Rodungsarbeiten für Windräder haben begonnen

Obersulm  Im Gewann Klank/Breitbach in Obersulm räumt ein Forstunternehmen die Baufelder für drei neue Windenergieanlagen frei

Von Gustav Döttling
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Bürgerwindpark-Geschäftsführer Benjamin Friedle inspiziert den Fortschritt der Baufeldräumung für drei neue Windenergieanlagen.

Foto: Gustav Döttling

Kiefern, Buchen, Eichen müssen weichen. Krachend fällt eine 30 Meter hohe Buche auf den Waldboden. Äste splittern, Kronenblätter stieben davon. Seit fast einer Woche brummen im Gewann Klank/Bernbach die Motoren von Kettensägen und zwei großen Rücketraktoren.

Der Wüstenroter Forstunternehmer Mike Leiss räumt mit vier Mitarbeitern im gemeinsamen Auftrag der Bürgerwindpark Bretzfeld-Obersulm GmbH & Co. KG sowie des Forsts BW die drei Baufelder der geplanten Windenergieanlagen im Staatswald.

Rund 550 Festmeter werden geerntet

Geerntet werden auf der rund 3,2 Hektar großen, von der Bürgerwindpark-Gesellschaft gepachteten Fläche zwischen 500 und 550 Festmeter. Dies entspricht rund sieben Prozent des im Staatswaldrevier geplanten Jahreseinschlags von 8000 Festmetern. Das Stammholz vermarktet und verkauft das staatliche Forstamt in Eppingen. "Die Kronen und dünneren Äste werden zu Hackschnitzeln für die Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen verarbeitet", berichtet Benjamin Friedle, einer der Geschäftsführer der am Bau beteiligten Bürgerwind Hohenlohe GmbH.

Bereits am Montag waren alle Bäume auf dem Baufeld für die Windenergieanlage (WEA) II gefällt. Seit Anfang der Woche ist auch der Enzwiesenparkplatz wegen der Forstarbeiten gesperrt. Die Firma Michael Heckler Sonderfahrzeuge sorgte für eine kurzzeitige halbseitige Sperrung der B39, um die Fällarbeiten an der Parkplatzeinfahrt abzusichern.

"Wir müssen den Einfahrtsradius vergrößern, damit die Tieflader mit den 74,5 Meter langen Flügeln der Windräder hier einbiegen können", erklärte Friedle, warum zehn Bäume an der Parkplatzeinfahrt der Motorsäge zum Opfer fielen. Friedle rechnet damit, dass bis Mitte Oktober die Fäll- und Rückearbeiten abgeschlossen sein werden. "Am 14. Oktober kommt der Wurzelstockroder", kündigt der Geschäftsführer an. Danach werden Planierraupen anrücken, um die Baufläche einzuebnen.

Bis zu 15 Gigawattstunden im Jahr

Gebaut werden drei WEA vom Typ N149. Diese Anlagen haben eine Nabenhöhe von 164 Metern und einen Rotordurchmesser von 149 Metern. Die Gesamthöhe der Windräder beträgt 238,5 Meter. Jedes Windrad kann jährlich bis zu 15 Gigawattstunden Strom liefern.

Aktuell werden für die Rodungsarbeiten 2,5 Kilometer Krötenzäune abgebaut, damit sie nicht durch fallende Bäume beschädigt werden. Die Zäune werden nach Abschluss der Rodung wieder aufgestellt. Als Ausgleichsmaßnahmen wurden für 1,5 Hektar dauerhaft umgewandelten Wald in Schöntal bereits 1,6 Hektar Waldfläche neu aufgeforstet. Im Bernbachtal werden drei größere Borkenkäferflächen von rund zwei Hektar als Ausgleich für den Natureingriff in den Waldtyp Hainsimsen-Eichen-Hainbuchenwald umgewandelt. Temporäre Rodungsflächen werden neu bepflanzt. Außerdem wurden Reisighaufen, Haselmauskobel und Nistkästen für Vögel und Fledermäuse angebracht sowie Habitate für Gelbbauchunken geschaffen.

Ende 2021 soll Strom ins Netz eingespeist werden

92 Bürger beteiligen sich privat mit Einlagen an dem 21 Millionen Euro teuren Projekt. Sechs Genossenschaften sind an Bord. "Unser Eigenkapital beträgt vier Millionen Euro, die Einlagen werden mit 3,5 Prozent auf 14 Jahre verzinst, der größte Brocken wird durch den Kredit einer lokalen Bank finanziert", erläutert Benjamin Friedle die Finanzierung. Ab Ende 2021 soll der Bürgerwindpark Strom ins Netz einspeisen und 34 Millionen Kilowattstunden pro Jahr erzeugen. Das ist genug, um 9400 Durchschnittshaushalte mit Strom zu versorgen.

 


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