Von ehemals vier Gasthäusern in Prevorst existiert nur noch eins

Oberstenfeld  Der "Ochsen" in Prevorst ist der gesellige Treffpunkt des Dorfes. Der Mundart-Autor Hanns-Otto Oechsle hat ein großes Herz für den Ort und erzählt im "Ochsen" gerne Schwäbisches.

Von Barbara Barth
Von vier Gasthäusern lebt nur noch eins

Seine Liebe zu Prevorst und der schwäbischen Mundart beweist Hanns-Otto Oechsle regelmäßig im einzigen Gasthof des Dorfes. Foto: Barbara Barth

Es ist rabenschwarze Nacht. Der Wind pfeift ordentlich durch das kleine Prevorst in den Löwensteiner Bergen. Die Ortsstraße liegt fast komplett im Dunkeln. Nur das Gasthaus zum Ochsen neben der Kirche ist hell erleuchtet. Hier ist richtig was los.

Der Mundart-Autor Hanns-Otto Oechsle hat zum schwäbischen Abend geladen. Sein Motto: "Lacha isch xond". In der urigen, gemütlichen Wirtschaft sind fast alle Tische besetzt. Es wird gegessen, getrunken, geschwätzt und auf die Geschichten des 75-jährigen Ur-Schwaben aus Bad Cannstatt gewartet. Zum dritten Mal ist "Oechsle em Oxa", dem letzten von einstmals vier Gasthöfen in dem Oberstenfelder Teilort.

Ein Haus mit Vergangenheit

Früher gab es noch den "Löwen", die "Krone" und das "Lamm". Nur der "Ochsen" hat überlebt. Es ist aber auch ein besonderes Haus. In dem einstigen Forsthaus wurde Friederike Hauffe, geborene Wanner, 1818 geboren. Ihrer kurzen Leidensgeschichte hatte der Weinsberger Arzt und Dichter Justinus Kerner als "Seherin von Prevorst" ein literarisches Denkmal gesetzt. 28-jährig wurde sie 1829 in Löwenstein beigesetzt.

Heute ist das von der Familie Wolf geführte Haus der gesellige Treffpunkt des 400-Seelen-Dorfes. Und seiner vielen Besucher. Denn Prevorst schafft es, jährlich viele tausend Ausflügler auf den Bergrücken zu locken.

Eine eingeschworene Dorfgemeinschaft organisiert jedes Jahr den berühmten Weihnachtsbaummarkt, der Liebhaber aus einem weiten Umkreis anlockt. Auch ein Seifenkutschenrennen wird im Sommer veranstaltet, und ein großes Schleppertreffen mit mehreren hundert historischen Fahrzeugen findet alle zwei Jahre statt. In diesem Jahr am 10. und 11. August.

Eingeschworene Dorfgemeinschaft

Einer der eingeschworensten Fans des 482 Meter hoch gelegenen Weilers ist Hanns-Otto Oechsle, der zwar seit 45 Jahren unten in Oberstenfeld wohnt, aber als Lehrer an der Gronauer Grundschule auch die Prevorster Kinder unter seinen Fittichen hatte. "Prevorst ist für mich etwas ganz Besonderes", gesteht er. Und da das Schwäbische "der erotischste Dialekt" ist, wie Thomas Arndt vom Kulturverein festgestellt hat, pflegt Oechsle aus tiefster Überzeugung die Mundart.

Bücher, Theaterstücke, Gedichte hat er geschrieben. Die trägt der unruhige Ruheständler bis zu drei Mal die Woche bei verschiedenen Lesungen bis ins Remstal vor. An den anderen Tagen ist er noch SPD-Gemeinderat und zweiter Vorsitzender des Christbaumvereins. Musikalisch begleitet wird Oechsle oft von seinem Freund Jürgen Mall. Auch an dem Abend in Prevorst ist das kleine Sopran-Saxofon dabei, so dass der ganze Saal lautstark "Auf dr schwäb"scha Eisabahna" singen kann.

Leibchen und Strapsen

Oechsles Geschichten aus der Kindheit mit Leibchen, Strapsen und Bleyle-Strümpfen oder der rasenden Fahrt im Kinderwagen den Wengert hinunter reißen seine Zuhörer ein ums andere Mal zu Lachstürmen hin. Auch der missglückte Schulanfang, als ihn der Doktor statt in die Schule zum Aufpäppeln nach Bad Dürrheim zur Kur schickte, weil er "so ein dürres Klappergestell" war, sorgt für Amüsement.

Dort musste er jeden Tag Tomatenreis essen. Seitdem gehört er zu den Gerichten, die seine Frau Renate nie und nimmer kochen darf.

 


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