Vereinen fehlt nach Festabsagen die Haupteinnahmequelle

Region  Holzmarkt, Weibertreuherbst, Straßenfest: Fast alle großen Veranstaltungen im östlichen Landkreis Heilbronn sind inzwischen abgesagt. Wir haben bei Vereinen nachgefragt, was das für sie bedeutet.

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Seit hunderten von Jahren wird auf dem Ilsfelder Holzmarkt um Stickel und Bretter gefeilscht. Dieses Jahr macht ein Virus das unmöglich.

Egal, ob Weinbergfest in Beilstein oder Weibertreuherbst in Weinsberg: Nahezu alle Feste und Veranstaltungen sind inzwischen abgesagt. Für die Bürger ist das Leben in diesen Sommer weniger bunt. Den Vereinen fehlt oftmals eine wichtige Einnahmequelle.

Es war immer mächtig was los beim Vatertagsfest der Fußballer des TSV Willsbach. Zusammen mit dem Erlös aus dem zweitägigen Flohmarkt hat sich die Abteilung stets über einen Gewinn "im vierstelligen Bereich" freuen können, wie Abteilungschef Tobias Grauf sagt. Dieses Mal nicht, denn wegen der Corona-Krise sind bis 31. August große Veranstaltungen untersagt. Für die Kicker in Willsbach ist die Konsequenz: "Bei Neuanschaffungen werden wir künftig zweimal überlegen müssen." Zum Glück sei bislang noch kein Sponsor abgesprungen. Und zum Glück habe die Abteilung bisher gut gewirtschaftet. Doch das Finanzielle sei nur ein Aspekt. Besonders der Flohmarkt sei auch gut für die Stimmung gewesen, weil viele Helfer gebraucht wurden. Sie zu finden, war zwar nicht immer einfach. Dennoch: "Die Trauer überwiegt bei weitem, denn es war immer eine Gaudi."

Schade um das schöne Fest

Mitunter fehlt die Haupteinnahmequelle

Ob der Eberstädter Markt tatsächlich wie geplant am ersten September-Wochenende stattfindet, ist noch nicht entschieden.

Etwa 800 bis 1000 Euro Gewinn fehlen dem TSV Willsbach, weil das Wein- und Sommerfest flach fällt. "Der Ausfall ist zu verschmerzen. Aber es ist sehr schade, dass wir kein schönes Fest haben", sagt TSV-Chef Armin Waldbüßer über die Veranstaltung der Winzer vom Weinsberger Tal, an der sich viele örtliche Vereine beteiligen.

Mehrere tausend Besucher lassen sich alljährlich Ende Juni das Straßenfest unterm Stettenfels in Untergruppenbach nicht entgehen. Die Rathausverwaltung kümmert sich um die Infrastruktur und das Programm, rund 20 Vereine übernehmen die Bewirtung - nur nicht 2020. "Für manche ist das die Haupteinnahmequelle", weiß Bürgermeister Andreas Vierling.

Weibertreuherbst muss lange vorbereitet werden

Mitunter fehlt die Haupteinnahmequelle

Schmerzlich vermisste Unbeschwertheit: Auch Menschenmassen wie diese beim Wein- und Sommerfest in Obersulm-Willsbach sind 2020 kaum denkbar.

Auch wenn der Weibertreuherbst in Weinsberg erst Ende September ist - in einer Zeit also, in der es für Großveranstaltungen noch keine Regeln gibt, denn die aktuellen gelten bis Ende August - hat die Verwaltung das Fest in Abstimmung mit dem Gemeinderat abgeblasen. "So etwas muss ja lange vorbereitet werden", sagt Hauptamtsleiter Thomas Siegle. Da es sich um eine städtische Veranstaltung handelt, ist es anders als bei Festen in ehrenamtlicher Regie: Üblicherweise bleiben laut Siegle an der Kommune 30 000 bis 40 000 Euro an Kosten hängen. 2020 gibt es das Verlustgeschäft nicht - leider, betont der Hauptamtsleiter. Denn: "Der Weibertreuherbst ist die Traditionsveranstaltung der Stadt." Die Wurzeln reichen zurück bis ins 19. Jahrhundert. Doch wie soll man eine Veranstaltung, bei der allein im Festzelt 1000 Leute Platz haben, ohne Risiko organisieren?

