Klares Nein zur Hotel-Erweiterung in Flein

Flein  Der Technische Ausschuss des Fleiner Gemeinderats verweigert das Einvernehmen für Anbauten des Hotels "Wo der Hahn kräht". Einwendungen kamen von Seiten des direkten Anliegers. Der Aussiedlerhof sieht sich in seiner Bewirtschaftung beeinträchtigt.

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Auf der rechten Seite will der Hotelbetrieb erweitern. Damit würde sich der ohnehin schon geringe Abstand zum Aussiedlerhof weiter minimieren.

Foto: Friedrich

Aus Flein gibt es kein grünes Licht für die Ost-Erweiterung des Hotels "Wo der Hahn kräht". Der Technische Ausschuss verweigerte mit fünf Stimmen bei einer Enthaltung das Einvernehmen zum Baugesuch. Eine weitere Vergrößerung sei gegenüber dem Ursprungsbetrieb nicht mehr angemessen, lautete die Begründung. Die Planung widerspreche dem Flächennutzungsplan und beeinträchtige die natürliche Eigenart der Landschaft. Die Familie Münzing vom benachbarten Aussiedlerhof ist erst mal erleichtert.

Ohne das Einvernehmen aus Flein kann das zuständige Landratsamt Heilbronn keine Baugenehmigung erteilen. Und: Weitere bauliche Maßnahmen würden nur gestattet, wenn ein Bebauungsplan erstellt werde, das ist seit langem die Haltung der Behörde.

Aufzug, Rezeption, Kellerei-Erweiterung

Auf der Ost-Seite wollen die Betreiber und Inhaber des Hotels, Friedrich und Felix Schick, auf der Unter- und Erdgeschoss-Ebene aufstocken. Ein Aufzug für alle Geschosse, Lobby, Rezeption, barrierefreie Toiletten, Vinothek, eingehauste Terrasse, Flaschenlager, Kellereierweiterung gehören zum Gesamtpaket. Durch den Anbau rückt der Parkplatz in den Hang. Für den ungenehmigten Schotterrasen hatte das Landratsamt 2019 eine Baueinstellung verfügt.

Grund für Ablehnung: Erweiterung nicht mehr angemessen

Über Jahre hinweg, so Fleins Bauamtsleiter Hartmut Winkler, sei der Hotel- und Gaststättenbetrieb Schritt für Schritt erweitert worden. Er wies auf die baurechtliche Problematik hin: Das Anwesen ist im Außenbereich, wo eigentlich nur land- und forstwirtschaftliche Betriebe zulässig sind. Seien die Erweiterungen in der Vergangenheit noch angemessen gewesen, heißt es in der Sitzungsvorlage, sei das mit der neuerlichen Planung in dieser Größenordnung nicht mehr der Fall.

In einem öffentlich-rechtlichen Vertrag von 1989 ist mit dem Eigentümer regelt, dass alle künftigen Erweiterungen auf dem Grundstück Altenbergweg 11 zu unterlassen sind, die für die gewerbliche Produktion oder den Weinhandel bestimmt sind. Ausgenommen sind bauliche Anlagen, die der Produktion oder der Vermarktung des selbsterzeugten Weins dienen. Was zutreffe, so Winkler, müsse das Landratsamt prüfen.

"Wir wollen die östliche Erweiterung nicht mehr", stimmte Jens Oppl (CDU-BL) der Haltung der Verwaltung zu. Beide Seiten - Hotelier und Aussiedlerhof - sollten nebeneinander wirtschaften und gut existieren können. Mit den Plänen der Schicks funktioniere das nicht mehr, befürchtete Oppl.

Verschiedene Interessen abwägen

Er wie Albrecht Berroth (FWV) konnten die wirtschaftlichen Erwägungen des Hotel- und Gaststättenbetriebs zwar nachvollziehen. Aber es gelte, die Rechtslage zu beachten und die verschiedenen Interessen abzuwägen. Berroth bedauerte, dass die Bauherrschaft es bislang nicht geschafft habe, den Möglichkeiten eines Bebauungsplanes näher zu treten. Das irritierte auch Helmut Kern (FWV): Genau in der Phase, in der an einem Bebauungsplan gearbeitet werde, komme dieses Baugesuch, obwohl die Ost-Erweiterung vom Gremium vehement verneint worden sei. "Das widerspricht den Vorgesprächen", meinte Helmut Kern.

Erst mal Erleichterung

"Wir sind schon etwas erleichtert", kommentiere Betriebsinhaber Bernd Münzing gegenüber der Heilbronner Stimme den Beschluss des Technischen Ausschusses. Schon jetzt sei der Hof im betrieblichen Ablauf durch den Hotel- und Gaststättenbetrieb belastet.

Durch die enge Zufahrt kämen sich Busse und Pkw zum Hotel und landwirtschaftliche Fahrzeuge in die Quere. "Bei schönem Wetter ist die Terrasse voll", sagte Bernd Münzing. Diese Lärmbelästigung ist für ihn aber Nebensache. "Hauptsächlich geht es um die Zukunft unseres Betriebs." Wolle man den Hof einmal erweitern und verändern, dann könnte der Hotelbetrieb dabei einen Strich durch die Rechnung machen. Und wie steht Münzing zu den anderen Plänen, der West-Erweiterung des Schickschen Betriebs mit Hotelzimmern, Wellness-Bereich und Tiefgarage? "Damit bin ich auch nicht so zufrieden", lautet Münzings Antwort. "Das ist landwirtschaftlicher Außenbereich", ist für ihn der entscheidende Punkt.

Was bringt der Anlieger vor?

Die Familie Münzing vom Aussiedlerhof unterhalb des Schickschen Komplexes hat Einwendungen gegen die Ost-Erweiterung vorgelegt, auf die Bauamtsleiter Hartmut Winkler in der TA-Sitzung einging.

Kritisiert wird, dass mit der "erheblichen Erweiterung" ein wesentlicher Teil des Hotelbetriebs auf die Ost-Seite verlagert werde. Dadurch würde sich der Abstand zum Hof verringern. Das Wohnhaus läge dann nur noch 20 Meter Luftlinie von der geplanten eingehausten Terrasse entfernt. Diese wäre mit der Verglasung ganzjährig nutzbar. Der Lärm, auch durch ein höheres Verkehrsaufkommen, würde zunehmen. Der landwirtschaftliche Betrieb sei durch das Hotel jetzt schon beeinträchtigt. Münzings befürchten, dass sich die Situation durch das Bauvorhaben weiter verschärfen würde. Der Hotelkomplex beeinflusse zudem die Privilegierung eines Aussiedlerhofs. Es müsste im Interesse der Gemeinde sein, den Fortbestand der Landwirtschaft zu unterstützen, lautet das Fazit der Einwendungen.


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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