Wie sich Bürgermeister Tilman Schmidt vor der Wahl präsentiert

Obersulm  Die Veranstaltung zur Bürgermeisterwahl in Obersulm stößt auf geringe Resonanz: Als sich Tilman Schmidt vorstellt, bleiben die meisten Plätze im Publikum leer. Schmidt ist der einzige Bewerber für die Wahl am 7. Juli. Seine solide Rede enthielt wenig Überraschendes.

Von Sabine Friedrich
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Von den 140 Stühlen bleiben knapp 100 leer. Liegt's an der Hitze? An der fehlenden Spannung? Oder drückt die geringe Resonanz allgemeines Desinteresse an der Kommunalpolitik und dem Mann an deren Spitze aus? Zieht man die sechs Obersulmer Gemeinderäte ab - der siebte, Helmut Heuser, leitet die Veranstaltung -, einige Mitarbeiter der Kommune und zwei Amtskollegen, dann steht Bürgermeister Tilman Schmidt am Donnerstagabend bei der offiziellen Kandidatenvorstellung in der Hofwiesenhalle in Willsbach vor einer überschaubaren Zahl an Besuchern. Junge Leute fehlen fast komplett.

So kann Schmidt jeden einzelnen mit Handschlag begrüßen. Ob sich angesichts dieser Kulisse der Wunsch des Amtsinhabers erfüllen wird, dass bei der Wahlbeteiligung am Sonntag, 7. Juli, zumindest eine Drei vornedran steht?

Werbung in eigener Sache hält sich in Grenzen

Nach einem harten Wahlkampf vor acht Jahren gegen zwei ernsthafte Gegenkandidaten - einer ist Armin Waldbüßer gewesen, Grünen-Gemeinderat und Willsbacher Ortsvorsteher - gibt Schmidt zu, dass er über die jetzige "Solokür" nicht unglücklich sei. So hält sich die Werbung in eigener Sache diesmal in Grenzen: eine Homepage, ein Flyer, noch die Lokaltour mit der Heilbronner Stimme und ein Bürgergespräch - das ist es dann schon.

Bei einem Mitbewerber hätte seine Rede bei der Kandidatenvorstellung einen ganz anderen Charakter gehabt. Die Themen und Projekte, die er vorträgt, sind bekannt genauso wie die Errungenschaften der vergangenen acht Jahre. Eine solide Vorstellung, aber wenig Überraschendes.

Neues Baugebiet in Willsbach ist unerlässlich

Solide ist das Stichwort für den 51-Jährigen in Sachen Finanzen: Pflicht vor der Kür, keine Prestigeobjekte mit hohen Folgekosten. Schmidt preist die Kommune mit ihren großen Investitionen in Bildung und Betreuung als familienfreundlich an. Und als attraktiv mit hohem Freizeitwert. "Das darf so bleiben, aber das ist kein Selbstläufer", macht er deutlich. Um freiwillige Einrichtungen wie Freibad oder Bücherei zu halten, sei die Gemeinde auf Grundstückserlöse angewiesen. Da setzt er auf eine Doppelstrategie mit einer maßvollen Ausweisung weiterer Wohnbaugebiete und einer sinnvollen Innenentwicklung. Die Erschließung von "Hofäcker/Bei der Schießmauer" in Willsbach hält der dreifache Familienvater für unerlässlich.

Für das Verkehrsproblem sing gute Ideen gefragt

"Wir haben ein Verkehrsproblem in Willsbach und Bereichen von Affaltrach", spricht Schmidt ein Thema an, das vielen Einwohnern auf den Nägeln brennt. Gute Ideen und ein langer Atem seien für Lösungen notwendig. Da nennt er Carsharing oder den Ausbau von Radwegen.

Diskussionskultur im Gemeinderat ist manchmal anstrengend

"Der Gemeinderat nimmt seine Arbeit ernst und fordert Verwaltung und Bürgermeister stetig zu Höchsleistungen", geht der Amtsinhaber auch auf das Zusammenspiel und das Verhältnis zum Gremium ein. Dieser Diskussionskultur stelle er sich gerne auch weiter, habe sie aber erst Stück für Stück leben lernen müssen. "Es ist manchmal auch anstrengend", gibt er zu. Ausbau der Kinderbetreuung, Hallenneubau, Gestaltung des Affaltracher Innerortsbereichs, interkommunale Zusammenarbeit oder Bürgerbeteiligung stehen auf seiner Agenda.

