Tipps für Hundehalter nach Beißattacke in Oberstenfeld

Oberstenfeld/Beilstein  Nach der Beißattacke auf ein Kind vor gut einem Monat kommen viele interessierte Hundehalter zu einem Informationsabend der Gemeinden Beilstein und Oberstenfeld. Der Überblick über ein paar praktische Tipps.

Von Barbara Barth
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Seitdem ein nicht registrierter Kampfhund am 30. Juli einen dreijährigen Jungen gebissen hat, treibt der Vorfall die Menschen im Bottwartal um: In Oberstenfeld, wo die Attacke passierte, in Beilstein, wo der Hund herkam, aber auch im weiteren Umkreis, wo Hundehalter und Spaziergänger täglich aufeinander treffen. Deshalb hatten die Gemeinde Oberstenfeld und die Stadt Beilstein in den Stiftskeller zum Infobend über "Hundehaltung und gefährliche Hunde" geladen. Das Interesse war groß, rund 80 Besucher kamen, in der Mehrzahl Hundehalter.

Auch jeder Haus- und Hofhund kann gefährlich werden

Um den aktuellen Fall ging es an diesem Abend nicht. "Mutter des Verfahrens ist die Staatsanwaltschaft in Heilbronn", sagte Bernhard Sinn, Leiter der Polizeihundeführerstaffel Ludwigsburg. "Wir können dazu nichts sagen." Aber Informationen zu Kampfhunden, die ursprünglich als Hüter von Viehherden und zum Schutz für Haus und Hof gezüchtet wurden, hatte er jede Menge. 

"Der Mensch missbrauchte die Tiere durch immer aggressivere Züchtungen." Vorverurteilungen duldete er aber nicht. Wer einen Kampfhund habe, sei meist der bessere Hundeführer. "Von 2500 Beißvorfällen in den vergangenen Jahren kamen nur fünf von Kampfhunden." Jeder Haus- und Hofhund könne gefährlich werden, wenn er nicht richtig geführt werde. Eine Zuhörerin aus Lauffen bestätigte: "Jeder Hund in falschen Händen ist ein Kampfhund."

Experten raten Hundebesitzern, ihren Vierbeinern auf dem Hundeplatz Gehorsam beizubringen. Foto: dpa

Gehorsam sollte in der Hundeschule trainiert werden

An prinzipiell jeden Hundehalter ging deshalb die Empfehlung von Dr. Monika Spieck-Kächele, Leiterin des Veterinäramts Ludwigsburg, sich vor der Anschaffung genau zu informieren, in einer Hundeschule Gehorsam zu trainieren und das Tier sinnvoll zu beschäftigen. Die Vorsitzende des Boxerclubs am Lichtenberg, Ina Wiedmann, erklärte: "Ein ruhiger, gelassener Hund hat eine viel höhere Reizschwelle."

Hundetrainer Benjamin Merx versicherte: "Ich muss wissen, wie mein Hund tickt." Ein Zuhörer appellierte an alle: "Nehmt Rücksicht aufeinander, auch auf Leute ohne Hund." Ein anderer outete sich als jemand, der Angst hat, "egal vor welcher Rasse". Jeder Hundebiss sei einer zu viel.

Im Wald muss der Hund auf Sichtweite bleiben

Und was tun, wenn ein Hund angreift? "Darf ich ihn töten?", wollte ein Zuhörer wissen. "Sie dürfen sich wehren, Sie müssen sich nicht beißen lassen.", erklärte Bernhard Sinn. Auf die Frage einer Zuhörerin, ob Hunde im Wald generell angeleint sein müssen, antwortete Sinn: "Eine solche Vorschrift gibt es nicht. Der Hund muss aber in Sichtweite sein und auf Anruf reagieren."

Die steuerlich unterschiedliche Einstufung von Hunden mit Wesenstest in den Gemeinden, lag einigen Zuhörern auf dem Magen. Manche Kommune behandelt sie weiter als Kampfhund, andere als "ganz normalen Hund". Oberstenfelds Bürgermeister Markus Kleemann begründete diese Tatsache mit der "kommunalen Selbstverwaltung". Allen Anwesenden war klar, dass die Hundehalter, um die es im engsten Sinne ging, nicht im Stiftskeller waren. An die heranzukommen, bezeichnete eine Frau als "unser größtes Problem". Der Beilsteiner Bürgermeister Patrick Holl unterstrich: "Eine Gemeinde weiß nur von einem Listenhund, wenn er vom Halter auch als solcher bei der Ortspolizei angemeldet wird."

Alexander Fleischmann, ebenfalls von der Hundeführerstaffel, gab zu bedenken, dass solche Hunde "schnell mal verschoben werden und niemand weiß, wo sie geblieben sind." Deshalb von ihm der Rat: "Sagen Sie den Behörden Bescheid, wenn Sie von einem solchen Hund wissen. Das hat nichts mit Denunziation zu tun."


Info über Kampfhunde

Nach der Kampfhunde-Verordnung aus dem Jahr 2000 zählen in Baden-Württemberg American Staffordshire, Bullterrier, Pitbull-Terrier und deren Kreuzungen in die Kategorie 1 der gefährlichen Hunde. Der Halter muss ein einwandfreies Führungszeugnis und einen Sachkundenachweis, also einen Hundeführerschein vorlegen. Für potenziell gefährliche Hunde der Kategorie II wird ein Wesenstest verlangt. Maulkorb und Leine sind beim Spaziergang für beide Kategorien Pflicht.

 


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