Protest gegen Pferdehaltung in Ellhofen

Ellhofen  Etliche Bürger sind sauer und fordern, dass ein knappes Dutzend Pferde ihrer Besitzerin weggenommen werden sollen. Das Veterinäramt im Heilbronner Landratsamt sieht dazu derzeit keine Veranlassung.

Die Pferdehaltung auf einer Streuobstwiese war einigen Menschen ein Dorn im Auge. Nach Protesten hat das Landratsamt nun eingegriffen. Foto: Archiv/Krezer

Tierfreunde und Anrainer sind erbost. Inakzeptabel finden sie die Art und Weise, wie eine Frau ein knappes Dutzend Pferde seit ein paar Wochen auf einer Streuobstwiese bei Ellhofen hält. Ihrem Ärger haben sie an mehreren Stellen Luft gemacht. Das Veterinäramt im Heilbronner Landratsamt ist eingeschaltet. Vertreter der Behörde waren schon mehrfach vor Ort, sehen aber derzeit keinen Anlass, der Halterin die Tiere wegzunehmen. Noch nicht.

Tierfreunde haben Pferde getränkt

"Ständig haben Leute bei mir angerufen." Als Tierheilpraktikerin und zweite Vorsitzende des Ellhofener Tierschutzvereins "Katzenhilfe" ist Kerstin Kilthau unter Tierfreunden bekannt. Ihr Eindruck von den Pferden, die vor einigen Wochen von einem Grundstück in Lehrensteinsfeld auf eine Streuobstwiese nach Ellhofen verlegt wurden: "Sie sind in sehr schlechtem Zustand."

Als es vor zwei Wochen so heiß war, "haben wir die Pferde getränkt", sagt Kilthau über sich und andere Tierfreunde. Pferdekenner hätten die Tiere zudem gefüttert. "Sie hätten sonst nichts zu fressen gehabt." Das Grundstück, auf dem die Pferde in zusammengezimmerten Paddocks mit Planen als Dach stehen, gehöre der Familie der Pferdehalterin.

Tragweite nicht bewusst?

Mittlerweile haben Kilthau und andere Tierschützer die Hilfe für die Pferde eingestellt - nach eigenen Angaben in Absprache mit dem Landratsamt: "Damit die Verantwortlichen sehen", wie es um die Tiere wirklich bestellt sei, sagt Kerstin Kilthau. Die Tierschützerin will der Eigentümerin "nichts Böses", wie sie sagt.

Kilthaus Eindruck: Die Besitzerin sei sich "der Tragweite nicht bewusst. Sie ist der Meinung, ihren Tieren geht es gut." Man tue der Frau, die auch ein Kalb sowie Schafe und Ziegen auf dem Grundstück hält, "keinen Gefallen, wenn man sie weiterwursteln lässt". Die Frau nehme keine Hilfe an. "Man kann ihr nur helfen, indem man ihr die Tiere wegnimmt", ist Kilthau überzeugt.

Wegnehmen ist die allerletzte Möglichkeit

Genau dies sei derzeit nicht möglich, betont Manfred Körner, Pressesprecher im Landratsamt. "Die Tiere sind zum Teil nicht in gutem Zustand", gibt Körner den Eindruck von Fachleuten des Veterinäramtes wieder, die wiederholt vor Ort gewesen seien. Der Zustand sei jedoch nicht so, dass die Behörde "akut handeln müsste". Auch könne das Landratsamt der Eigentümerin ihre Tiere nicht einfach wegnehmen. Das sei juristisch "die allerletzte Möglichkeit". Es gelte der "Grundsatz der Verhältnismäßigkeit".

Zunächst seien andere Mittel auszuschöpfen - und das habe die Kreisbehörde getan, betont deren Sprecher. "Wir haben eine Anordnung erlassen, wie die Tiere tierrechtskonform zu halten sind." Dazu gehöre regelmäßiges Tränken und Füttern. "Wir haben den Eindruck, dass es besser geworden ist." Körner schränkt jedoch ein: "Es ist noch nicht optimal." Bei einer Stippvisite der HSt gestern Morgen hatten die Pferde Heu und auch Wasser.

Die Besitzerin hat Hilfsangebote abgelehnt

Das Landratsamt wie auch Kerstin Kilthau boten der Besitzerin an, die Tiere zu vermitteln. Sie habe jedoch abgelehnt, sagen sowohl Körner als auch Kilthau. Nach Angaben der Tierschützerin haben inzwischen etwa 50 Leute mit ihrer Unterschrift ihren Protest kundgetan.

Klar ist laut Sprecher Körner: "Die Tierhaltung ist dort nicht genehmigungsfähig. Wir haben der Frau gesagt, dass wir das nicht als Dauerzustand akzeptieren." Das Landratsamt hofft, dass sie den Standort bald räumt. "Sie hat signalisiert, eine Alternative zu finden."

Im Ellhofener Rathaus sind zahlreiche Beschwerde-Anrufe eingegangen. Für die meisten Vorwürfe sei das Rathaus nicht zuständig, sagt Bürgermeister Wolfgang Rapp mit Verweis auf das Landratsamt. Als Ortspolizeibehörde habe die Verwaltung aber zum Beispiel ein Fahrzeug ohne Kennzeichen abschleppen lassen, das im Bereich der Wiese abgestellt gewesen war. "Die Missstände sollten behoben werden", findet der Rathauschef.

Was sagt die Halterin, die einst den "Streichelzoo Sulmtal" in Lehrensteinsfeld betrieben hat, zu den Vorwürfen? Sie war am Dienstag für eine Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion nicht erreichbar.

"Die Schlamperei" auf dem Areal missfällt einem Mann. "Alles wird zugemüllt", moniert eine Ellhofenerin. Auch angrenzende Grundstücke seien betroffen. Die Pferde seien "nicht am Verhungern, aber am Limit". Sie kennt die Argumente des Veterinäramtes und findet: "Dass man nichts machen kann, verstehe ich nicht."

Kritik gab es auch in Lehrensteinsfeld

Einst sollte es der "Streichelzoo Sulmtal" sein, aber irgendwann war es eine recht chaotische Ansammlung von Hütten und Unterständen, und die Art und Unterbringung der Pferde in Lehrensteinsfeld war einigen Menschen ein Dorn im Auge. Auch im Gemeinderat wurde über das Thema - wie bereits berichtet - im Mai diskutiert, und es war Anlass für Kritik aus den Reihen der Bürgervertreter. Unter anderem ärgerten sie sich, dass einige Anbauten und Unterstände ohne Genehmigung errichtet wurden.

Anders als in Ellhofen waren die Tiere in Lehrensteinsfeld jedoch auf einer Pachtfläche untergebracht. Die Verpächterin hatte der Pferdebesitzerin zum 30. Juni gekündigt, worauf diese ihre Tiere auf das Grundstück nach Ellhofen brachte.

 

 


Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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