Buchhandlungen haben seit Corona viel zu tun

Region  In der einen Hand ein Eis, in der anderen ein Buch: Die Sommer- und Ferienzeit wirkt sich traditionell positiv auf den Buchhandel aus. Aber in diesem Sommer ist einiges anders. Viele bleiben doch lieber zu Hause, anstatt ins Ausland zu reisen. Das spiegelt sich auch bei der Auswahl der Urlaubslektüre wider.

Email

Nicht nur in Andreas Stritters Buchhandlung in Heilbronn sind regionale Reiseführer in diesem Jahr besonders gefragt. Die Fernreiseführer bleiben dafür in den Regalen.

Foto: Anna-Lena Sieber

Regionale Wander- und Radreiseführer sind in diesem Sommer der absolute Verkaufsschlager in den Buchhandlungen der Region. "Reiseführer werden dafür hauptsächlich für Orte innerhalb Deutschlands gekauft", sagt Andreas Stritter, Inhaber der gleichnamigen Buchhandlung in Heilbronn. Für das Ausland will in diesem Jahr kaum einer einen Reiseführer. "Auch im Kinder- und Jugendbuchbereich kaufen die Eltern viel, damit der Nachwuchs beschäftigt ist", sagt Stritter. Allerdings sei der Verkauf durch die Urlaubszeit nur gering gesteigert worden. "Die Leute kaufen schon seit Corona mehr Bücher."

Stritter führt dies darauf zurück, dass sie einfach mehr Zeit hätten. "Andere Freizeitbeschäftigungen sind ja lange weggefallen." Ähnlich sieht es in der Buchhandlung Taube in Brackenheim aus. "Bei uns sind auf jeden Fall deutlich mehr Verkäufe spürbar", sagt Inhaberin Martina Taube.

Auch Beratungen vor Ort sind wieder vermehrt gefragt

Das Buch habe im Gegensatz zu der Zeit vor dem Lockdown wieder an Relevanz gewonnen. "Vorher ist jeder seinen Terminen nachgerannt. Jetzt haben die Leute wieder Zeit zu lesen." Das Zurückschalten habe vielen gut getan. Schon während des Lockdowns hat Taube mit ihrem Kleinwagen den Leuten die Bücher geliefert. "Meine Mitarbeiter hatten immer zu tun." Außerdem würden die Leute wieder vermehrt in die Buchhandlung kommen und sich beraten lassen. "Wir haben eine sehr geräumige Buchhandlung, die Leute fühlen sich hier wohl." Man könne dort auch mal gemeinsam lachen und in Kontakt mit anderen Menschen kommen.

Neben den in diesem Sommer obligatorischen Rad- und Wanderführern würden auch viele Bücher über gesunde Küche und Gartenarbeit gekauft werden. "Alles in Richtung Gesundheit." Von einer erhöhten Besucherzahl in seinem Laden kann Karl Knoll, Inhaber der Buchhandlung Holl und Knoll in Eppingen, nicht sprechen. "Bei uns kommen die Leute weniger zum Stöbern. Sie kaufen sehr viel gezielter. "Die Masken machen da viel aus. Die Leute wollen so schnell wie möglich wieder raus, um die Maske abziehen zu können." Allgemein kann er sich aber nicht über zu wenig Kundschaft beschweren: "Um diese Zeit decken sich die Leute immer mit Büchern ein. Das ist jedes Jahr so, egal ob sie wegfahren oder nicht."

Bücher über Corona will niemand mehr lesen

Auch in der Weinsberger Buchhandlung Back ist mehr los als im vergangenen Jahr. Dort werden gerne die "Glücksorte im Heilbronner Land" von Joachim Stallecker gekauft. Oder der Rother Wanderführer Hohenlohe. "Die Menschen hier sind sehr verantwortungsbewusst in der Reiseplanung", sagt Inhaber Kristoffer Mauch. Die Bereitschaft, sich in den Flieger nach Barcelona zu setzen, sei bei seiner Kundschaft, den gekauften Büchern nach zu urteilen, sehr gering. "Was allerdings nicht so toll läuft sind die Krisentitel." Bücher über Corona wolle niemand über den Sommer lesen. "Da haben die Leute weniger Lust drauf, als gedacht."

Lieferengpässe bei regionalen Reiseführern

Dass das Buch seit Corona einen höheren Stellenwert hat, hat auch Susanne Andreß, Inhaberin der Buchhandlung am Markt in Neckarsulm, festgestellt. Bei der Kinder- und Jugendliteratur würden sehr viele Beschäftigungsbücher kaufen. Aber auch im Erwachsenenbereich ist viel los. "Dort ist es hauptsächlich Spannungs- und Unterhaltungsliteratur. Die Leute wollen sich einfach mit anderen Themen beschäftigen und abtauchen." Das Geschäft mit den Fernreiseführern liege jedoch brach. Dafür hätten lokale Reiseführer, vor allem im Bereich Rad und Wohnmobil Lieferengpässe, weil sie so gefragt sind.

Buchtipps aus den regionalen Buchhandlungen

Kristoffer Mauch, Inhaber der Buchhandlung Back in Weinsberg, empfiehlt Robert Seethalers neusten Roman „Der letzte Satz“. Es geht dabei um den berühmten Musiker Gustav Mahler, der nach einer Trennung eine Seereise macht. „Seethaler beschreibt darin poetisch den Gefühlszustand Mahlers, der eigentlich das Leben liebt, aber nicht so richtig damit klarkommt“, sagt Mauch. „Es ist ein ruhiger Roman voller Freude, der das Positive herausstellt und Mut macht.“

Von Petra Haiges, Mitarbeiterin in der Brackenheimer Buchhandlung Taube kommt der Buchtipp „Unsere glücklichen Tage“ von Julia Holbe. „Es geht darin um vier Freundinnen, die einen schönen Sommer an der Atlantikküste verbracht haben“, sagt Haiges. „Es ist ein Sommer-Urlaubs-Feeling-Buch.“

Andreas Stritter von der Buchhandlung Stritter in Heilbronn empfiehlt einen Heimat-Roman der etwas anderen Art. In „Hawaii“ beschreibt der Heilbronner Cihan Acar einen jungen Türken, der in dem Heilbronner Problemviertel Hawaii zwei Tage und drei Nächte erlebt.

Karl Knoll, Inhaber der Buchhandlung Holl und Knoll in Eppingen, empfiehlt Die Australien Krimis von Candice Fox. „Davon gibt es sechs Bände. Die machen richtig süchtig – wer das erste kauft, kauft die anderen auch“, sagt Knoll. Neben der „sehr guten Krimihandlung“, beschrieben die Bücher auch Land und Leute sehr schön.

„Das ist ein Ersatz fürs Reisen.“ „Rose Royal“ von Nicolas Mathieu ist der Buchtipp von Susanne Andreß, Inhaberin der Buchhandlung am Markt in Neckarsulm. „Das Buch beinhaltet alles: Liebe, Enttäuschung, Spannung und ein fulminantes Ende“, sagt Andreß. „Es nimmt einen von der ersten bis zur letzten Sekunde gefangen. Ein Kleinod der Literatur.“ sie  

 


Anna-Lena Sieber

Volontärin

Anna-Lena Sieber ist seit Oktober 2018 Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

Kommentar hinzufügen