Erneuerung des Weinsberger Bildungszentrums ist dringend notwendig

Weinsberg  Die Rundum-Erneuerung des Weinsberger Rossäcker-Bildungszentrums ist mit rund 15 Millionen Euro veranschlagt. Demnächst beginnt der zweite Bauabschnitt, der wesentlich umfangreicher als der erste ist.

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Das Justinus-Kerner-Gymnasium versprüht wie ein Großteil des Weinsberger Bildungszentrums Rossäcker den Charme der 70er Jahre. Nach nun fast 50 Jahren müssen die Immobilien runderneuert werden. Foto: Anja Krezer

Wer ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat, hat sich eine Kur verdient. Nicht nur verdient, sondern dringend nötig hat das Weinsberger Bildungszentrum diese Rundum-Erneuerung. Etwa 15 Millionen Euro sind für die Generalsanierung von Justinus-Kerner-Gymnasium und Weibertreuschule veranschlagt.

Das Allernötigste ist bereits gemacht, undichte Dächer sind geflickt. Die wesentlichen Bauarbeiten beginnen aber erst. Sie dauern über zwei Jahre und gehen bei laufendem Schulbetrieb über die Bühne - sofern die Corona-Pandemie einen Dauerbetrieb zulässt.

Hier haben Generationen von jungen Menschen ihren Abschluss gemacht

Das eine oder andere der Flachdachgebäude, die sich den Rossäcker-Hang hinaufziehen und die der Laie nur schwer einer der ansässigen Schulen zuordnen kann, versprüht ihn noch sehr deutlich, den Charme des Jahrzehnts, in dem es gebaut wurde: 1971 entstand das Justinus-Kerner-Gymnasium (JKG), 1975 wurden die damalige Nachbarschaftshauptschule und die Realschule gebaut. Das JKG wurde 1987 erweitert, die Grundschule und die Erweiterung der Realschule kamen 2000 hinzu.

Generationen von Schülern aus Weinsberg und dem gesamten Weinsberger Tal haben im Rossäcker-Bildungszentrum ihre Abschlüsse gemacht und sind von hier aus ins Berufsleben oder Studium gestartet.

"Nun ist es höchste Eisenbahn", sagt Stadtbaumeister Nicolas Rautenberg über die anstehende Generalsanierung des JKG und der Weibertreuverbundschule mit ihren beiden Zweigen Realschule und Werkrealschule. Zwar wurde in der Vergangenheit immer mal wieder was an-oder umgebaut. Auch einzelne Räume wurden saniert, und 2017/18 bekam die Weibertreuschule ein weiteres Stockwerk obenauf gesetzt. Aber Grundlegendes ist ansonsten nicht passiert. Das sieht man - zum Beispiel an den Außentüren, durch die der Wind ein Pfeifkonzert geben kann, weil sie nicht mehr dicht schließen. Oder an den grauen PVC-Böden, die stellenweise völlig zerschlissen sind.

Mehr als verdient: dringend notwendig

Rechts ist gut das neue Geschoss zu erkennen, das der Weibertreuschule 2017/18 aufgesetzt wurde. Demnächst geht es ans Eingemachte.

Foto: Krezer

Der erste, rund 900.000 Euro teure Abschnitt der Generalsanierung wurde in diesem Frühjahr bereits abgeschlossen. Auf Grundlage einer Analyse des Heilbronner Büros Riemer Planung wurde gerichtet, was keinen Aufschub duldete: das Vordach der Weibertreuschule, der Innenhof, der Übergang zum JKG und dort das Lehrerzimmer.

Land schießt rund 6 Millionen Euro zu

"Jetzt kommt der dicke Rest" sagt der Stadtbaumeister. 14 Millionen Euro sind veranschlagt: sechs Millionen für die Weibertreuschule, acht Millionen für das größere Gymnasium. Zum Glück schießt das Land rund sechs Millionen Euro zu. Die erste Tranche an Aufträgen hat der Gemeinderat jetzt vergeben (siehe unten). Die Arbeiten beginnen voraussichtlich am 17. August in der Weibertreuschule. Die Einrichtung bekommt neue Fenster, Dächer und Jalousien und ein Wärmedämmverbundystem. Nicolas Rautenberg erklärt, was das ist: "Die Schule wird quasi energetisch eingepackt in der Hoffnung, Energiekosten zu senken."

Mehr als verdient: dringend notwendig

Nicolas Rautenberg zeigt es: Eine intakte Tür schließt anders.

Foto: Krezer

Ab Januar 2021 bis voraussichtlich Ende 2021 sind dann auch im Inneren Handwerker zugange: Klassenzimmer für Klassenzimmer wird modernisiert. Dunkle Holzvertäfelungen, vor Jahrzehnten der letzte Schrei, werden abmontiert und durch Gipskarton ersetzt. Die PVC-Böden werden herausgerissen, Kautschukbeläge kommen rein. Auch neue Decken gibt es, und die Toiletten werden modernisiert. "Kein Zimmer bleibt unangetastet." In der Grundschule gibt es übrigens keinen Handlungsbedarf. Sie bekommt lediglich einen neuen Außenanstrich: dann, wenn es zeitlich gerade reinpasst.

Arbeiten unter laufendem Schulbetrieb

Etwas zeitversetzt wiederholt sich das Sanierungsprozedere im Gymnasium - voraussichtlich ab Mitte 2021 bis Ende 2022. "Es ist eine große Herausforderung, das alles unter laufendem Betrieb zu machen", sagt Nicolas Rautenberg. "Die Schulen sagen, es sei machbar, wenn nicht zu viele Zimmer auf einmal blockiert sind." Die Zusammenarbeit klappe sehr gut. Muss sie ja auch, bei dem Abstimmungsumfang.

Da waren die Stadträte hoch erfreut: Als sie neulich etliche Aufträge für die Sanierung des Bildungszentrums vergaben, lag die Vergabesumme rund 25 Prozent unter den vorab geschätzten Kosten. Bei manchen Gewerken betrug die Differenz gar weit über 50 Prozent. In letzter Zeit war es oft genau umgekehrt gewesen: Die Ausschreibungsergebnisse waren viel höher als die geschätzten Kosten.

"Die Corona-Krise wirkt sich auf das Baugewerbe aus", begründete Stadtbauamtsleiter Nicolas Rautenberg den Umschwung. "Die Handwerker suchen sich sichere Auftraggeber" - Kommunen gelten als solche. Einstimmig vergab der Weinsberger Gemeinderat für rund drei Millionen Euro 16 Gewerke - von den Roh- und Rückbauarbeiten bis zur Projektsteuerung. Das sind 900.000 Euro weniger als gedacht. An einem Fakt störte sich Andreas Bender (CDU): "Alle Handwerkerleistungen sind gesunken. Aber die Projektsteuerungsleistungen sind gestiegen. Warum?" Rautenberg: "Weil sie abhängig von der Baukostenschätzung sind." Basis sei die Honorartafel.

Mehr als verdient: dringend notwendig

Derzeit werden im Schulzentrum neue Glasfaserleitungen verlegt.

Foto: Krezer

Unabhängig von der Sanierung verlegen derzeit Mitarbeiter der Firma Schneider Elektrotechnik im Bildungszentrum neue Glasfaserleitungen. Die Arbeiten sind Teil eines 640.000 Euro teuren Maßnahmenpakets, das im "Digitalpakt Schule" gefördert wird. Die Stadt muss nur 161.000 Euro schultern. Auch Datenserver werden aufgerüstet, das WLAN-Netz wird ausgebaut, interaktive Schultafeln werden gekauft.

 

Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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