Untergruppenbach hat wieder einen Vollzugsbediensteten

Untergruppenbach  Ein Jahr lang blieb der Posten unbesetzt, jetzt sorgt Oliver Kremer seit Jahresbeginn für Ordnung im Ort - und lässt dabei auch Nachsicht walten.

Email

Einen offensichtlichen Parkverstoß hält Oliver Kremer hingegen gleich fest.

Ich hab's drinnen", ruft die ältere blonde Frau, als sie Oliver Kremer auf dem Parkplatz vor dem Untergruppenbacher Rathaus auf ihr Auto zukommen sieht. Sie meint die Parkscheibe. Richtig so. Oliver Kremer grinst. Der Gemeindevollzugsbedienstete pausiert seine Fußstreife für einen kurzen Plausch. Bürgernähe, mit den Leuten ins Gespräch kommen, kommunizieren - darauf legt der 48-Jährige viel Wert.

Seit Anfang des Jahres sorgt Oliver Kremer in Untergruppenbach als Fußsoldat - so nennt er seinen Job scherzhaft - in Vollzeit für Ordnung. Mehr als ein Jahr war der Posten des Gemeindevollzugsbediensteten in Untergruppenbach unbesetzt gewesen. In dieser Zeit wurde der Dienst interimsweise übernommen, unter anderem von Oliver Kremers Ordnungsamtschef Nico Wildenhayn.

Er informiert Kremer heute über Verdachtsfälle oder Hinweise von Bürgern, woraufhin sich Kremer ein Bild von der Situation macht. Seit geraumer Zeit etwa wird in den Papierkörben der Donnbronner Bushaltestelle Hausmüll illegal entsorgt. Anwohner hatten das gemeldet. Den Verantwortlichen hat Kremer noch nicht ausfindig machen können. Kremer kontrolliert auch den "schwarzen Parkplatz" in Untergruppenbach, auf dem nur Pkw stehen dürfen. Eine Zeit lang hatten dort Unternehmen Lkw dauerhaft abgestellt. Seit Wildenhayn und Kremer dem nachgegangen sind, nicht mehr.

Oliver Kremer lässt Gnade vor Recht walten

Untergruppenbach hat wieder einen Gemeindevollzugsbediensteten

Es geht auch ohne Knöllchen: Oliver Kremer verwarnt Bürger lieber zunächst mündlich, bevor er Strafzettel verteilt.

Fotos: Berger

Hauptsächlich ist Oliver Kremer für die Ordnung im ruhenden Verkehr verantwortlich, also für parkende Autos. Er kontrolliert, ob Parkscheiben eingelegt wurden, verwarnt offensichtliche Falschparker und spricht unter anderem Leute an, die ihr Auto "nur eben kurz" entgegen der Fahrtrichtung abstellen. So wie ein älteres Ehepaar, das vor der Post gehalten hat, um ein schweres Päckchen abzugeben. Oliver Kremer erledigt das für die Eheleute und bittet sie dann, künftig anders zu parken. "Tun Sie mir den Gefallen." Das Paar verspricht es. Auch einen jungen Mann, der dieselbe Ordnungswidrigkeit begangen hat, spricht Kremer an. Der fühlt sich sichtlich ertappt. 15 Euro würde ihn sein Falschparken kosten. Kremer lässt Gnade vor Recht walten, klopft dem jungen Mann auf die Schulter und lacht. "Kurz schimpfen kostet nichts." Der junge Mann scheint verstanden zu haben.

Einsicht ist der Weg zur Besserung, sagt auch Oliver Kremer. Seine Pflichten nimmt er dennoch sehr ernst. Und: Nicht alle Menschen sehen ihre Fehler auch ein. Kremer könnte hart durchgreifen, wenn es die Situation verlangt. Wann ist die Grenze erreicht? "Wenn Leute persönlich werden."

Der 48-Jährige mahnt an jenem Tag auch ab: Ein nicht mehr zugelassenes Fahrzeug am Park-and-Ride-Parkplatz sowie zwei Autos ohne Parkscheibe notiert er sich auf seinem Streifzug durch den Ort. Die Kritik der Bürger, die Gemeinde wolle mit Parkscheiben Geld machen, weist Oliver Kremer zurück: "Dann müsste die Gemeinde Parkautomaten aufstellen."

"Die Grenze ist dann erreicht, wenn Leute persönlich werden."

Regelkonformität hin oder her: Menschlichkeit, Bürgernähe und Verständnis dürften in Oliver Kremers Beruf nicht fehlen. "Es ist ein Gang auf Messers Schneide. Man muss wissen, wie man mit den Menschen umgeht." Dazu gehört, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, mit sich reden zu lassen und nicht gebetsmühlenartig Paragrafen der Straßenverkehrsordnung zu zitieren. Eben die Kirche im Dorf lassen.

In einem kurzen Gespräch mit zwei Untergruppenbacher Bürgern wird klar, dass Parkverstößen vor Oliver Kremers Zeit strenger geahndet wurden. Kremer will mehr Nachsicht und Fingerspitzengefühl walten lassen. Sein Eindruck: In Untergruppenbach scheint das bereits Wirkung zu zeigen.

 

Zur Person

Oliver Kremer wuchs in Ilsfeld auf. Nach seiner Lehre zum Heizungsbauer absolvierte er die Wehrpflicht. 20 Jahre lang arbeitete er bei einer Metallverarbeitungsfirma. Gezwungen durch die Wirtschaftskrise musste er sich beruflich umorientieren. Nach seiner Zeit als Messtechniker ging er in den Gemeindevollzugsdienst der Stadt Sinsheim über, danach in Heilbronn. Seit 1. Januar ist Oliver Kremer Gemeindevollzugsbediensteter in Untergruppenbach.

 
 

Linda Möllers

Linda Möllers

Autorin

Linda Möllers kommt aus Weinheim an der Bergstraße und kam im November 2019 zur Heilbronner Stimme. Jetzt berichtet sie aus dem nördlichen und östlichen Landkreis - am liebsten über kulturelle und gesellschaftliche Themen.

Kommentar hinzufügen