Schüler fordern bei Jugendregionalkonferenz legales Cannabis

Obersulm  30 Jugendliche diskutieren in Obersulm bei der Jugendregionalkonferenz mit Abgeordneten aus dem Landtag. Für vier davon geht es im Juni nach Stuttgart. Aber nicht nur die Legalisierung von Cannabis ist den Schülern wichtig.

Von Michelle Christin List

Schüler fordern bei der Jugendregionalkonferenz in Obersulm unter anderem legales Cannabis

Im Evangelischen Paul-Distelbarth-Gymnasium treffen sich Gymnasiasten und Schüler der Michael-Beheim-Schule mit Landtagsabgeordneten.

Foto: Dennis Mugler

Fünf Themen, fünf Politiker und eine Menge diskussionsfreudiger Schüler: Bei der Jugendregionalkonferenz im Obersulmer Paul-Distelbarth-Gymnasium (PDG) treffen ganz unterschiedliche Sichteweisen aufeinander. Die Veranstaltung soll den Jugendlandtag vorbereiten, der den Anliegen der Schüler landesweit Gehör verschaffen soll.

Mirjam Sperrfechter, Bildungsreferentin im Stadt- und Kreisjugendring Heilbronn, erklärt die Regeln: "Konstruktiv sein, keine Monologe führen." Dabei schaut sie die fünf Landtagsabgeordneten augenzwinkernd an. Susanne Bay von den Grünen spricht mit einer Schülergruppe über Digitalisierung an Schulen. Wie viele Daten können wir Amazon geben? "Schwer zu sagen." Wird das Thema Datensicherheit im Unterricht besprochen? "Weniger. Dabei wäre es wichtig, es anzuschneiden und zu hinterfragen", sagt der Achtklässler Fred Stammer.

AfD-Abgeordnete Carola Wolle wird mit dem Thema Polizei und Sicherheit konfrontiert. Ob Kameraüberwachung zu mehr Sicherheit führt, will Ben Schwarz wissen. "Das kann man so nicht sagen. Die Kriminalität verlagert sich nur an andere Stellen", sagt Wolle. Für Schwarz ist das Argument nicht schlüssig: "Wenn mehr Straftäter gefasst werden, dann führt das doch sehr wohl zu mehr Sicherheit."

Für die Schüler überwiegen die Argumente für eine Legalisierung

Ausruhen können sich die Abgeordneten bei den lebhaften Gesprächen nicht. "Das ist auch gut so", sagt Jürgen Keck (FDP, Wahlkreis Konstanz). "Nur die Füße still halten und abwarten, das bringt nichts." Seine Gesprächspartner wollen das beim Thema Cannabis keineswegs: "Entkriminalisierung, Qualitätssicherung, die Argumente für eine Legalisierung überwiegen", sagt Elftklässlerin Thure Sandig.

Beim Thema Flüchtlingspolitik interessiert die Schüler vor allem die finanzielle Leistung des Steuerzahlers. "Griechenland oder Italien geben viel mehr Geld für Flüchtlinge aus", betont Reinhold Gall (SPD). "Die bekommen auch mehr von der EU", so ein Schüler. Was am Ende alle wollen: Fluchtursachen bekämpfen.

11 Schüler wollten nach Stuttgart reisen

CDU-Abgeordnete Isabell Huber spricht über den Bildungsplan. In dieser Gruppe ist auch Alana Wildt. Ein Thema, das ihr sehr am Herzen liegt: Umweltschutz. "Wir verbrauchen zu viel Wasser, zu viel Plastik. Warum ist der Supermarkt noch immer voll damit und warum sprechen wir im Unterricht kaum darüber?"

Diese Fragen wird sie mit nach Stuttgart nehmen. Elf Schüler aus diesem Kreis hatten für den Jugendlandtag kandidiert. Für Alana Wildt (PDG) hat sich dieser Wunsch erfüllt. Auch Anandam Piastowski und Rahel Schönpflug vom PDG sowie Paul Kirchgessner von der Michael-Beheim-Schule haben die Mitschüler als Delegierte gewählt.

Schüler schätzen das Gespräch auf Augenhöhe

"Jeden Staat der Welt auswendig kennen? Politik komplett verstehen? "Das müsst ihr absolut nicht", betont der 18-jährige Jonas Haas. 2017 war er selbst im Jugendlandtag in Stuttgart dabei. "Es ist richtig cool, mal mit Politikern auf Augenhöhe zu diskutieren", sagt die Neuntklässlerin Antonia Schwarzer. Eine Erfahrung, die auch Alana Wildt schätzt: "Es ist wichtig, mit den Politikern direkt zu sprechen. Deshalb habe ich mich als Delegierte aufstellen lassen." In den landesweiten Regionalkonferenzen werden 125 junge Leute zwischen 14 und 21 Jahren gewählt, um die Ergebnisse der Konferenzen im Juni mit in den Jugendlandtag nach Stuttgart zu nehmen.

Vor der Konferenz hatten die Schüler fünf Themenschwerpunkte festgelegt. Eine Stunde lang wurde an fünf Tischen je ein Thema mit einem Politiker und einigen Schülern diskutiert. Welcher Abgeordnete sich welchem Thema annimmt, das wurde per Losverfahren geklärt.


125 Delegierte: Den Jugendlandtag in Stuttgart gibt es alle zwei Jahre. Er ist Teil des Projekts "Was uns bewegt" des Landtages und des Landesjugendrings. Bei den Regionalkonferenzen kommen 14- bis 21-Jährige im ganzen Land mit Abgeordneten aus allen im Landtag vertretenen Parteien ins Gespräch. Vorab sammeln die Schüler Themen, die sie bewegen, die sie gut finden oder bei denen sie dringenden Handlungsbedarf sehen. Pro Konferenz wählen die Schüler vier Delegierte, die ihre Anliegen beim Jugendlandtag vertreten. Insgesamt 125 Jugendliche werden am 26. und 27. Juni in Stuttgart sein. 


Kommentar hinzufügen