand und Beamer weichen der neuen digitalen Technik. "Medial sind wir auf dem neuesten technischen Stand", macht Dieter Uhler deutlich. Der Gemeinderat hatte den Medienentwicklungsplan mit 120.000 Euro genehmigt. Nach intensiver Diskussion wurde letztendlich fast einstimmig auch der Neumöblierung für rund 90.000 Euro zugestimmt. Tische und Stühle waren teilweise kaputt. Ohnehin hätten alle Bodenbügel der Tische überarbeitet werden müssen, damit der neue Vinyl-Boden nicht beschädigt wird. Der alte Kunststeinboden in den Fluren wurde abgeschliffen und erhält eine neue Versiegelung. Das Original ist nun nicht mehr angestaubt, sondern verbreitet den Charme der 60er Jahre.

Lehrer bekommen ein extra Arbeitszimmer

Der Computerraum wurde in ein Lehrerarbeitszimmer umfunktioniert, so dass alle zwölf Pädagogen hier konzentriert arbeiten können. In der freiwilligen Ganztagsschule ist ein solcher Bereich notwendig.

Die Schlossbergschule hat einen Aufzug erhalten und eine Gasbrennwertheizung, die Bücherei, Musikpavillon und Jugendhaus mitversorgt sowie noch Kapazitäten für die Schlossberghalle hat. Alles neu ist auch in den Hausmeisterräumen und der Kernzeitenbetreuung im Erdgeschoss. Verwaltung und Schulleitung schwärmen vom neuen Atrium. Aus dem verwilderten "Naturgarten", wie ihn Gräßle schmunzelnd bezeichnet, ist eine grüne Oase geworden, in der die Grundschüler auf Holzbänken verweilen oder in den Hochbeeten gärtnern können.

 

Kostenberechnung wird eingehalten

Mit der Fluchttreppe, die wahrscheinlich erst in den Herbstferien aufgebaut werden wird, beläuft sich die Generalsanierung des Schulinneren auf 3,6 Millionen Euro. "Die Kostenberechnung kommt hin", freut sich Kämmerer Dieter Uhler, der betont, dass das bei einem Großprojekt selten sei, und das in einer Hochpreisphase auf dem Bau. "Das hängt an der Top-Planung, der guten Vorplanung und Kostenberechnung", lobt er Carolin Fischer.

Mit der Außensanierung in den Jahren 2016/17 und den für ein Jahr angemieteten Containern für die Übergangsschule hat Talheim 6,1 Millionen Euro in die Schule investiert. Für dieses Geld, so Bürgermeister Rainer Gräßle, hätte man keinen Neubau, der ohnehin nur ein Zweckbau geworden wäre, bekommen. Und dann hätte der Unterricht auch mehr als ein Jahr lang ausgelagert werden müssen, ergänzt Uhler. Mit ihrem Antrag beim Land war die Gemeinde erfolgreich, obwohl Sanierungen eigentlich nicht gefördert werden. Sie bekam 541.000 Euro Zuschuss.

Die ausgedienten Tische und Stühle lagern derzeit im Keller. Die Gemeinde fragt im rumänischen Thalheim nach, ob dort Bedarf besteht. "Wenn ja, dann suchen wir jemanden, der sie dorthin transportiert. Das wäre eine sinnvolle Verwendung", sagt Gräßle.


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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