Die Würfel sind in Eberstadt noch nicht gefallen

Mitunter fehlt die Haupteinnahmequelle

Stets ein Hingucker sind die Oldtimer beim Straßenfest in Untergruppenbach.

Anders als in Weinsberg sind die Würfel für oder gegen den Eberstädter Markt noch nicht gefallen. Der Markt, ebenfalls ein Fest mit Geschichte, ist am ersten September-Wochenende - also auch erst nach dem 31. August. Am 2. Juli entscheidet ein Gremium, dem unter anderem der Ortskartellvorsitzende Michael Schweikert angehört, ob gefeiert wird. Einerseits ist Schweikert "guter Hoffnung, dass der Markt stattfinden könnte". Andererseits hat er Bedenken, dass das Fest überrannt würde. Bereits abgesagt sind nämlich auch das Weindorf in Heilbronn oder das Neckarsulmer Ganzhornfest, das zeitgleich mit dem Markt ist.

Von der Feuerwehr bis zu den Landfrauen: Viele Vereine und Institutionen sind beim Eberstädter Markt mit im Boot. Für den Fall, dass es ins Wasser fällt, sagt Ortskartellchef Schweikert: "Es trifft nicht alle gleich schlimm." Gebeutelt wäre etwa der Liederkranz. Er habe, so Schweikert, bereits signalisiert, dass er mit den Einnahmen Chorleiter finanziere. Was ist, wenn am 2. Juli ja zum Fest gesagt wird, es bis dahin aber noch keine überörtlichen Regelungen für die Zeit nach dem 31. August gibt? Dann kann es ja passieren, dass das Fest noch abgeblasen werden muss, obwohl man vor Ort bereits zugesagt hat. "Dann müssen wir das halt machen", sagt Schweikert. Der Vorlauf für die Vereine sei nicht so groß. Ihm gehe es vor allem um die Organisation der Glockengräberstaffel, die er "mehr oder wenig allein" stemme.

Das wäre genial gewesen

Mitunter fehlt die Haupteinnahmequelle

Derzeit nicht vorstellbar ist es, so dicht an dicht in einem Festzelt zu sitzen wie auf diesem Archiv-Foto vom Weinsberger Weibertreuherbst. Das viertägige Fest wurde vor kurzem abgesagt.

Fotos: Archiv/Döttling (2)/Mugler/Sprachmann

Was dem Sportclub Ilsfeld (SCI) an Einnahmen entgeht, weil der Holzmarkt Ende August nicht stattfindet? Vereinschef Joachim Kübler kann es nicht genau beziffern, denn 2020 wäre das erste Mal gewesen, dass der SCI in die Bewirtung des traditionsreichen, viertägigen Festes einsteigt, als Ersatz für den Harmonikaclub. Kübler geht von einem "hohen vierstelligen bis niedrigen fünfstelligen Gewinn" aus. "Das wäre schon genial gewesen. Eine Einnahmequelle in der Form hatten wir bisher nicht." Die zahlreich benötigten Helfer, davon geht Kübler aus, wären zu organisieren gewesen. Auch haben einige Mitglieder "schon einiges an Zeit investiert. Es gab bereits etliche Vorbesprechungen, Sitzungen und Gespräche mit Lieferanten." Zum Glück seien noch keine Verträge unterzeichnet.

Aktuelle Vorgaben

Der Bund und die Länder haben am 15. April wegen der Corona-Krise Großveranstaltungen und Konzerte bis 31. August untersagt. Auf dieser Basis hat das Land Baden-Württemberg am 17. April eine Verordnung vorgelegt. In den Erläuterungen heißt es, dass Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern auf jeden Falls als Großveranstaltungen betrachtet werden.

 

Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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