Gemeinderat Talheim diskutiert Neubau der Schienenverbindung

Talheim  Bis 1968 fuhr eine Bahn durch Talheim. Die damaligen Gleise sind allerdings bei der jetzt diskutierten Reaktivierung keine Option. Mehrere Trassen sind im Gespräch.

Von Barbara Barth
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Der Bahnhof in Talheim im Jahr 1975, als hier nur noch vereinzelt Züge unterwegs waren. Von der Originaltrasse ist heute nichts mehr zu sehen.

Foto: Archiv/Eisenmenger

Den Schienenverkehr in die Region holen - das ist für die Gemeinden im Bottwar- und Schozachtal ein sehnlicher Wunsch. Nachdem Untergruppenbach kürzlich über den Sachstand informierte, stand das Thema jetzt auch in Talheim auf der Tagesordnung.

Im Unterschied zur Stettenfelsgemeinde hatte Talheim schon einmal eine Bahn. Von 1900 bis 1968 dampfte die Bottwartalbahn auf ihrem Weg von Marbach über Beilstein und Ilsfeld nach Heilbronn schmalspurig durch Talheim. Ihre Reaktivierung wird jetzt wieder diskutiert. Allerdings ist eins klar: Eine Dampfbahn wird die Streckenverbindung auf keinen Fall wieder. "Bimmelbähnle adieu", meinte Gemeinderat Lutz Krauß (BIT) und kritisierte: "Mir schwingt zu viel Nostalgie bei dem Thema mit."

Alternative Routen

Auch Bürgermeister Rainer Gräßle stellte fest: "Es wäre eine Straßenbahn, die durchs Bottwar- und Schozachtal fahren würde." Von Reaktivierung könne sowieso keine Rede sein. Die Originaltrasse ist fast überall überbaut, die alternativen Routen über Auenstein, Abstatt, Untergruppenbach, Donnbronn oder Flein würden neu gebaut. Die Fahrzeuge wären Stadtbahnen nach dem Karlsruher Modell, die sowohl auf klassischen Eisenbahngleisen wie auf in das Ortsbild integrierten Schienen fahren können.

Eine Machbarkeitsstudie und eine Wirtschaftlichkeitsberechnung Anfang der 2000er Jahre hatten ernüchternde Ergebnisse gebracht. Investitions- und Betriebskosten waren zu hoch. Inzwischen haben sich die Siedlungsstrukturen geändert, Wohn- und Gewerbegebiete sind neu entstanden, der Verkehr hat stark zugenommen. Der Verkehrsplan des Verbandes Region Stuttgart hat den Neubau der Strecke in seiner Fortschreibung als dringlich eingestuft. Während sich der Landkreis Ludwigsburg für die Strecke Oberstenfeld-Marbach weitgehend an der historischen Bottwartaltrasse orientiert, stellt der Landkreis Heilbronn vier Trassen zur Disposition. Neben der Originalstrecke Beilstein-Ilsfeld-Talheim-Heilbronn drei weitere: Beilstein-Auenstein-Abstatt-Bosch-Untergruppenbach-Donnbronn-Heilbronn. Oder: dieselbe, aber ohne Bosch. Oder: Beilstein-Auenstein-Abstatt-Untergruppenbach-Donnbronn-Flein-Heilbronn.

Fahrgast-Potenzial ist da

Mit der Stadtbahn von Talheim nach Marbach

Als Talheim noch einen Bahnhof hatte: Bei einem heimatgeschichtlichen Spaziergang weckten die alten Fotos Erinnerungen. Von 1900 bis 1968 dampfte die Bottwartalbahn auf ihrem Weg von Marbach durch Talheim.

Foto: Barbara Barth

Dass die Diskussion in Talheim anders verlief als in Untergruppenbach, liegt auf der Hand. In Untergruppenbach hat sich die Firma Magna (früher Getrag) angesiedelt, in Abstatt die Firma Bosch. Beide haben mehrere tausend Arbeitsplätze geschaffen. In den entsprechenden Gemeinden wird deshalb ein hohes Fahrgast-Potenzial für die Bahn auf einer Nordtrasse vermutet.

In Talheim lief die Diskussion mehr in Richtung Originaltrasse. "Sie steht den anderen Trassen in nichts nach", erklärte Gräßle. Alle vier seien von dem untersuchenden Büro Transport Technologie Consult Karlsruhe (TTC) aus technischer Sicht für umsetzbar eingestuft worden. Die in einer Studie von Wirtschaftsminister Winfried Hermann genannte potenzielle Fahrgastzahl von täglich 15 380 beziehe sich im übrigen ebenfalls auf die Originaltrasse - "ohne Bosch und Magna", so Gräßle.

Umwelt berücksichtigen

CDU-Gemeinderat Michael Schmidt war "überrascht" über die alternativen Trassen, die er für kurzfristig hielt. "Bosch und Magna sind ausgesprochene Automobil-Zulieferer und Homeoffice bekommt einen immer höheren Stellenwert." Thomas Maurer (BIT) fand das Projekt "aus Umweltsicht gut". Aber wenn die ohnehin stark belastete Region noch mehr Verkehr und Ansiedlungen bekäme, "dann hätte ich meine Bedenken". Die Region an das überregionale Schienennetz anzubinden bezeichneten die Talheimer trotzdem als "Jahrhundertprojekt" und unterstützen es einstimmig.

 

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