Alle zwei Stunden wird im Campingpark Breitenauer See desinfiziert

Obersulm/Löwenstein  Vorreservierungen sind aktuell ein Muss, um die Anlage am Breitenauer See ansteuern zu dürfen. Die Corona-Pandemie bringt noch weitere Einschränkungen mit sich, mit denen sich die Camper weitgehend arrangiert haben.

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Abstand halten, ansonsten ist der Urlaub für die Köhlers aus Ubstadt-Weiher nicht weiter beeinträchtigt. Foto: Andreas Veigel

Eine Familie hat die Rucksäcke geschultert und marschiert in Richtung Weinberge. Ein anderes Ehepaar radelt los, die Kinder im Anhänger im Schlepptau. Die Köhlers aus Ubstadt-Weiher lassen es gemütlich angehen: Sie sitzen in ihrem Wohnmobil noch beim Frühstück. Unter dem Vordach ist es an diesem regnerischen Morgen zu kühl.

Ist beim Urlaub im Campingpark Breitenauer See inzwischen Routine eingekehrt? Manager Klaus Schmitt schüttelt den Kopf: "Die gibt es nicht in Corona-Zeiten." Seit 18. Mai ist die Fünf-Sterne-Anlage nach dem Lockdown wieder geöffnet.

Auch beim Spülen muss Abstand gehalten werden

"Oh, die Maske", bemerkt ein neuer Gast und macht auf dem Absatz kehrt, um das vergessene Stück im Auto zu holen. Keine Seltenheit, wie Schmitt und das Personal an der Rezeption beobachten. "Jeder Dienstleister hat das Problem mit den Masken und der Desinfektion", glaubt Karin Schmitt, die immer wieder auf die Gebote hinweisen muss. "Ja, wir müssen sehr viele Leute darauf ansprechen."

Corona-Alltag im Campingpark Breitenauer See: Alle zwei Stunden wird desinfiziert

Es ist nicht zu übersehen, dennoch läuft manch einer am Schild vorbei. Foto: Andreas Veigel

Und das, obwohl Schilder ganz klar die Regeln aufzeigen. Ihr Mann seufzt: "Die Leute laufen dran vorbei." Das gilt nicht nur für die Rezeption. Auch in den Waschräumen müsse man verstärkt darauf achten, dass Masken getragen werden. "Irgendwann ist man müde, ständig zu ermahnen", meint Schmitt. Und dass man nicht Spülbecken an Spülbecken das Geschirr säubern könne, versteht sich für ihn eigentlich von selbst. Auch da gilt: Abstand halten.

"Ansonsten muss ich den Urlaubern ein großes Lob aussprechen", kommt Schmitt auf das Miteinander auf den Plätzen zu sprechen. Das Zusammensitzen der Camper an großen Tafeln ist erst mal passé. Jede Familie sitze für sich an einem Tisch, so dass der Abstand eingehalten werde. "Das machen sie vorbildlich", fügt Schmitt hinzu. Auch auf den drei Spielplätzen des Geländes gebe es keine Probleme.

Keine eingeschränkte Belegung mehr

Nach der Wiedereröffnung ließ der Naherholungszweckverband nur 200 Plätze belegen. "Das haben wir von uns aus so gemacht", sagt Geschäftsführer Tobias Kniel. Seit Pfingsten ist die Anlage auf Obersulmer und Löwensteiner Gemarkung wieder voll belegbar und bis Ende der Woche ausgebucht. Dann kommen zwei ruhigere Wochen, ehe mit den Sommerferien in einigen Bundesländern die Hochsaison startet.

Ohne Vorreservierung geht 2020 jedoch nichts. Tagesbesucher und Kurzentschlossene ohne Anmeldung werden nicht angenommen, genauso wenig wie Gruppenbuchungen. "Wir wollen den Publikumsverkehr minimieren", nennt Schmitt den Grund. "Das handhaben alle Campingsplätze so, um einen Run zu verhindern." Deshalb wird auch bei der Anreise schon kassiert. "Es ist alles gut organisiert", ist der Manager zufrieden.

Der Hygienestandard war bereits hoch

Nachrüstungen in Sachen Hygiene waren kaum erforderlich. Toilettensitz- und Handdesinfektion sind Standard in den Sanitärgebäuden. Allein in der Rezeption brauchte es einen Spender. Die Reinigungsfirma putzt vormittags und nachmittags Wasch- und Toilettentrakts, in jedem Gebäude gibt es jetzt eine Hausdame.

Corona-Alltag im Campingpark Breitenauer See: Alle zwei Stunden wird desinfiziert
Michaela Dragoiu bei der morgendlichen Grundreinigung in den Sanitärgebäuden. Nachmittags gibt es eine zweite Runde. Foto: Andreas Veigel

Und Schmitt wechselt sich mit zwei seiner Platzwarte täglich ab, alle zwei Stunden all die Flächen der Anlage zu desinfizieren, die angefasst werden. Die Frauen an der Rezeption reinigen das Kartenlesegerät, den Rücklauf der Zugangsarmbänder sowie die Schlüssel für Ferienhäuser und Schlaffässer. Und das, obwohl sie mit den Telefonanrufen kaum nachkommen.

Corona-Alltag im Campingpark Breitenauer See: Alle zwei Stunden wird desinfiziert

"Für uns ist das hier das Allerbeste", sagt Tanja Richter, die mit ihrer Familie zu den Dauercampern gehört. Foto: Andreas Veigel

"Das gehört gerade dazu", nimmt Tanja Richter die Einschränkungen und Verhaltensregeln gelassen. Seit 18. Mai genießt sie mit den Kindern und ihrem Mann, der wochentags in der Heimat zum Arbeiten ist, den Urlaub. "Es würde schon fehlen", hofft die Eisingerin, dass der Breitenauer See wieder fürs Schwimmen und Stand Up Paddling freigegeben wird.

"Man muss die Bestimmungen berücksichtigen und Abstand halten", sagt Ingo Köhler. Das beeinträchtigt den Urlaub der Familie aus Ubstadt-Weiher nicht. Sie stellt selbst ein Programm auf die Beine, so dass ihr Veranstaltungen, die alle ausfallen, nicht fehlen.


Einnahmen fehlen in diesem Jahr

Das neue, 1,7 Millionen Euro teure Sanitärgebäude wird zwar im Juli fertig, dieses Jahr aber nicht mehr in Betrieb genommen, informiert der Geschäftsführer des Naherholungszweckverbands Breitenauer See, Tobias Kniel. Coronabedingt wäre der Aufwand zu hoch. Kniel schätzt, dass durch die Pandemie dem Campingpark bislang Einnahmen im sechsstelligen Bereich entgangen sind. Dauerhaft könne man keine roten Zahlen schreiben, sagt er. Deshalb geht er davon aus, dass der Zweckverband für nächstes Jahr die Preise erhöhen werde.

 

Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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