Plötzlich ist in Obersulm von Schulerweiterung die Rede

Obersulm  In der Michael-Beheim-Gemeinschaftsschule wird es eng. Dennoch hat der Gemeinderat eine mögliche Vergrößerung nicht in die Prioritätenliste von Projekten aufgenommen, die die Gemeinde bis 2024 im Blick hat.

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Auf der Grünfläche vor der Gemeinschaftsschule könnten die Container platziert werden, in denen während der energetischen Sanierung Unterricht stattfindet.

Fotos: Ralf Seidel

Die Summe ist gigantisch: 47,774 Millionen Euro ergibt die Addition. Dabei handelt es sich meist lediglich um Schätzungen für all die Projekte, die die Gemeinde Obersulm von 2020 bis 2024 im Blick hat. Was wann geplant oder realisiert werden könnte - vorbehaltlich der Finanzierung und möglicher Zuschüsse - darüber entschied der Gemeinderat am Montagabend. Es wurde viel diskutiert über diese Prioritätenliste.

Bürgermeister Tilman Schmidt stellte klar: Es handle sich um eine Willensbekundung, eine Orientierung, die keinen Rechtsanspruch habe. Für Schmidt gelten mehrere Prämissen, zum Beispiel, dass Kredite angesichts des niedrigen Zinsniveaus denkbar seien. Von Altimmobilien, von denen die Gemeinde eine Reihe hat, könnte man sich trennen, wenn sie nicht mehr benötigt werden. Dass die Rangliste kein starres Gebilde ist, sondern dynamisch, zeigte sich sogleich.

Denn urplötzlich kam aus dem Gremium der Platzbedarf der Michael-Beheim-Gemeinschaftsschule auf den Tisch. "Das ist eine Pflichtaufgabe", meinte Grünen-Sprecher Armin Waldbüßer, weshalb er diese auf die Prioritätenliste setzten wollte und zwar ziemlich weit oben. Container als Zwischenlösung, die wohl schon während der anstehenden dreijährigen energetischen Sanierung aufgestellt werden, seien ein "ganz guter Weg zur Überbrückung".

"Ich glaube kaum, dass wir das noch lange verschieben können", hatte für CDU-Sprecher Hermann Hohl Bildung Vorrang. Deshalb sollte man schon sehr früh in die Raumbedarfsplanung und Kostenberechnung gehen. "Uns brennt die Beheim-Schule seit längerer Zeit unter den Nägeln", betonte auch SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Schepperle. Bürgermeister Schmidt wollte keinen Platzhalter ohne Daten aufnehmen. Erst müsse geprüft werden, ob ein Mehrbedarf bestehen, ob es sich um eine Pflicht oder Kür handle. Ob sich nur kurzfristig räumliche Engpässe auftun.

Antrag der Freien Wähler abgelehnt

Die Freien Wähler wollten die Planung für den Hallenneubau beim Sportcentrum als Ersatz für das Gebäude in Affaltrach früher angehen als 2022. Dieser Antrag fand keine Mehrheit. Der SPD war es wichtig, dass der Neubau "klein und zackig" ausfällt. Man brauche keine Großveranstaltungshalle in Obersulm, so Schepperle. Karl Ulrich Vollert (FWV) plädierte ebenfalls für eine einfache Ausführung.

Auf wenig Gegenliebe stieß FWV-Sprecher Ulrich Hohl mit dem Vorschlag, Bauhof und Feuerwehrhaus Willsbach im Zuge der Erweiterung zusammenzulegen. Das bringe Synergieeffekte. Armin Waldbüßer hielt das für "so gut wie undenkbar". Bürgermeister Schmidt brach eine Lanze für den Bauhof, wollte nicht, dass der Planungsstart 2021 verschoben wird. Die bisher genutzte Lagerfläche im Postgebäude müsse für das dort entstehende Multifunktionsgebäude für Musikschule und Schulsport geräumt werden. Zudem seien die Sanitäranlagen des Bauhofs nicht mehr zeitgemäß.

