Start-up gegen Energieverschwendung

Region  Drei Masterstudenten, die zum Teil aus der Region stammen, wollen mit ihrer Idee die Energieeffizienz von Druckluftanlagen in Betrieben verbessern.

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Ihre erste selbstgebaute Auswertstation ist fertig. Bevor es in die Praxisphase geht, haben die drei Start-upler Laurin Roller, Dominik Wahl und Lennard Schwidurski (von links) noch einiges zu besprechen.

Foto: Dennis Mugler

Über Nachhaltigkeit reden?Demonstrieren gehen? Dem 23-jährigen Lennard Schwidurski reicht das nicht. Gemeinsam mit seinen Studienkollegen Dominik Wahl (24) und Laurin Roller (25) möchte er deshalb ein Start-up gründen: "Wir wollen wirklich einen Beitrag leisten, eine Lösung anbieten", sagt der aus Obersulm stammende Schwidurski. Möglich werden soll das, indem die Drei Druckluftanlagen in Betrieben untersuchen und Unternehmen so bei der Energieeinsparung helfen.

Nach der Vorlesung war die Idee geboren

Druckluftanlagen klingen nicht spektakulär, sind aber in fast allen verarbeitenden und produzierenden Gewerben fester Bestandteil. Die Frage nach der Energieeffizienz spiele dabei laut den drei Masterstudenten aber selten bis nie eine Rolle. "Für viele Energie-Themen gibt es eine Lösung. Für Druckluft aber nicht", sagt Dominik Wahl.

Bewusst wurde das den Dreien vor knapp einem Jahr in einer Vorlesung zum Thema Druckluft an der Hochschule Esslingen. Dort machen sie ihren Master im Bereich Energiemanagement und Energiesysteme. Ursprünglich kommt Dominik Wahl übrigens aus Oberstenfeld, Laurin Roller aus Nagold im Schwarzwald. Noch am selben Abend schmiedeten sie den Plan: "Als Komplettanbieter wollen wir Einsparpotenziale im Druckluftbereich für Kunden transparent machen", fasst es Roller zusammen. Verlorengehen könne Energie etwa durch undichte Stellen, durch ein zu hohes Druckniveau oder durch Druckluftverbrauch in Stillstandzeiten wie etwa nachts.

Bald geht es in einen Beispielbetrieb

Im nächsten Schritt werden die drei ihre selbstgebaute Auswertstation in einem Beispielbetrieb (den Namen der Firma möchten die Studenten noch nicht nennen) an die Kompressoranlage anschließen. Die Daten wollen sie dann über ein selbst kreiertes Tool aus der Ferne am PC auswerten und für den Kunden verständlich aufbereiten. "Druckluft ist teuer. Viele Unternehmen haben keine Zeit, jeden Monat solche Daten auszuwerten. Sie werden froh sein, wenn wir ihnen sagen, warum es in der Anlage pfeift, was sie dagegen tun können, wie sie im Vergleich zu anderen Unternehmen dastehen und wie viel Geld sie einsparen werden", sagt Wahl.

Mitte des Jahres soll es losgehen

In den kommenden Monaten geht es an die Masterarbeit. Dann wird jeder mit einem anderem fachlichen Schwerpunkt in "sein" jeweiliges Unternehmen gehen, dort eine Auswertstation einbauen und weiter an der Geschäftsidee feilen. Am Ende wollen die drei ein rundes Dienstleistungs-Paket erreicht haben, mit dem sie Mitte des Jahres ihr Start-up "WRS Energy Solutions" - nach den Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen - gründen können.

Als verdichtete atmosphärische Luft ist Druckluft, auch Pressluft genannt, in vielen Arbeits- und Produktionsabläufen unentbehrlich. Sie kann etwa Energie transportieren, Signale übertragen, zu Reinigungszwecken oder auch als Kühlmittel eingesetzt werden. Neu ist das Prinzip Druckluft nicht. So nutzte man sie zum Beispiel schon in der Frühzeit in vereinfachter Form bei der Jagd mit dem Blasrohr. 

Bei den vier Pilotfirmen sei ihr Angebot sofort auf großes Interesse gestoßen. Dass sie nach der ersten Testphase, dem Praxistest, weitere Kunden gewinnen werden, davon sind die Studenten überzeugt: "Wir bieten den Unternehmen eine starke Nachhaltigkeit und zugleich Kostenersparnisse. Außerdem können wir flexibel auf den Kunden eingehen, zwingen ihm keine Lösung auf", sagt Dominik Wahl. Zwar bieten auch Kompressorhersteller die Wartung an, diese seien aber weder unabhängig noch transparent.

Unterstützung gab es von der Hochschule

Das Risiko halte sich in Grenzen. Von der Gründungsinitiative GründES! der Hochschule Esslingen bekamen die "Start-upler" 2000 Euro Fördergeld. Die von dem Geld gekauften Materialien befinden sich im Besitz der Hochschule und werden den Dreien zur Verfügung gestellt. Zusätzlich gab es Workshops und Netzwerk-Möglichkeiten. "Natürlich müssen wir die Messtechnik und das Material bezahlen, ansonsten ist unser Start-up aber vor allem unsere eigene Arbeitszeit, unsere Men-Power", sagt Laurin Roller.

"Wir haben durch unser Studium gute Jobaussichten, erste Angebote. Aber wir sehen Potenzial in unserer Idee", betont Lennard Schwidurski. Von Anfang an Vollzeit für das Startup zu arbeiten, wird nicht möglich sein. "Wir werden Nebenjobs nachgehen, kontinuierlich unseren Kundenstamm erweitern und es dann zu unserem Hauptberuf machen."

 


Michelle List

Michelle Christin List

Volontärin

Michelle Christin List ist seit Oktober 2018 Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

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