Fertigstellung des Laubengangs der Talheimer Schule verschlingt viel Geld

Talheim  Ein unsägliches Kapitel geht nach drei Jahren Baustopp zu Ende. Die wuchtige Stahlkonstruktion auf dem Talheimer Schulgelände wird teils gekürzt. Die Eindeckung erfolgt mit Glas. Die Kostenberechnung liegt bei 170.000 Euro.

Email

So war das nicht gedacht: Das schwergewichtige Gerippe erschlägt in seiner Dimension Schulgebäude und Musikpavillon. Jetzt wird es gekürzt, mit Glas eingedeckt und in einer zur Fassade passenden Farbe angestrichen.

Foto: Sabine Friedrich

Eigentlich sollte es der letzte Akt des ersten Bauabschnittes sein - der Außensanierung der Schlossbergschule. Jetzt wird der neue Laubengang den zweiten Bauabschnitt - die Innensanierung - beschließen. Nach drei Jahren Baustopp geht das unsägliche Kapitel zu Ende. Der Talheimer Gemeinderat entschied jetzt mehrheitlich, wie die Stahlkonstruktion abgespeckt werden und welche Überdachung sie erhalten soll. Der Preis ist stolz: Die Kostenberechnung liegt bei 170.000 Euro.

Dieser stählerne Zugang zu Musikpavillon und Schulhauptgebäude stiehlt allem die Schau. So prägnant ist die Wuchtigkeit dieses schwergewichtigen Gerippes. Ein industrie-architektonischer Hingucker als Ersatz für die schlichte Vorgängerversion ist nie gewollt gewesen. Das, was der Gemeinderat besprochen und verabschiedet habe, sei nicht umgesetzt worden, hatte Bürgermeister Rainer Gräßle schon im September 2017 konstatiert, als das Metallbauwerk aufgestellt war. Die Veränderungen hätten mit der Werkplanung zu tun, hatte damals die mit der Schulsanierung beauftragte Architektin argumentiert. Aus statischen Gründen hätte stellenweise etwas geändert werden müssen, gab Gräßle das Gespräch mit ihr 2017 gegenüber de Heilbronner Stimme wieder. Das Ende vom Lied: Die Gemeinde hat für den zweiten Bauabschnitt ein anderes Planungsbüro gewählt.

Konstruktion soll einheitliche Höhe bekommen

Bei seinen Informationstagungen 2017 und 2018 diskutierte der Gemeinderat die Vollendung der Überdachung, die es den Schüler ermöglicht, trockenen Fußes in die Gebäude zu kommen. Die Konstruktion soll eine einheitliche Ebene erhalten, so dass die Unruhe und Wuchtigkeit beseitigt werden, führte der Bürgermeister am Montagabend aus. Statt einer Dacheindeckung mit Trapezblech, die der ursprüngliche Auftrag enthielt, sollte eine Glasdachversion untersucht werden. Wegen der Transparenz, so Gräßle. Zudem bekommt dann der Eingangsbereich der Schule auch mehr Licht. "Der Gemeinderat will eine vernünftige Lösung", betonte der Bürgermeister.

Neun Ja-Stimmen und sechs Gegenstimmen

Das Planungsbüro Münzing aus Flein, unterstützt vom Büro Lehmann und Keller Ingenieure aus Lauffen, hatte drei Varianten ausgearbeitet, die sich nicht von der Optik, jedoch von der Art der Ausführung unterscheiden. Bei neun Ja- und sechs Gegenstimmen war das Gremium für die Lösung, bei der die Konstruktion vor dem Eingang gekürzt wird. Dadurch sind nur zwei statt sechs neue Fundamente nötig. Die Glasfläche wird zudem über den Laubengang zum Eingang hin verlängert, so dass keine Lücke bleibt.

Hochwertiges Glas wird verwendet

Beim Glas wird auf Qualität gesetzt und höherwertiges Material verwendet, das Hagelschlag, thermischen Belastungen und Vandalismus Stand halten soll. Der Laubengang wird mit neun Leuchten ausgestattet.

"Es geht nicht darum, ein i-Tüpfelchen zu setzen", machte Gräßle deutlich, dass der Anstrich der Konstruktion keinen Akzent setzen soll. Die gewählte Farbe müsse zum Hintergrund, sprich zur Klinkerfassade der Gebäude, passen, führte Planerin Carolin Fischer aus. Eine "eher ruhigere Farbe", die die Konstruktion schlanker erscheinen lasse, schwebt ihr vor. Musterflächen sollen bei der Auswahl helfen.

Kritik an den hohen Kosten

"Ich musste drei mal schlucken", sagte Joachim Dürr (BIT), der erschrocken war von den Kostenberechnungen, je nach Variante zwischen 165.000 und 175.000 Euro. Und da das vorgeschlagene Glas nicht einmal offiziell zum Betreten zugelassen sei, habe er nicht im Sinn, dem Baubeschluss zuzustimmen. Heribert Danner (CDU) gefiel nicht, dass trotz Verlängerung das Glasdach nicht bündig mit der Fassade abschließt, sondern ein Spalt von 15 Zentimetern bleibt.

Für Rektorin Christa Seliger "wird es Zeit", dass der Laubengang nach drei Jahren fertiggestellt wird. Wenn die Arbeiten noch in diesem Jahr erledigt werden könnten, dann wäre was gewonnen, meinte Kämmerer Dieter Uhler.

 

Gewicht und Kosten

2016 stimmte der Gemeinderat der Planung für den neuen Laubengang zu. Als "wunderbar schlanke Lösung" wurde diese explizit von einem Gemeinderat gelobt. Aber es kam ganz anders. 10,6 Tonnen schwer ist das Gerüst für den 40 Meter überdachten Weg zum Haupteingang der Schule inklusive Abzweigung zum Musikpavillon. Der ursprüngliche Auftrag für diesen Wetterschutz belief sich auf rund 76.000 Euro. 46.000 Euro hat die Gemeinde für die Stahlkonstruktion ausgegeben. Die Planung der Vollendung sieht 170.000 Euro vor.


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

Kommentar hinzufügen