Grundstücksverkauf soll Geld in die Kasse spülen

Im Juli wird das Verkehrskonzept für "Hofäcker/Bei der Schießmauer" in Willsbach vorgestellt. Um mit Grundstückserlösen Einnahmen zu generieren, ist nicht nur für die CDU dieses Neubaugebiet "vordringlich". Das gilt für Hermann Hohl auch für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen, muss die Gemeinde doch pro Monat 5500 Euro Fehlbelegungsabgabe bezahlen. Der SPD bereiten die 1,1 Millionen Euro jedoch erhebliche Bauchschmerzen. "Es geht auch günstiger", meinte Schepperle. Einverstanden war das Gremium mit dem FWV-Vorschlag, die Planung für die Halle beim Sportcentrum zusammen mit den neuen Sportanlagen vorzunehmen. 2022, so sieht es der Fahrplan vor, soll damit gestartet werden. Mit oder ohne Umlaufbahnen und Kunstrasenfeld, wird erst dann diskutiert.

Weitere Maßnahmen

Jedes Jahr werden in Obersulm hunderttausende von Euro in Straßenbau, neue Kanäle und Wasserleitungen investiert. Unstrittig im Gemeinderat, damit kein Investitionsstau entsteht. Die Prioritätenliste bis 2024 enthält auch eine neue Kindertagesstätte in Willsbach mit Planungsstart 2021, weil es an Krippen- und Ganztagsplätzen fehlt. Die Sanierung der Gemeindehalle Eschenau kommt nicht vor 2023. Dass die Gemeinde nach 2024 die Jahnhalle selbst saniert, kann man sich im Gemeinderat nicht vorstellen.

Wie sieht die Situation an der Beheim-Schule aus?

Die Gemeinschaftsschule mit aktuell 234 Schülern hat sich in Obersulm etabliert. Das zeigen die Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr. Diese Entwicklung freut Rektor Eric Sohnle natürlich. Aber: Mehr Klassen bedeuten auch mehr Platzbedarf. Und der ist nicht mehr vorhanden.

Drei fünfte Klassen

Plötzlich ist von der Erweiterung der Gemeinschaftsschule in Obersulm die Rede

Im kommenden Jahr soll die Erweiterung des Bauhofs geplant werden. Ab 2022 könnten die Kosten von geschätzt knapp zwei Millionen Euro finanziert werden.

Aktuell sind 64 künftige Fünftklässler für den Herbst angemeldet. Das ergibt drei Klassen. Eigentlich ist die Gemeinschaftsschule zweizügig ausgelegt. Drei Klassen einer Jahrgangsstufe würden nicht die Regel sein, meint Sohnle, der darauf hinweist, dass es ohne die hohe Anmeldezahl ohnehin schon räumlich Engpässe gebe. Ein Spielzimmer der Ganztagsbetreuung sei zum Klassenzimmer umfunktioniert. Und im Mensabereich werde ein Raum als Lernbüro genutzt.

"Wir haben zehn Klassenzimmer und nächstes Schuljahr zwölf Klassen", sagt Sohnle. Denn es wollen so viele Schüler im kommenden Schuljahr die Mittlere Reife ablegen, dass zwei zehnte Klassen gebildet werden müssen. In den unteren Klassen seien die Jahrgänge durchweg stark, informiert Sohnle weiter. Deshalb geht er davon aus, dass es in Zukunft häufig zwei zehnte Klassen geben werde.

Wiederholen Grundschüler die Klasse?

Der Rektor kann sich gut vorstellen, dass durch den coronabedingten Unterrichtsausfall Eltern ihre Kinder die Klassenstufe wiederholen lassen. In der Grundschule mit 176 Kindern gilt das nicht als Sitzenbleiben, sondern als normale Entwicklung. Dadurch könnte der Klassenteiler überschritten werden.

Sohnle weist darauf hin, dass es für Gemeinschaftsschulen inzwischen Schulhausbaurichtlinien gibt. Nach diesen Vorgaben könnten der Beheim-Schule weitere Räume zustehen. Wenn ja, dann hätte die Gemeinde sehr gute Chancen für eine Förderung. Über ein Raumprogramm entscheidet letztendlich das Regierungspräsidium Stuttgart. Auf der Freifläche neben den Garagen in der Kümmelstraße wäre ein günstiger Platz für einen Anbau, so Sohnle.


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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