Und was wünscht sie der Bürger Tilman Schmidt?

Tilman Schmidt präsentiert sich bei Obersulmer Kandidatenvorstellung als Amtsperson und als normaler Mensch

Bürgermeister Tilman Schmidt bei seiner "Solokür" am Donnerstagabend.

Die 25 Minuten Redezeit sind um. Schmidt steigert das Tempo, will noch die Perspektive wechseln von der Amtsperson zum "normalen Menschen". Der wünscht sich: Hundehalter, die ihr Tier anleinen, und Bürger, die ihre Gärten nicht mit Steinen zupflastern, die im Ort einkaufen und hier Handwerker ordern. Er sehnt sich die B 39-Umgehung herbei ebenso wie ein zentrales Kunstrasenspielfeld.

Ärger um die Stadtbahn und um Absage eines Kindergartenplatzes

Es sind teils persönliche Angelegenheiten, die Bürger in der Fragerunde der Kandidatenvorstellung vortragen. Oder Themen, die nicht im Einflussbereich der Kommune liegen. Aber es sind auch solche in ihrem Aufgabengebiet.

"Ist es ein gutes oder ein schlechtes Zeichen, dass es nur einen Kandidaten gibt?", will Jakob Hoffmann vom Vorsitzenden des Gemeindewahlausschusses, Helmut Heuser, wissen. Der antwortet prompt und direkt: "Mir ist ein Kandidat, bei dem es fachlich und menschlich stimmt, lieber als drei oder vier Kasperle, die nur Wind machen."

"Ich wünsche mir von Ihnen, wenn man Sie grüßt, dass Sie den Gruß erwidern", wendet sich ein Affaltracher an Bürgermeister Tilman Schmidt. "Oh", ist dieser über sein Versäumnis erstaunt. "Ich grüße eigentlich sehr gerne die Leute."

Gertrud Meucht beobachtet mit Sorge, dass es immer weniger naturnahe Gärten gibt. Die Einflussmöglichkeiten der Kommune seien begrenzt, antwortet Schmidt. Man wolle Steinwüsten aber in Bebauungsplänen künftig ausschließen, wenn dies rechtlich möglich sei.

Andrea Frank beklagt, dass ihre Enkelin trotz Zusage vor einem dreiviertel Jahr jetzt doch keinen Platz im Sülzbacher Kindergarten bekommt. Schmidt entschuldigt sich. "Wir haben tatsächlich ein personelles Problem. Aber wird sind am Thema dran." Eventuell könnten die betroffenen Kinder doch im September aufgenommen werden. Nicht nur in Sülzbach klemme es gerade personell, "Es gibt keine Sonderrechte", geht er auf den Vorwurf ein, sondern Richtlinien für die Vergabe der Betreuungsplätze. Annegret Geiger muss Schmidt vertrösten, was die Sanierung der Landesstraßen zwischen Affaltrach und Eschenau sowie zwischen Willsbach und Affaltrach betrifft. Die sei vom Land zurückgestellt worden.

Helga Kurz kritisiert Unpünktlichkeit und Zugausfälle bei der Stadtbahn. "Uns wurde in vielerlei Hinsicht Besserung zugesagt", berichtet Schmidt von Gesprächen im vergangenen Jahr. Nun will er bei der AVG nachbohren.

Lokaltour mit der Heilbronner Stimme

"Obersulm vor der Wahl" ist die Lokaltour der Heilbronner Stimme am Mittwoch, 3. Juli, um 19 Uhr im Gasthaus Rössle in Willsbach überschrieben. Chefredakteur Uwe Ralf Heer diskutiert mit Interessierten über Themen, die den Obersulmern auf den Nägeln brennen. Bürgermeister Tilman Schmidt als Alleinkandidat steht Rede und Antwort zu Fragen der Bürger.

 
 

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