Plakat mit Rehen bei der Paarung erregt die Gemüter

Oberstenfeld  Auf einer Strecke für Mountainbiker im Oberstenfelder Wald sollen pikante Schilder darauf hinweisen, dass Wildtiere ihre Ruhe brauchen. Die Aktion selbst hat für viel Unruhe gesorgt - nicht nur auf Social Media, sondern auch in Oberstenfeld.

Von Wolfgang Seybold

Plakat mit Rehen bei der Paarung erregt die Gemüter

Dies ist das Sexplakat, das von den Trailsurfern zum Schutz des Wildes aufgehängt und gleich wieder gestohlen wurde.

Foto: Gemeinde Oberstenfeld

Die erst im Frühjahr eingeweihte Mountainbikestrecke durch den Oberstenfelder Wald erfreut sich großer Beliebtheit. Der Verein Trailsurfers Baden-Württemberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Trails zu betreuen und unerlaubte Abkürzungen zu unterbinden. "Auch das Wild braucht Ruhe", sagt der Vereinsvorsitzende Stefan Pyttlik.

Ein Grund für diese Überlegung ist auch die beginnende Brunftzeit des Rehwilds. Deshalb wuchs laut Pyttlik bei den Trailsurfern die Idee, mit witzigen Plakattafeln die Radfahrer davon abzuhalten, auf ungenehmigten Pfaden zu fahren.

Zwei Plakate sind bereits geklaut worden

Auf den Schildern sind Rehe bei der Paarung abgebildet. Darunter befindet sich die Aufschrift "#dontfuckthefuckers". Die Trailsurfers ließen davon 20 Exemplare auf eigene Rechnung anfertigen. Am Freitag vor Pfingsten brachten die Mitglieder zwei Schilder am Gronautrail an, um die Mountainbiker von illegalen Wegen abzuhalten. "Am Pfingstsonntag waren beide Plakate schon geklaut", sagt Stefan Pyttlik. Er ist darüber sehr verärgert, da er nicht "mit erhobenem Zeigefinger" und Absperrbändern auf den Schutz des Wildes hinweisen wollte.

Pyttlik ist von den Reaktionen, die das "wilde Sexplakat" ausgelöst hat, total überrascht und genervt. Interviews mit Fernseh- und lokalen Radiosendern und anderen Medien, die seiner Meinung nach zum Teil unkorrekt berichteten, nehmen den Trailsurfer sehr in Anspruch. In den sozialen Medien wurde die Rehpaarung mittlerweile mehr als 250 Mal geteilt.

 

Das wertet der Mountainbiker aber durchaus als Erfolg. Denn die Radfahrer nähmen so zur Kenntnis, dass das Wild in den Wäldern nicht gestört werden darf. Auf die Frage, ob er die geklauten Schilder wieder ersetzen wolle, meint er, dass er dies nicht vorhabe. "Unser Verein hat 20 Lizenzen auf eigene Rechnung erworben und einen weiteren Verlust können wir nicht riskieren", erklärt Pyttlik.

Schilder wurden ohne Absprache mit der Gemeinde aufgestellt

Oberstenfelds Bürgermeister Markus Kleemann sieht die Plakataktion der Trailsurfers durchaus kritisch. In einem Interview mit dem SWR verwies er darauf, dass die Schilder im Wald ohne Absprache mit der Gemeinde aufgestellt wurden. Mit Humor auf den Tierschutz hinzuweisen sei "durchaus originell". Die andere Seite der Medaille sei die, dass die Trailsurfers das unabgestimmt gemacht hätten. Im Wald der Gemeinde Oberstenfeld könne man natürlich nicht ungefragt solche Schilder aufstellen, sagte der Bürgermeister dem SWR.

Ein örtlicher Jäger, der nicht namentlich genannt werden will, erklärt, dass das Rehwild erst ab August und weiter im Herbst in die Brunft komme. Der Schutz des Wildes im Wald sei aber im Juni trotzdem wichtig. Die Rehe gebären im Frühjahr ihre Kitze und bräuchten in den folgenden Monaten Ruhe.

 


Kommentar hinzufügen