Jedes Jahr eine neue OP im Ellhofener Straßennetz

Ellhofen  Straßenunterhaltung ist eine Daueraufgabe - zum Beispiel in Ellhofen: In diesem Jahr werden für 1,24 Millionen Euro weite Teile der Häldenstraße und der Südstraße erneuert.

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Es war einmal eine Straße. Seit etwa zwei Wochen ist die Häldenstraße eine Baustelle − und wird es bis in den Herbst hinein bleiben.

Fotos: Anja Krezer

Kein Jahr vergeht, in dem nicht irgendwo in Ellhofen mindestens eine Wunde klafft. 2020 sind die Häldenstraße und die Südstraße aufgerissen. Ihre OP steht auf der Prioritätenliste für die Straßenunterhaltung, in die die Gemeinde in den zurückliegenden zehn Jahren über zehn Millionen Euro investiert hat.

Von Straße kann derzeit eigentlich nicht die Rede sein. Es müsste eher Häldenschneise heißen. Auf 175 Metern Länge - von der B 39 bis zur Einmündung in die Kirchstraße - entfernt die Firma Osmanaj aus Bad Friedrichshall den kompletten Aufbau, der zu einer Straßen gehört; vom Unterbau bis zum Asphalt. 60 Zentimeter kommen weg.

Dort, wo die neue Wasserleitung verlegt wird, frisst sich die Baggerschaufel natürlich noch viel tiefer in den Untergrund. Die Gussrohre, die mit blauem Kunststoff ummantelt sind, liegen schon parat. In diesem Bereich gab es bisher gar keine Wasserleitung, weiß Ellhofens Bauamtsleiter Felix Pontow.

Der Abwasserkanal bleibt unangetastet

Nicht angetastet wird der Abwasserkanal. Pontow: "Er ist in Ordnung." 70 Jahre alt "und noch nie angefasst" ist dagegen die Rohwasserleitung, die von zwei Brunnen an der Sulm bis zum Hochbehälter beim Sportplatz führt. Auch sie wird im Baustellenbereich erneuert. Im Auftrag der Stadtwerke Weinsberg kommt eine Gasleitung ins Erdreich, im Auftrag von Netze BW eine Stromleitung, sagt Bürgermeister Wolfgang Rapp. Er schätzt, dass bis Mitte Oktober alles fertig ist.

Bis dahin ist die Häldenstraße frisch asphaltiert und mit einem Gehweg versehen, wie er mittlerweile für die in jüngerer Zeit sanierten Straßen in Ellhofen charakteristisch ist: rote Pflastersteine, helle Granitleistensteine. Einen solchen Gehweg bekommen im Zuge der Bauarbeiten auch die Blumenstraße und ein Teil der Kirchstraße - laut Felix Pontow "in Summe etwa 350 Meter Gehweg".

Prioritätenliste wird fortgeschrieben und aktualisiert

Seit einigen Jahren gibt es in Ellhofen eine Prioritätenliste, die im Gemeinderat fortgeschrieben und aktualisiert wird. Die Südstraße etwa war erst für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen, wurde aber als zweites Projekt 2020 vorgezogen - Konsequenz einer bösen Überraschung mit dem Material der alten Wasserleitung bei der Sanierung der Schillerstraße 2019.

Jedes Jahr eine neue OP

Zwischen den Einmündungen Bergstraße und Weststraße bekommt die Südstraße eine neue Wasserleitung und einen neuen Belag.

In der Südstraße wird zwischen den Einmündungen Bergstraße und Weststraße die alte Wasserleitung aus Eternit erneuert. Hier ist die Firma Osmanaj mit einer zweiten Kolonne zugange. In den Straßenaufbau selbst muss nicht so tief eingegriffen werden wie in der Häldenstraße, erläutert Bauamtsleiter Pontow. Einbezogen werden auch die kurzen Stiche Amselweg und Finkenstraße - in Summe sind es 450 Meter Straße. Die Südstraße bekommt laut Pontow ebenfalls einen neuen Gehweg, allerdings anders als in der Häldenstraße in Asphaltausführung.

Viel Geld wird investiert

Straßensanierung ist in Ellhofen eine Daueraufgabe, in die viel Geld investiert wird. Bürgermeister Rapp überschlägt: "Im Schnitt geben wir im Jahr 750.000 Euro dafür aus. In den vergangenen zehn Jahren waren es insgesamt sicher über zehn Millionen Euro." 2020 waren für die Häldenstraße und die Südstraße alleine fast 1,9 Millionen veranschlagt. Zum Glück brachte die Ausschreibung bessere Ergebnisse: In Summe sind nur 1,24 Millionen Euro zu berappen. "Das ist sehr erfreulich", sagt der Rathauschef. Er will den Tag jedoch nicht vor dem Abend loben: "Wir warten ab bis zum Schluss, falls noch irgendwelche Überraschungen kommen."

1,24 Millionen Euro: Das ist zwar weniger als gedacht, aber immer noch eine enorme Summe. Ist Bürgermeister Wolfgang Rapp angesichts dieser Zahl in finanziell ungewissen Zeiten nicht bange? Erstmal nicht. "Was weg ist, ist weg. Ich halte es für falsch, jetzt in Panik zu verfallen", sagt Rapp, der grundsätzlich eher vorsichtig ist. Selbst wenn noch Zeit gewesen wäre, das Projekt zu stoppen, "hätten wir das aus gesamtwirtschaftlichen Interesse nicht gewollt". Über künftige Vorhaben müsse man sich natürlich Gedanken machen - wenn dann auch klarer ist, wie sich die Finanzen entwickeln.


Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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