Gemeinden ziehen positive Stadtradel-Bilanz

Region  Am vergangenen Freitag endete in den Heilbronner Landkreis-Gemeinden nach 21 Tagen die diesjährige Aktion Stadtradeln. Von der Pandemie unbeeindruckt haben viele Gemeinden ihre Vorjahreswerte übertroffen. Teilnahmen für 2022 sind bereits angedacht.

Email

Besonders komfortabel ist die Übermittlung der gefahrenen Kilometer per Smartphone. Eine Mitteilung ist jedoch auch per Post möglich.

Foto: Archiv/Klima-Bündnis

Jeden Tag, rund um die Uhr, drei Wochen lang hatten sie Zeit. Zeit, um Kilometer auf zwei Rädern zu sammeln. Und es kamen in 21 Tagen einige zusammen. Denn die Aktion Stadtradeln lockte im Landkreis Heilbronn auch in diesem Jahr trotz - oder gerade wegen - Corona wieder Tausende Fahrradfahrer, Umweltfreunde und Freizeitsportler an die frische Luft und auf ihr Zweirad.

"Ich bin sehr zufrieden, aber es geht immer noch mehr", sagt Marlene Luft und lacht. Sie koordiniert in der Gemeinde Ilsfeld die am Freitag zu Ende gegangene Aktion und spricht mit ihrem Fazit für viele ihrer Kollegen im Landkreis. Ilsfeld beteiligt sich seit 2017 am Stadtradeln und gehört damit zu den ausdauerndsten Kilometersammlerinnen in der Region. 26 939 Kilometer hatten 138 Ilsfelder in drei Wochen erfahren (Stand aller Daten: Montag, 12 Uhr). Nicht nur dort, sondern auch in allen anderen Gemeinden werden bis Freitag aber wohl noch einige Kilometer dazukommen. Denn erst dann endet die Rückmeldefrist der gefahrenen Distanzen. Wer diese nicht per Smartphone übermittelt, kann das bis zum Ende der Woche auch auf dem Postweg erledigen.

Ilsfeld profitiert von mehr Werbung

Warum die Ilsfelder über 10 000 Kilometer mehr radelten als im Vorjahr, kann auch Marlene Luft nicht endgültig beantworten. Sie sieht ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: "Wir haben mehr Werbung gemacht und hatten im Juni und Juli noch keine Urlaubszeit." Ein anderer Grund könnte die Corona-Situation sein. War die Pandemie im Vorjahr noch ungewohnt, haben sich inzwischen viele Menschen mit der Lage arrangiert. Wer im vergangenen Jahr noch vorsichtshalber in den eigenen vier Wänden blieb, stieg in diesem Jahr möglicherweise geimpft und deutlich entspannter auf das Fahrrad, so die These.

In Weinsberg und Obersulm überzeugen radfahrfreudige Gymnasien

Als "durchweg positiv" bezeichnet auch Alexander Bartelmann, Leiter des Steuer- und Liegenschaftsamtes in Obersulm, die Aktion. Nach der Premiere im Vorjahr fuhren die Obersulmer in diesem Jahr zum zweiten Mal bei der Aktion mit. Vor allem dank der eifrigen Radler des Paul-Distelbarth-Gymnasiums hatte die Gemeinde ihre Teilnehmerzahl im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Auch dass 27 Rathaus-Mitarbeiter teilnahmen, freute Bartelmann: "Die Aktion wird sicherlich im nächsten Jahr fortgesetzt." Dann wird man versuchen, die mindestens 69 277 Kilometer aus diesem Sommer zu überbieten.

In Weinsberg wurden in diesem Jahr nicht nur die Teilnehmer, sondern gleich auch die zurückgelegten Kilometer verdoppelt. 38 285 davon hatten 17 Teams bis Montagmittag erfahren und übermittelt. Bei den absoluten Kilometerzahlen überzeugten besonders die Sportfreunde Gellmersbach (8444 Kilometer) und das Justinus-Kerner-Gymnasium (7136 Kilometer).

Abstatt feiert ein gelungenes Stadtradel-Debüt

Ein gelungenes Debüt feierte die Gemeinde Abstatt, die sich bei ihrer ersten Stadtradel-Teilnahme als besonders zweiradfreudig erwies. 11,61 Kilometer pro Einwohner legten die Abstätter im Durchschnitt zurück - hinter Neuenstadt am Kocher der zweitbeste Wert im Landkreis. Rund 310 Teilnehmer, unter denen vor allem ein Abteilungsteam der Firma Bosch reichlich Kilometer sammelte, verzeichnete die 5000-Einwohner-Gemeinde. "Wir wollten den Bürgern in dieser Corona-Zeit etwas Besonderes, Motivierendes bieten", sagt Dorothee Ritter, die die Aktion beim Kulturamt koordiniert, zur Premiere. "Es gab tatsächlich einige Teilnehmer, die ihr Auto drei Wochen stehengelassen haben und nur geradelt sind", berichtet sie. Im nächsten Jahr wolle man auf alle Fälle wieder mitmachen, nachdem die Aktion nun in großen Teilen der Gemeinde bekannt sei.

In Lehrensteinsfeld, das ebenfalls zum ersten Mal an der Aktion Stadtradeln teilnahm, machte die Grundschule auf sich aufmerksam: In 21 Tagen legten Teilnehmer des Teams 2316 Kilometer zurück.

Die Aktion

Vom 26. Juni bis zum 16. Juli konnten in zahlreichen Landkreis-Gemeinden im Rahmen der Aktion Stadtradeln Kilometer gesammelt werden. 6819 aktive Teilnehmer machten im Landkreis in 700 Teams mit, erfuhren mehr als 1,4 Millionen Kilometer und vermieden laut Veranstalter dadurch 207 Tonnen CO2. Hinter der Kampagne steht das Netzwerk Klima-Bündnis, in dem sich europäische Kommunen in Kooperation mit indigenen Völkern um lokale Lösungen für den globalen Klimawandel bemühen. Daneben soll bei der 2008 erstmals durchgeführten Aktion auch die Gesundheit gefördert und das Bewusstsein für Fahrradfahrer geschärft werden.

 


Nils Buchmann

Nils Buchmann

Volontär

Nils Buchmann arbeitet seit Oktober 2020 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

Kommentar hinzufügen