Neues Kinderbuch: Spannende Mäuse-Abenteuer im Klavier

Talheim/Neckarsulm  Gabi Kern aus Talheim hat ihr erstes Buch geschrieben. Hermann Forschner aus Neckarsulm hat es witzig illustriert. Idee zur Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten.

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Gabi Kern und Hermann Forschner präsentieren ihr Gemeinschaftswerk: "Frau Klingwohl spielt nicht mehr Klavier". Die Talheimerin hat die Geschichte geschrieben, der Neckarsulmer diese in lebhafte Bildszenen gepackt.

Fotos: Ralf Seidel

Die Idee beruht auf wahren Begebenheiten. Man mag es zwar kaum glauben, aber Herbert Kern hat es schon einige Male bei Reparaturaufträgen erlebt: Mäuse, die sich im Klavier eingenistet und Tasten lahmgelegt haben. Einmal sogar haben Nager 87 der 88 Lederbändchen zerfressen, erzählt der Klavierbaumeister.

Damit hat er seiner Frau Gabi die Vorlage geliefert für ihre erste Veröffentlichung: "Frau Klingwohl spielt nicht mehr Klavier". Das von Dr. Hermann Forschner aus Neckarsulm illustrierte Kinderbuch stellte Gabi Kern jetzt im Klavierhaus ihres Mannes in Flein vor. Coronabedingt war keine Lesung möglich. Interessierte konnten sich ein Exemplar signieren lassen und die Original-Illustrationen betrachten.

Die Mäuse sind die Hauptfiguren

Gleich am Eingang kann man in die Geschichte eintauchen. Im Innenleben eines halben Klaviers klettern Mäuse. Auf dem Deckel thront Figaro, der furchterregende getigerte Kater von Frau Klingwohl. Die Klavierlehrerin kommt in der Geschichte gar nicht zu Wort. Forschner hat sie deshalb, abseits des eigentlichen Geschehens, nur schemenhaft oder als Schatten im Hintergrund gemalt. Kern hat die Mäuse zu den Hauptfiguren erkoren, sie personifiziert.

Latzhose und Basecap hat die Autorin, die an der Grundschule in Neckarwestheim unterrichtet, Forschner vorgegeben. Und die Charaktere natürlich. Dem promovierten Musikwissenschaftler ist es hervorragend gelungen, diese in lebendige, witzige Bilder umzusetzen.

Der Mutige und der Zurückhaltende

Antonio ist der Mutige, der Neugierige. Seine Schnurrhaare stehen nach oben, seine Schnauze ist in die Höhe gereckt, sein Blick wach und gewitzt. Der von Vivaldi, seinem Freund, hingegen drückt Ängstlichkeit aus. Kern hat ihm den verträumten Part zugeschrieben. Aber er setzt die Geschichte in Gang. Denn aus dem Hause Klingwohl ist plötzlich kein Klavierspiel mehr zu hören. Dem gehen die beiden Mäusefreunde auf den Grund, schlüpfen am Kater vorbei durch die Pedallöcher ins Klavier. Das spannende Abenteuer beginnt, in dem "das allerschnellste Mäuseweibchen der Welt" - die schwangere Clara Gonzales - eine gewichtige Rolle spielt.

Neues Kinderbuch: Spannende Mäuse-Abenteuer im Klavier

Im aufgeschnittenen Klavier haben sich Antonio in der gelben Latzhose, Vivaldi und Mäuseweibchen Clara eingenistet, beäugt von Kater Figaro.

Es ist 15 Jahre her, dass Gabi Kern die Geschichte zu Papier gebracht hat. Vergeblich hat sie all die Jahre nach einem Illustrator gesucht, bis ihr Hermann Forschner versprochen hat, die Bebilderung zu liefern, sobald er als Musik- und Biologielehrer am Mönchsee-Gymnasium in Heilbronn in Ruhestand gegangen ist.

Zwischen Hammermechanik, Pedalen und Saiten

Die coronabedingten ruhigen Monate im Frühjahr hat der 66-Jährige - er und seine Frau Renate sind mit den Kerns befreundet - genutzt, um sein malerisches Können unter Beweis zu stellen. Schon als Kind hat er Käfer, Salamander und Mäuse gemalt, als Student Comics gezeichnet. Ganz akribisch hat sich der Neckarsulmer seiner Aufgabe angenommen, sich an Fotos vom Innenleben eines Klaviers orientiert. So lässt er die Mäuseschar zwischen Hammermechanik, Pedalen und Saiten lebendig werden. Text und Bebilderung nehmen im Gleichklang rasante Fahrt auf. "Als ich die drei ersten Szenen bekommen habe, habe ich gewusst, dass es ein gutes Buch wird", sagt Edith Götzfried, die in ihrem Verlag Edition Bad Wimpfen das Bilderbuch herausgegeben hat. Gabi Kern kann das Kompliment nur zurückgeben. Verlegerin Edith Götzfried habe die Vollendung des Buches geduldig begleitet. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so toll wird", sagt die 58-jährige Talheimerin.

Sie hat den Rat der Verlegerin befolgt, sich ihr Bilderbuch und die Enkel geschnappt. Egal, wie oft sie das wiederholt, der Nachwuchs ist immer noch so gespannt wie beim ersten Mal. Das Echo der Kleinen: "Uns gefällt alles." Die vier ältesten der sieben Enkel der Kerns sind selbst zu Akteuren geworden, schmettern sie doch unbedarft und frei den Mäuse-Boogie, der über einen QR-Code im Buch aufs Smartphone oder Tablet zu hören ist. Einer der drei Söhne, Hannes Kern, hat die Kinderschar am Klavier begleitet, Ralph Pinkert die Tonaufnahme gemacht. "Musikalische Mäuse" ist auch ein Gemeinschaftswerk von Gabi Kern und Hermann Forschner. Sie hat den Liedtext geschrieben, er die Melodie des Boogie Woogie komponiert.

Zur Person

Gabi Kern unterrichtet Sport und musisch-technische Fächer an der Grundschule in Neckarwestheim, zuvor war sie an der Mörike-Realschule in Heilbronn. Sie ist verheiratet mit Klavierbaumeister Herbert Kern. Das Ehepaar, das in Talheim wohnt, hat drei erwachsene Söhne und sieben Enkelkinder.

Hermann Forschner aus Neckarsulm war Musik- und Biologielehrer am Mönchsee-Gymnasium in Heilbronn. Er schreibt Gedichte und Geschichten und malt. Zusammen mit seiner Frau Renate tritt der Pensionär als "Die Forschners" mit Kabarettprogrammen auf.

"Frau Klingwohl spielt nicht mehr Klavier" ist im Buch- und Online-Handel sowie bei Klavier Kern in Flein erhältlich und kostet 18,90 Euro (ISBN 9783982045559).

 

Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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