Steuergeld in den Schredder geworfen?

Lehrensteinsfeld/Obersulm  Leser kritisieren das Vorgehen des Landratsamts in Sachen Biotop-Hecke in Lehrensteinsfeld, die gerodet wurde. Belange des Naturschutzes würden nicht ausreichend beachtet.

Von Sabine Friedrich

Nabu Obersulm beklagt Riesenwunde in Natur auf Gemarkung Lehrensteinsfeld
Ulrich Hartmann steht inmitten einer idyllischen Landschaft. Für den Vorsitzenden des Naturschutzbundes Obersulm ein wertvolles Biotop. Nun ist es zerstört. Foto: Sabine Friedrich

Dass am Galgenstein in Lehrensteinsfeld ein Hecken-Biotop einer Trockenmauer weichen musste, das hat Reaktionen bei Lesern ausgelöst. Genauso fassungslos wie der Naturschutzbund Obersulm ist auch Gerlinde Janke aus Bad Rappenau. Wie weitere Stimme-Leser, die sich gemeldet haben, kritisiert sie das Verhalten des Landratsamts, eine Ausnahmegenehmigung für die Beseitigung des Biotops erteilt zu haben.

Janke vermisst das Feingefühl für solche wichtigen, generationsübergreifenden Entscheidungen. Dass Steuergelder buchstäblich in den Schredder geworfen würden, ist für sie "haarsträubend". Und: "Traurig ist, dass sich Naturschützer in ihrer Freizeit abstrampeln, um Biotope zu erhalten und zu renaturieren, um solche Ohrfeigen zu bekommen."

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Warum der Nabu-Vorsitzende Ulrich Hartmann nicht über das Vorgehen informiert worden sei, lautet die Frage einer zweiten Reaktion aus Nordheim. Die anerkannten Naturschutzverbände müssten bei der erteilten Ausnahmeregelung nicht gehört werden, sagt Landratsamts-Pressesprecher Manfred Körner.

Die Trockenmauer sei als Ausgleichsmaßnahme im Umweltbericht zum Bebauungsplan für das Gewerbegebiet "Neuwiesen" enthalten. Da die Verbände beim Bebauungsplan zu beteiligen sind, müssten die Maßnahmen dort schon lange bekannt gewesen sein, so Körner weiter.

Verantwortungsbewusste Entscheidungen erwünscht

Die Nordheimer Familie moniert, dass es an ihrem Wohnort nicht anders sei, Bäume gefällt würden, die nicht mehr ins Bild passten, egal ob sich tausende Bienen und Insekten daran labten. Sie wünscht sich verantwortungsbewusste Menschen, die das Eingreifen in die Natur beherrschten.

"Wir sind entsetzt darüber, was das Landratsamt alles genehmigt", schildert ein Ehepaar aus Kupferzell seine Gefühlslage.

Die heimische Natur sei durch Flurbereinigung, Düngung oder Monokulturen zur Stromerzeugung ohnehin schon nachhaltig und dauerhaft geschädigt, meint Matthias Krist. "Da ist jede Resthecke unfassbar wichtig für unsere so zerstörte Umwelt." Auch Krist mahnt einen verantwortungsvolleren Umgang mit der "Restnatur" an.

 


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