Warum der Schemelsbergtunnel am Mittwoch raucht

Weinsberg/Erlenbach  Die neuen Strahlenventilatoren sind im Schemelsbergtunnel eingebaut. An diesem Mittwochnachmittag werden sie getestet. Dazu zünden Experten im Tunnel Benzin an. Die Vollsperrung dauert voraussichtlich noch bis zum 5. November.

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Heute raucht es in der Röhre Am Mittwoch raucht es in der Röhre

Das sind die neuen Strahlventilatoren, die im Schemelsbergtunnel eingebaut wurden − insgesamt acht Stück. Dieser Tage werden Tests gemacht.

Fotos: Dennis Mugler

Wenn am späten Mittwochnachmittag dunkler Rauch aus dem Schemelsbergtunnel quillt, dann muss das niemanden beunruhigen. Zwar brennt es tatsächlich in der Röhre, aber das Feuer ist gewollt. Denn es wird getestet, ob die neu installierten Strahlventilatoren funktionieren, wie sie sollen.

Kein Fön mehr notwendig

Wenn sie alle acht mit voller Kraft laufen würden, "dann bräuchten Sie hier drin keinen Fön mehr", sagt Gerd Haarer. Der Elektromeister nennt sich selbst lächelnd "Tunnelgeist". Der Angestellte des Landratsamtes Heilbronn ist seit acht Jahren verantwortlich für den Betrieb des Schemelsbergtunnels und kennt jeden einzelnen der 680 Tunnelmeter, allesamt übrigens auf Erlenbacher Markung gelegen. Alle acht Ventilatoren werden allerdings nie gleichzeitig mit voller Kraft laufen. Erstens sind sie vor allem dazu da, denn Tunnel "nur" zu belüften. Zum anderen soll ja im Falle eines Brandes der Rauch in eine bestimmte Richtung hinausgeblasen werden.

Ventilator für Ventilator wird gecheckt

Mit einer mobilen Hebebühne kommt der Montageleiter der Firma Porr Infra angerollt. Das österreichische Unternehmen hat die neuen Ventilatoren in den vergangenen Tagen an der sieben Meter hohen Tunneldecke installiert und außerdem alles, was an Hard- und Software für den Betrieb der Geräte notwendig ist. Der Spezialist checkt nun Ventilator für Ventilator.

Heute raucht es in der Röhre Am Mittwoch raucht es in der Röhre

Der Tunnel ist das eine, die Steuerungstechnik dahinter das andere. Projektleiter Alexander Metz (l.) und Gerd Haarer, zuständig für den Betrieb, inspizieren sie.

Hat die Mannschaft alles richtig gemacht?

An diesem Mittwoch wird sich zeigen, ob seine Mannschaft alles richtig gemacht hat. Die Experten haben oft im Mehrschichtbetrieb gearbeitet, gestern zum Beispiel bis um 5 Uhr in der Frühe und dann wieder ab 7 Uhr. Denn der Zeitplan ist eng gestrickt, und die Vollsperrung des Tunnels auf der B 39, die die wichtigste Verkehrsader ins Weinsberger Tal ist, soll am kommenden Dienstag, 5. November, wieder aufgehoben werden.

"Wir sind bestrebt, diesen Zeitplan zu halten", sagt Alexander Metz, Projektleiter des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart. Das RP ist bei allen größeren Baustellen im und am Tunnel verantwortlich. Seit 2018 seien rund fünf Millionen Euro investiert worden - für Baugrunduntersuchungen und für die Erweiterung des Betriebsgebäudes am Osteingang. Mit rund 600.000 Euro schlagen laut Metz die neuen Strahlventilatoren zu Buche.

Große Sperrung erst nach dem Ende des A6-Ausbaus

Dies alles - vor allem die derzeitige Sperrung - ist vermutlich nichts gegen das, was Autofahrern blüht, wenn für viele Millionen Euro der Rettungsstollen gebaut und der Tunnel viele Monate gesperrt sein wird. Wann genau das sein wird, könne man Stand heute nicht exakt sagen, betont Projektleiter Metz. "Das hängt von vielen Faktoren ab" - unter anderem davon, wann der Ausbau der A 6 abgeschlossen ist. Man wolle erst danach beginnen, um die Verkehrsteilnehmer so wenig wie möglich zu belasten. Bürgermeister umliegender Gemeinden schlagen schon bei der aktuellen Sperrung Alarm.

