Bänke putzen, um wieder rasten zu können

Talheim  Monika Maile hat mit ihrer Enkelin alle Standorte von Bänken in Talheim ausfindig gemacht und geputzt. Es sind 57 an der Zahl. Die Gemeinde Talheim hat schon seit längerem zwei Bänkle-Touren auf der Homepage.

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Monika Maile sitzt auf der Bank in der Scheffelhöhe, die der Albverein 2019 im 20. Jahr des Schlossparkfests gespendet hat. An dieser Stelle soll einst schon der Dichter Viktor von Scheffel (1826 − 1886) die Aussicht genossen haben.

Foto: Sabine Friedrich

Von vielen Stellen auf der Talheimer Gemarkung öffnet sich ein herrlicher Blick auf die Landschaft, auf Felder, Weinberge und Höhenzüge. Monika Maile hat einen klaren Favoriten. Deshalb gefällt es ihr auf der Bank in der Scheffelhöhe am Rande des Baugebiets "Im Jungen" am besten. "Das ist die schönste Aussicht", sagt die 67-Jährige. Apropos Bänke: Die Talheimerin weiß jetzt genau, wie viele in Talheim aufgestellt sind. Zusammen mit ihrer Enkelin Laura hat sie 57 an der Zahl ausfindig gemacht. Und nicht nur das: Das Duo hat sie auch geputzt, so dass sich Spaziergänger ohne Spuren von Winterschmutz oder Blütenstaub abzubekommen, darauf niederlassen und eine kleine Pause einlegen können.

Monika Maile ist viel mit ihrem Hund Bingo unterwegs. Und als im Frühjahr das Coronavirus ausgebrochen ist, hat sie bemerkt, dass mehr Menschen draußen in der Natur unterwegs sind. "Ich habe beobachtet, dass sie sich hinsetzen wollen. Aber die Bänke sind vom Winter noch schmutzig." So ist die Idee der Putzaktion entstanden.

Alle 14 Tage ist ihre Enkelin Laura an den Wochenenden bei ihr zu Besuch. Wegen der Pandemie ist die Behinderten-Werkstätte in Backnang, wo die 23-Jährige arbeitet, geschlossen gewesen. Also ist sie auch unter der Woche zu Gast bei der Oma gewesen. "Was machen wir miteinander?", hat diese gefragt. Und so ist die Idee zustande gekommen. "Es hat Spaß gemacht, und wir waren beieinander. Es war ja auch schönes Wetter", sagt Monika Maile, die 35 Jahre lang Sekretärin im katholischen Pfarramt gewesen ist. Ihre Enkelin ist froh gewesen, etwas Nützliches während des Lockdowns tun zu können.

Eine romantische Sitzgelegenheit im Haigernwald

Mit Lappen und Feger ist das fleißige Duo dem Schmutz auf den Bänken zu Leibe gerückt. Teilweise ist der Spachtel zum Einsatz gekommen, etwa im Haigernwald, wo die Bank total vermoost gewesen ist. Übrigens Laura Mailes Favorit, weil es eine romantische Sitzgelegenheit sei. "Drei Frauen die vorbeikamen, sagten, jetzt könnte man sich wenigstens wieder hinsetzen", erzählt ihre Großmutter, dass ihre Arbeit wert geschätzt worden ist. Drei bis vier Wochen sind die beiden Maile-Frauen unterwegs gewesen vom Haigernwald über "Jungen" bis zum Spielplatz in der Weinbergsiedlung.

"Ich war selbst überrascht, wie viele Bänke es sind", sagt die Rentnerin. "Es gehört zum Gemeindeleben dazu, dass man sich ein bisschen engagiert", meint Maile, die sich auch um die Bepflanzung bei katholischem Pfarrhaus, Kirche und Gemeindehaus kümmert. "Das ist ein tolles Team", sagt sie zum örtlichen Bauhof, den sie mit ihrem Einsatz gerne unterstützt.

Rathaus startete Aufruf

Monika Maile und ihre Enkelin Laura haben alle Bänke auf Gemarkung Talheim geputzt.

Laura Maile hat zusammen mit ihrer Oma 57 Bänke auf der Gemarkung Talheim geputzt, so auch die auf dem Haigern.

Foto: privat

Im Rathaus hat man ihre Idee, die Bevölkerung aufzurufen, Bänkle-Standorte mitzuteilen, aufgegriffen. "Auf die Bänke. Fertig. Los!" ist der Zähl-Wettbewerb überschrieben gewesen. Die Resonanz ist allerdings verhalten gewesen, wie Natalie Ellermeyer, unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, zur Auskunft gibt. Und auf die Zahl 57 ist auch niemand gekommen.

Künftig will Monika Maile auf ihren Spaziergängen immer einen Lappen dabei haben, um über Bänke am Wegesrand zu wischen. Und sie überlegt, die Putzaktion im nächsten Jahr zu wiederholen. Die Gemeinde, die für die Instandhaltung der Bänke zuständig ist, versucht, den Wünschen aus der Bevölkerung nachzukommen, wenn ein Exemplar an einem Spazier- oder Wanderweg vermisst wird, teilt Ellermeyer mit.

Zwei Routen zum Spazierengehen

Nicht nur in der Natur, an Wald- und Spazierwegen sind Ruhebänke, zum Teil an schattigen Plätzchen, aufgestellt. Auf den Spielplätzen, an Bushaltestellen, auf dem Rathausplatz oder an der Schlossberghalle gibt es ebenfalls Sitzgelegenheiten. An manchen versammelt sich auch gerne die Jugend. Meist sind die Exemplare aus Holz, einige sind aber auch wetterfester aus Metall.

Bänkles-Touren hat die Gemeinde Talheim schon vor der Aktion der Maile-Frauen auf ihrer Homepage zusammengestellt mit Ausgangs- und Endpunkt am Rathaus. Es gibt eine bergige Variante mit elf Stationen, die bis zur "Hänfe" über den Mühläckerring, den Philosophenweg und entlang der Schozach führt. Wer nicht ganz so gut zu Fuß ist, der macht sich auf die Tour im Tal mit immerhin sechs Bänken, auf denen man ausruhen und die Seele baumeln lassen kann.


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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