St. Veit-Altar wird wieder in Fleiner Kirche aufgebaut

Flein  In den vergangenen Jahrzehnten hat sich viel Schmutz im Altar und den Figuren angesammelt. Die Farben sind jetzt wieder kräftiger. Evangelische Kirchengemeinde Flein hat 15.000 Euro ausgegeben.

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Ein prüfender Blick von Restauratorin Sophie Richter, als sie St. Veit von der Schutzfolie befreit hat. Die Altersblässe ist verschwunden, die Farben strahlen wieder.

Es ist wie eine Heimkehr", beschreibt Pfarrer Rolf Sons die Freude, dass der Heilige St. Veit wieder seinen angestammten Platz einnimmt. "Es hat was gefehlt", meint er zu der langen Zeit, die der spätgotische Altar der Fleiner evangelischen Kirche in der Werkstatt verbracht hat.

Von Oktober bis Februar hat Diplom-Restauratorin Sophie Richter den Kunstschatz in den Räumlichkeiten der Städtischen Museen Heilbronn gereinigt und konserviert. Da für den Aufbau mehrere Leute erforderlich sind, hat die evangelische Kirchengemeinde coronabedingt erst einmal abgewartet. Gestern ist es soweit gewesen.

Keine Fingerabrücke hinterlassen

Martin Büchele, Chef der gleichnamigen Kunsttransportfirma aus Esslingen, packt ehrfürchtig die Teile des historischen Schatzes aus. Schrein, Pedrella oder Altarflügel sind in Vlies und Luftpolster gehüllt. St. Veit und die anderen beiden Figuren, die ihn einrahmen, die Heilige Barbara und Papst Gregor I., haben ebenfalls eine schützende Schicht bekommen. Vorsicht ist geboten. Büchele hat Handschuhe übergezogen. "Damit man keine Fingerabdrücke hinterlässt, die Patina nicht angegriffen wird."

Steinmetz Thomas Rücker hat das Gerüst mitgebracht und hilft bei der Verankerung in der Wand. Die alten Befestigungsmittel können wieder verwendet werden.

Aufbau nicht unkompliziert

"Es ist schon kompliziert", beschreibt Sophie Richter die Montage. Ein bisschen aufgeregt ist sie jedenfalls. "Es sind ja kostbare Objekte", sagt sie. Vor dem Abbau hat sie alles fotografiert, so dass die Arbeiter mithilfe der Aufnahmen erkennen können, was wohin gehört. Richter kann schlecht abschätzen, ob sich die Teile leicht zusammensetzen lassen. "Lieber in Ruhe und ordentlich", lautet ihre Devise, auch wenn dann ein Tag nicht ausreicht.

Material und Handwerkszeug hat sie vorsorglich mitgebracht. So greift sie denn auch zu einem dünnen Pinsel und Kleber. Beim gerade enthüllten St. Veit sichert sie noch ein Fitzelchen Farbe.

Verschmutzung war extrem

Pfarrer Sons betrachtet den Namensgeber des Gotteshauses nach der Verjüngungskur genau. "Einmalig", sagt er. Vorher sei die Figur blass gewesen. "Jetzt strahlt sie wieder." Gesicht, das Gold der Krone und das Gewand sind frisch herausgeputzt. "Die Verschmutzung war extrem", berichtet Sophie Richter, die rund 320 Stunden mit Reinigung und Konservierung des "wunderschönen Altars" von 1517 verbracht hat. Kleine Beschädigungen und Farbausbrüche hat sie behoben.

Eine spannende Aufgabe

St. Veit-Altar wird nach Konservierung wieder in der Fleiner Kirche aufgebaut.

Martin Büchele (l.) und Stefan Hübner von der Kunsttransport-Firma stellen den Schrein auf und verankern ihn. Im Vordergrund ist der Taufstein zu sehen, der im Zuge der Kirchenrenovierung vor das Triptychon platziert worden ist.

Fotos: Mario Berger

"Ich habe versucht, es so zu machen, dass man es auf den ersten Blick nicht sieht. Eine Retusche sollte gut integriert sein", sagt die Expertin. Der Auftrag ist für sie eine spannende Aufgabe gewesen, mit der sie weitere Erfahrung gewonnen hat. Dass sich ihr auf der Rückseite der Pedrella, des Unterteils des Retabels, die für den Kirchenbesucher nicht sichtbare Malerei offenbarte, ist für sie eine schöne Überraschung gewesen. "Es war wunderbar, dass ich das machen durfte. Es war einfach eine Freude." Mit dem Ergebnis ist Richter sehr zufrieden.

So wie Pfarrer Sons und sein Kollege Markus Schanz. "Mit der Zeit hat man doch eine Beziehung zum Altar und zu St. Veit, der wie ein Freund ist, entwickelt", meint Sons. Wenn der Altar fehle, dann sei es nur eine halbe Kirche. "Man hat ihn wirklich vermisst", ergänzt der Seelsorger. Die Leute hätten oft gefragt, wann denn der Altar wieder zurückkomme, erzählt Markus Schanz.

Gleichmäßige Lüftung

Das frisch renovierte Innere der Kirche bietet die passende Kulisse für das Kunstwerk, in das die Kirchengemeinde rund 15 000 Euro gesteckt hat. Die neue Heizung und die gleichmäßige Lüftung sorgen für klimatische Verhältnisse, die die Konservierung möglichst lange erhalten lassen.

Die Innenrenovierung der St. Veit-Kirche und der Neubau des Servicegebäudes sind abgeschlossen. Seit 10. Mai finden unter Corona-Auflagen wieder Gottesdienste statt, die per Live-Stream in den Neubau übertragen werden. Die Kinderbetreuung muss noch warten. Zusammen mit der Konservierung des St.-Veit-Altars also drei Anlässe zum Feiern, wäre da nicht die Pandemie. Aber im nächsten Jahr soll es laut Pfarrer Rolf Sons ein großes Fest geben.

 

Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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