Drohne rettet in Obersulm Rehkitze vor dem Tod

Obersulm  Jagdpächter in Eschenau lassen Heuwiesen vor dem Mähen von der Luft aus von einer Drohne mit Wärmebildkamera nach Rehkitzen absuchen. Das ist notwendig, weil ein Kitz nicht von selbst vor dem Mähwerk wegläuft - aus einem Grund.

Von Gustav Döttling
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Zwei Rehkitze wurden in der Eschauer Wiese von Landwirt Martin Gailing durch eine Drohne mit Wärmebildkamera gerettet.

Foto: Gustav Döttling

In 80 Metern Höhe schwebt im Eschenauer Gewann Asang über der saftigen Heuwiese von Landwirt Martin Gailing summend und blinkend eine große Drohne. Pilot Markus Mugele aus Schwöllbronn kniet um halb sieben Uhr am Mittwochmorgen am Rand der Wiese vor seinem kleinen, aufgeklappten Aluminiumkoffer. Er blickt konzentriert auf den Bildschirm im Kofferdeckel, um zu sehen, welche Aufnahmen seine Wärmekamera liefert.

Mugele sucht für Jagdpächterin Andrea Schöffler, drei ihrer Mitpächter und Landwirt Martin Gailing die Wiesen nach Rehkitzen ab. Danach soll gemäht werden.

Jedes Jahr sterben 100.000 Rehkitze

"Rehe legen ihre Jungen im hohen Gras an geschützten Plätzen ab", erläutert Mugele, der selbst Jäger und Heger ist. Wenn ein Rehkitz in der Wiese liegt, zeichnet es sich aufgrund seiner Köpertemperatur als weißer Fleck auf dem Bildschirm ab. "Jedes Jahr sterben in Deutschland 100.000 Rehkitze den Mäh-Tod", berichtet Mugele.

Daher sei ihm vor vier Jahren die Idee mit der Drohe und Wärmebildkamera gekommen, um die Kitze zu schützen. Seither suche er im Gebiet zwischen Künzelsau und Obersulm nach den wenige Tage alten Bambis. Sechs Heuwiesen sucht Mugele am Mittwoch im Jagdrevier von Andrea Schöffler ab, ohne ein Kitz zu finden.

Am Sonntag zuvor war der Droheneinsatz bei der Wiese gegenüber des Bauernhofs der Familie Gailing im Eschenauer Köberleweg erfolgreich. Dort entdeckte Mugele mit seiner Drohne gleich zwei abgelegte Rehkitze.

Zwei Inseln mit Kisten

Andrea Schöffler, ihre Tochter Nadine und Martin Gailing schützten die Rehkinder mit Kisten, die sie mit Steinen beschwerten. Dann mähte Landwirt Gailing die Wiese, um Heu für seine Kühe zu machen. Rund um die Kisten ließ er zwei Inseln mit hohem Gras stehen. "Früher haben wir die Wiesen, die gemäht werden sollten, in unserem Revier immer zu Fuß nach Rehkitzen abgesucht", erzählt die Jagdpächterin.

Mit ihrem Ehemann Holger hat sie seit 13 Jahren den Jagdbogen Eschenau gepachtet. "Bei uns funktioniert die Zusammenarbeit Landwirt mit Jagdpächter zum Schutz der Natur", sagt Bauer Gailing. Er rufe rechtzeitig vor dem Mähen beim Jagdpächter-Ehepaar an. "Wir stimmen dann den Suchtermin mit Markus Mugele ab", sagt Holger Schöffler.

Als Andrea Schöffler mit ihrer Tochter am Sonntag nach dem Mähen eine Kiste anhob, kam umgeben von hohem Gras ganz eng an den Boden geschmiegt ein Bambi wie aus dem Bilderbuch zum Vorschein. Es lag zusammengerollt mit seinen typischen weißen Punkten auf dem Fell ganz still da. Auch das zweite Rehkitz war unversehrt und blieb ruhig liegen. "Sind die süß", sagte Martin Gailings Tochter Sophie (7).

Rehkitze haben keinen Fluchtreflex

"Die Kitze fliehen nicht, sie haben noch keinen Fluchtreflex und warten auf ihre Mutter", erklärt Andrea Schöffler. Das ist auch das Problem, warum so viele Rehkinder von Mähdreschern getötet werden - denn auch vor den schweren Maschinen fliehen sie nicht. "Wir finden in unseren Wiesen vor dem Mähen pro Jahr zwischen 25 und 30 Rehkitze", erzählt Gailing. Die könne man nun dank der Drohne retten.


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