Wie Katholische Gläubige in der Region Fronleichnam in Corona-Zeiten feiern

Östlicher Landkreis  Wegen der Corona-Beschränkungen kann Fronleichnam in diesem Jahr erneut nicht in gewohnter Form stattfinden. Im östlichen Landkreis Heilbronns gibt es stattdessen Gottesdienste und Anbetungen im Freien oder in der Kirche.

Von Margit Stöhr-Michalsky
Email

Der großformatige Blumenteppich zur Eucharistiefeier mit Pfarrvikar Kenneth Kurumeh vor der Vaterunser-Kirche in Obersulm-Willsbach

Foto: Margit Stöhr-Michalsky

Alles, was zur Zeit in Gartengrundstücken blüht, wurde gesammelt, am Vortag von Fronleichnam erhielten ehrenamtliche Blumenteams die Ernte und frühmorgens am Festtag formte sich dann der Blumenteppich mit biblischen Motiven. Diese Tradition zum katholischen Hochfest gab es in vielen Gemeinden zu sehen. Eine Prozession mit der geweihten Hostie in der Monstranz konnte aber wegen der Corona-Beschränkungen in diesem Jahr erneut nicht stattfinden.

Spannend, was es für Material gibt

Seit 30 Jahren ist Maria Reinecke in Untergruppenbach für das blühende und kunstvolle Zeichen zuständig. "Jedes Jahr ist es spannend, was wir für das Bodenbild bekommen", erzählte sie vor dem Festtag. Wenn etwas fehle, helfe ihr zum Beispiel eingefärbtes Sägemehl, um Flächen zu ergänzen, sagte sie. Ihr Thema wählte sie aus Psalm 86: "Lehre mich, Herr, deinen Weg, dass ich ihn gehe in Treue zu dir." Symbole wie Rucksack und Schuhe hatte sie vorgesehen, christliche Sakramente ergänzten die Aussage zur Treue.

Blüten, Knospen und Gräser sammeln

In Lauffen inszenierte Eleonore Maier den biblischen Blumenteppich. Jedes Jahr würden Bürger aufgerufen, Blüten, Knospen und Gräser zu sammeln, sagte sie. Dieses Mal war ihr Thema "Brot des Lebens". "Die zentrale Mitte bildet ein Laib Brot. Dorthin führen Wege", erzählte sie. Für die Konturen des Bildes brachte sie dunkle Blumenerde auf. Am Pauluszentrum war der Blumenteppich mit der Monstranz den ganzen Tag über für Besucher zugänglich.

In Talheim ist bis Herbst auf dem Parkplatz oberhalb der Kirche eine Bühne für Gottesdienste aufgebaut. Nach einer jahrelangen Pause gab es auch hier wieder ein Blumenbild. Das Gemeindeteam um Regina Steiner hatte diese Aufgabe übernommen. "Wir sind ganz offen, mal sehen, was an Blüten kommt", meinte sie einige Tage vor Fronleichnam. Ein Kelch, ein Kreuz oder eine Taube hatte sie als mögliche Motive ausgesucht.

Ehrenamtliche Helfer wechseln sich jährlich in der katholischen Gemeinde St. Johann Baptist Obersulm-Löwenstein-Wüstenrot mit der Gestaltung des Blumenteppichs ab. Gertrude Löw wählte dieses Mal die Szene aus der "Hochzeit zu Kana" aus. Die Wundererzählung berichtet davon, wie Jesus als Gast der Feier Wasser in Wein verwandelte. "Was er Euch sagt, das tut", spricht nach der Bibelauslegung Jesus Mutter zu den Gästen. Gertrude Löw zeichnete die Szene auf, ihr Mann Harald vergrößerte die Skizze auf zwei mal drei Meter für die Blütenvorlage. Das fertige Motiv zeigt Jesus mit der Mutter, den Hausherrn und dazu Weinkrüge.

Kaffeesatz für Konturen

Bereits Wochen vorher wurde Kaffeesatz gesammelt, um Konturen zu markieren. Frischer Rasenschnitt sorgte in diesem Jahr für den Hintergrund der Szene. "Das Engagement für diese Tradition ist groß", berichtete Harald Löw. "Es wurden in den Gärten extra diverse Blumensorten gesät und gepflanzt, um zu Fronleichnam Blüten ernten zu können." Der Senior erinnerte sich noch an seine Zeit als Grundschüler Anfang der 50er Jahre und an die feierliche Prozession zu Fronleichnam mit dem Pfarrer unter einem Baldachin und der Monstranz. Vier Blumenteppiche zogen die Blicke vor den Außenaltären an.

Positive Bilanz

In diesem Jahr begleitete ein Blumenteppich die Gläubigen zum Gottesdienst auf dem Vorplatz der Vaterunser-Kirche in Obersulm-Willsbach. "Wir sind froh, dass wir unter den gegebenen Umständen Gottesdienst feiern können, wenn auch das Gemeindefest anschließend ausfallen muss", sagte Gemeindeleiterin Bärbel Bloching.

 


Kommentar hinzufügen