Streuobst: An markierten Bäumen darf gepflückt werden

Oberstenfeld  Die Gemeinde Oberstenfeld gibt ihre Obstbäume erstmals zur kostenlosen Ernte für jedermann frei. Die Aktion "Mich darfst du ernten" soll die Menge an Streuobst verringern, das ungenutzt verkommt.

Email

Rund 50 Obstbäume, deren Früchte künftig kostenlos und legal gepflückt werden dürfen, haben Mitarbeiter des Oberstenfelder Bauhofs mit einer entsprechenden Markierung gekennzeichnet.

Foto: Gemeinde Oberstenfeld

Zwei orangefarbene Punkte, dazwischen eine weiße Linie - dieses Zeichen, gut sichtbar aufgesprüht auf den Stamm, ziert seit kurzem die Streuobstbäume der Gemeinde Oberstenfeld. Die Markierung ist ein Signal an Fußgänger, Radfahrer und alle anderen, die auf der Gemarkung unterwegs sind. Sie soll ihnen aufzeigen: "Mich darfst du ernten." An der gleichnamigen Aktion, die in diesem Jahr zum zweiten Mal angeboten wird, können sich alle Stücklesbesitzer beteiligen. Erstmals sind nun auch die gemeindeeigenen Obstbäume mit dabei.

Lebensmittelverschwendung reduzieren

Die Idee hinter dem Angebot: Viele Obstbäume in und um Oberstenfeld werden nicht oder nicht in vollem Umfang abgeerntet. "Das ist schade, weil es dazu führt, dass dieses Obst am Ende unverbraucht bleibt und verkommt", sagt Katrin Romero vom Hauptamt. Streuobstwiesenbesitzer sollen durch die Aktion dazu animiert werden, Obst, das nicht geerntet wird, für alle freizugeben. "So können wir die Lebensmittelverschwendung in unserer Gemeinde reduzieren und unseren Mitmenschen eine kleine Freude bereiten", so Romero.

Denn es gebe viele Bürger, die bei Spaziergängen die Obstbäume entdeckten und gerne etwas pflücken oder mitnehmen würden, sich aber nicht trauten. "Man weiß ja nicht, wem der Baum gehört und ob man damit nicht etwas Verbotenes tut. Deshalb sollen die Bestände kenntlich gemacht werden, an denen es erlaubt ist", erläutert die Sachbearbeiterin.

Schilder für Stücklesbesitzer

Das können die Besitzer von Streuobstwiesen, die ihre Bäume zum Pflücken freigeben möchten, in Oberstenfeld seit dem vergangenen Jahr. Die Verwaltung hatte dafür Schilder anfertigen lassen, mit denen die Eigentümer jene Bäume kennzeichnen konnten, deren Obst von Jedermann kostenlos geerntet werden darf. "Die Resonanz war sehr gut. Wir hatten zu Beginn 60 solcher Schilder vorbereitet und dann aufgrund der hohen Nachfrage noch einmal nachgelegt", berichtet Romero. Wie viele Eigentümer genau bei der Premiere mitgemacht haben, ließe sich indes nicht genau sagen, da einige von ihnen gleich mehrere Bäume gekennzeichnet hätten.

Hinweis aus nachhaltigen Materialien

"Weil es schnell gehen musste, hatten wir für die Aktion Plakate laminiert. Da dies aber nicht besonders nachhaltig ist, haben wir für dieses Jahr neue Schilder herstellen lassen", sagt sie. Diese sind aus Holz gefertigt, das bei der Sanierung der Lichtenbergschule übrig geblieben ist und vom Hausmeister zurechtgeschnitten wurde. Versehen mit dem Logo der Gemeinde und einem ebenfalls umweltfreundlichen Juteband zum Befestigen, signalisieren sie allen Interessierten nun das Motto "Mich darfst du ernten!" Die Schilder können sich die Stücklesbesitzer am Eingang des Bürgerbüros im Rathaus abholen und dann auch für die kommenden Jahre behalten.

Die Gemeinde hat für die Aktion rund 50 ihrer Bäume markiert, die auf öffentlich gut zugänglichen Flächen stehen. Darunter sind laut Katrin Romero nicht nur solche, die bereits in vollem Ertrag stehen, sondern auch jüngere Exemplare. Aufgesprüht wurde das Zeichen durch Mitarbeiter des Bauhofs mit einer speziellen Farbe, die für Baum und Früchte unschädlich ist.

Ende einer kleinen Tradition

"Im vergangenen Jahr war die Bewerbung um das Abernten unserer Streuobstbestände schon abgelaufen, sonst hätten wir diese bereits zum Auftakt der Aktion mit dazugenommen", erläutert Katrin Romero. Mit der Freigabe gemeindeeigener Obstbäume endet auch eine lange Tradition. Denn bislang wurde das Ernterecht für einzelne dieser Bäume jährlich an den Meistbietenden vergeben. Ab diesem Jahr ist das Pflücken nun auch an solchen Bäumen kostenfrei und für alle möglich. Die Verwaltung betont in diesem Zusammenhang aber auch: "Die Ernte von Bäumen ohne eine Markierung ist Diebstahl und kann zu einer Strafanzeige führen."

Streuobstbörse im Internet

Über den Landschaftserhaltungsverband (LEV) für den Landkreis Ludwigsburg können sich Personen, die Streuobstwiesen besitzen und gerne teilen möchten, sowie Menschen, die dieses Obst weiterverarbeiten wollen, informieren und in Kontakt treten. Auf der Streuobstwiesenbörse im Internet (www.streuobstwiesen-boerse.de) können Angebot und Nachfrage online veröffentlicht werden. Wer Hilfe bei der Pflege des eigenen Grundstücks benötigt oder selbiges verkaufen möchte, kann dort ebenfalls inserieren.


Andreas Zwingmann

Andreas Zwingmann

Autor

Andreas Zwingmann arbeitet seit März 2021 in der Landkreisredaktion der Heilbronner Stimme. Dort ist er zuständig für Beilstein, Ilsfeld, Abstatt, Löwenstein, Oberstenfeld und Untergruppenbach.

Kommentar hinzufügen