30 Liter Benzin werden angezündet

Dieser Tage werden die Hard- und die Software der Ventilatoren aufeinander abgestimmt, verschiedene Tests werden gemacht. Am Mittwochnachmittag werden mehrere Brandschalen im Tunnel aufgestellt, 30 Liter Benzin werden angezündet. Wohin zieht der Rauch? Funktionieren die CO-Messeinrichtungen, die Kaltrauchmessstellen, die Brandmeldelinienkabel und die Geräte, die die Strömungsgeschwindigkeit messen? Mithilfe zahlreicher Werte wird berechnet, in welche Richtung mit wie vielen Strahlventilatoren in welcher Stärke der Tunnel entlüftet wird. Und Tunnelgeist Gerd Haarer wird alles im Blick haben.

Daten und Fakten

Die alten Strahlventilatoren stammten noch aus den Anfangstagen des Tunnels vor etwa 30 Jahren. Die neuen sind mit einem Durchmesser von einem Meter größer. "Sie können mehr Luftströme bewegen", sagt Projektleiter Alexander Metz vom Regierungspräsidium (RP) Stuttgart. Im Zuge der Arbeiten wurden auch vier neue Lichtdichtemesskameras installiert. Mit ihrer Hilfe soll die Tunnelbeleuchtung im Ein- und Ausfahrbereich optimal eingestellt werden. Etwa 130 Lampen erhellen die 680 Meter lange Röhre.

"Das ist kein Spaß für die Anlieger der Gellmersbacher Straße", ärgert sich Eberstadts Bürgermeister Stephan Franczak über den Verkehr, der bedingt durch die Sperrung des Schemelsbergtunnels vom Weissenhof kommend über Gellmersbach und die Gellmersbacher Straße in Eberstadt umgeleitet wird. "Wenn irgendwann die große Tunnelsperrung kommt, möchte ich das so nicht nochmal erleben." Der Verkehr wird über diese Strecke umgeleitet, weil die Linksabbiegespur der K 2126 vom Weissenhof kommend auf die L 1036 Richtung Eberstadt zu kurz ist, um Umleitungsverkehr aufzunehmen, sagt Manfred Körner, Pressesprecher im zuständigen Heilbronner Landratsamt.

Untragbare Situation in Erlenbach

Auch Erlenbachs Bürgermeister Uwe Mosthaf ist sauer. An einigen Tagen sei "die Situation untragbar" gewesen": immer dann, wenn zu viele Autofahrer auf der K 2126 vom Weissenhof kommend rechts auf die L 1101 Richtung Neckarsulm abbiegen wollen. "Es gab enorme Rückstaus, und die Leute nahmen die Ortsdurchfahrt als Ausweichroute." In den Ferien sei es etwas besser. "Ein Riesenärger" ist für Mosthaf die Kombination aus Tunnelsperrung und Ausweichverkehr, bedingt durch den Ausbau der A 6.

Manfred Körner hat Verständnis für den Frust, sagt aber auch: "Durch den Tunnel rollen üblicherweise 20 000 Fahrzeuge in 24 Stunden, die nun auf andere Strecken gebracht werden müssen. All diese Strecken sind zu den Stoßzeiten bereits an der Kapazitätsgrenze."

Abhilfe an neuralgischen Punkten

Wenn nach Ende des A6-Ausbaus für den Schemelsberg der Rettungsstollen gebaut werden wird und eine Sperrung über viele Monate notwendig wird, soll laut Körner an mehreren Stellen vorgesorgt werden: Am neuralgischen Punkt der Einmündung der K 2126 in die L 1101 bei Erlenbach etwa soll die Rechtsabbiegespur verlängert werden. Wer aus Richtung Bretzfeld auf der L 1036 unterwegs ist und beim Weissenhof rechts auf die K 2126 abbiegen will, soll eine eigene Abbiegespur bekommen. Geprüft werde noch, ob am selben Knotenpunkt die Spur für Linksabbieger von der K 2126 auf die Landesstraße verlängert werden kann.

 

Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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