Sulmaue in Affaltrach ist tabu für neuen Recyclinghof

Obersulm  Der Gemeinderat Obersulm lehnt den von der Verwaltung favorisierten Standort ab. Einstimmig wird der Antrag der Grünen nach einem neuen Suchlauf akzeptiert. Auch Anwohner hatten die Pläne stark kritisiert.

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Die Aufregung bei den Anwohnern kann sich wieder legen: Hinter dem Gymnasium-Parkplatz wird kein Recyclinghof angelegt. Es bleibt bei ein paar Containern.

Foto: Mario Berger

Bevor das Thema in der Gemeinderatssitzung überhaupt aufgerufen wurde, hatte es schon für Wirbel gesorgt. Anwohner hatten mit einem Schreiben an Bürgermeister Tilman Schmidt, seinen designierten Nachfolger Björn Steinbach sowie die Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat dagegen protestiert, dass der Recyclinghof in die Sulmaue hinter den Parkplatz des Paul-Distelbarth-Gymnasiums verlegt werden soll. Das sah der Beschlussvorschlag der Verwaltung vor, die drei Areale untersuchen ließ. Der Favorit in der Mühlrainstraße war schnell vom Tisch. Denn auch im Gremium erntete dieser nur Kritik. So wurde letztlich der Antrag der Grünen geschlossen angenommen, einen weiteren Suchlauf zu starten.

Bauhof benötigt mehr Platz

Obersulm braucht einen neuen Recyclinghof, weil der Bauhof in der Robert-Bosch-Straße Eigenbedarf anmeldet und erweitert werden soll. Er muss seine Abstellflächen in der alten Post in Affaltrach, die zum Multifunktionsgebäude umgebaut wird, räumen. Das Landratsamt, zuständig für die Abfallwirtschaft, ist bereit, einen neuen Recyclinghof zu finanzieren.

 

Dieser sollte laut Kreisbehörde, zentral oder in der Nähe eines Einkaufsmarkts liegen, Strom-, Wasser- und Abwasseranschluss haben für ein Gebäude mit WC und Waschbecken. Der neue Standort sollte etwas größer sein - 13 bis 14 Ar - und mehr Parkplätze bekommen: 24 statt bisher 16. Das Ingenieurbüro Ippich, das für den Landkreis die Planungen erstellt, untersuchte die drei Möglichkeiten, die die Verwaltung ausgemacht hatte: ein Areal westlich vom Bahnhof Willsbach mit schmaler und kurvenreicher Zufahrt, eines beim Häckselplatz an der Kreisstraße Richtung Dimbach und eines nördlich des Gymnasium-Parkplatzes. "Uns war klar, dass keiner der drei Standorte komplett problemfrei ist", gab Bürgermeister Tilman Schmidt zu. Die meisten Kriterien erfüllte das Grundstück in der Mühlrainstraße.

Gelände als Grünfläche ausgewiesen

"Die Sulmaue sollte tabu sein", wandte sich Monika Steg für die SPD gegen dieses Ansinnen. Im Flächennutzungsplan sei das Gelände als Grünfläche ausgewiesen. Dort einen Recyclinghof zu bauen, sei eine Zumutung für die Anwohner und die Schule. "In die wunderschöne Landschaft passt so was nicht rein." Auch Karl-Ulrich Vollert (FWV) schüttelte ob der Auswahl den Kopf. Der Häckselplatz liege außerhalb, monierte er. Alle Alternativen hätten große Nachteile.

"Der erste Eindruck ist oft der entscheidende", nagelte Helmut Hornung (Grüne) Planer Volker Martin fest. Der hatte zugegeben, dass er die Sulmaue zunächst ausgeschlossen habe. Aber von der Lage, der Andienung und den Randbedingungen, die man durch eine starke Eingrünung und einen Erdwall verbessern könne, sei es der beste Standort, den man wegen der indirekt angrenzenden Wohnbebauung schon weiter weggerückt habe. Die Naturschutzbehörde halte die Wiesen für nicht besonders hochwertig.

Gelbe Tonne noch in weiter Ferne

Grünen-Fraktionsvorsitzender Armin Waldbüßer, der auch im Kreistag ist, berichtete von der Absicht des Landkreises, 2023 den Abfallwirtschaftsbetrieb neu auszurichten, eventuell mit einem Holsystem. Deshalb stelle sich die Frage, ob danach in der Dichte noch Recyclinghöfe notwendig seien. Für die Lagerkapazitäten des Bauhofs fände sich eine Zwischenlösung. Sein FWV-Kollege Ulrich Hohl wollte deshalb abwarten, was auf Kreisebene geschehe.

"Die gelbe Tonne ist noch in weiter Ferne", widersprach CDU-Fraktionschef Hermann Hohl. Angesichts der Gemeindegröße werde Obersulm weiterhin einen Recyclinghof benötigen, hakte Harry Keppele vom Landratsamt ein. "Wir sind total offen für Bedenken", meinte er zur Standortkritik. Die war für Helmut Heuser (FWV) überflüssig: "Wenn der Gemeinderat meint, der Recyclinghof kommt dort nicht hin - dann Punkt."

Kritik der Anwohner: Standort aus ökologischer Sicht katastrophal

Mehrere Anwohner des Baugebiets "Bernhardbiet II" in Affaltrach verfolgten die Gemeinderatssitzung am Montagabend. Bereits in einem Schreiben hatten vier von ihnen stellvertretend für "viele" Nachbarn im Vorfeld der Beratung ihre Ablehnung für das von der Verwaltung favorisierte Gelände an der Mühlrainstraße ausgedrückt.

Darin ist die Rede von einem vorwiegenden Gefühl von Enttäuschung und Entsetzen über das "stille Planungsvorgehen". Als Betroffene sehen sie sich uninformiert und komplett übergangen. Schließlich hätte ein Recyclinghof beim Gymnasium-Parkplatz direkte Auswirkungen auf das angrenzende Wohngebiet. Sie hätten sich hier für einen Bauplatz entschieden, weil es nahe an der Sulmaue liege und somit Erholung, Entspannung und Aktivität im Grünen ermögliche. Schon deshalb sei für sie ein Wertstoffhof hier undenkbar. "Wir werden, wenn nötig, weitere Schritte in die Wege leiten", heißt es weiter.

Vorwurf: Natur wird zerstört

Die Argumente der vier Unterzeichner sind vielfältig: Natur werde zerstört, auch eine Begrünung verbessere das optische Bild nicht. Befürchtet werden noch mehr illegale Müllablagerungen wie jetzt schon bei den Containern, mehr Verkehr, der Lärm und Abgase produziere sowie Gefährdung von Schülern, Fußgängern und Radfahrern.

Das Fazit der Unterzeichner: Den Recyclinghof aus einem Gewerbegebiet in ein "Naturgebiet" mit angrenzender Wohnbebauung zu verlegen, sei aus ökologischer Sicht katastrophal.

Auch Gymnasium kritisiert die Pläne

Das Evangelische Paul-Distelbarth-Gymnasium teilte Bürgermeister Tilman Schmidt mündlich seine Bedenken gegen den Standort mit. Die betrafen den Verkehr, gibt Schmidt zur Auskunft. Zum anderen habe die Bildungseinrichtung immer noch die Vision, in der Sulmaue nördliche der Schule ein weiteres Nachhaltigkeitsprojekt mit der Gemeinde zu verwirklichen: ein Teichbiotop, das 2015 daran scheiterte, dass die Gemeinde 70 000 Euro Zuschuss nicht bekam.


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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