Obersulms Bürgermeister Tilman Schmidt startet in zweite Amtszeit

Obersulm  Tilman Schmidt wird in Obersulm auf eine zweite Amtszeit verpflichtet. Über eine festliche wie launige Zeremonie in der öffentlichen Gemeinderatssitzung - nicht zuletzt wegen eines symbolträchtigen Geschenks.

Obersulms Bürgermeister macht sich einen Reim auf die Zukunft

Der formelle, feierliche Akt: Tilman Schmidt spricht Hermann Hohl die Verpflichtungsformel nach.

Duplizität der Ereignisse: Am 9. 9. 2011 hat Tilman Schmidt die Hand zum Eid vor rund 150 geladenen Gästen und Bürgern im Kulturhaus erhoben. Am 9. 9. 2019 spricht er wieder die Verpflichtungsformel, diesmal jedoch in kleinerem Rahmen im Sitzungssaal des Rathauses. So ist es Wunsch des Bürgermeisters. Schließlich ist er nicht mehr der Neue, startet in seine zweite Amtsperiode in Obersulm nach seiner Wiederwahl am 7. Juni mit 90,05 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 29 Prozent.

Die Familie ist mit dabei

Die Familie ist versammelt, seine Ehefrau Sonja, die Söhne Joschka, Justus und Frederic, seine Mutter Brunhilde und Patenonkel Armin Wünsch, beide aus Weißbach. "Wir sind immer dabei", sagt Brunhilde Schmidt. Also mit den zwei Vereidigungen in Langenbrettach ist es die vierte Auflage für sie und ihren Bruder. Alt-Bürgermeister Harry Murso darf nicht fehlen. Auch jüngst ausgeschiedene Gemeinderäte, ehemalige Mitarbeiter und die Nachbar-Bürgermeister aus Löwenstein und Ellhofen verfolgen neben Rathausbeschäftigten die festliche wie launige Zeremonie. Sonstige Einwohner? Fast Fehlanzeige.

Die Nebendarstellen sich auch dieselben wie vor acht Jahren

Neben dem Protagonisten sind auch die Nebendarsteller dieselben wie 2011. Bürgermeister-Stellvertreter Helmut Heuser eröffnet die Gemeinderatssitzung. "Es lohnt sich, für diese Gemeinde zu arbeiten", sagt er, honoriert die Leistung Schmidts in der ersten Amtsperiode, um auf die vielen Aufgaben der zweiten hinzuweisen. "Einfallsreichtum, Tatkraft und eine glückliche Hand" wünscht er Schmidt.

Obersulms Bürgermeister macht sich einen Reim auf die Zukunft

Der Protagonist und die Nebendarsteller in geselliger Runde vereint: Bürgermeister Tilman Schmidt (2.v.l.) mit Hermann Hohl (l.), Landrat Detlef Piepenburg und Helmut Heuser (r.), dem ersten Bürgermeister-Stellvertreter von Obersulm.

Fotos: Ralf Seidel

Drei Leitgedanken mit auf den Weg gegeben

Der Sitzungssaal ist mit der Gemeindefahne, eingerahmt von Grün, festlich dekoriert. Hermann Hohl als dienstältester Gemeinderat lässt den Bürgermeister die Verpflichtungsformel nachsprechen. Eine der Hauptaufgaben, die sich Schmidt gestellt habe, sei erfüllt: ein familienfreundliches Obersulm zu formen. "Jetzt kommen die großen Brocken", meint Hohl zur Zukunft, nennt Spatzenhof- und Alte-Sportplatz-Bebauung, Hallenkonzept und Erschließung von Baugebieten. Drei Leitgedanken gibt er dem Bürgermeister mit auf den Weg: Zielstrebigkeit, Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Dann wird Hohl lyrisch mit dem Song "Manchmal" von Peter Kraus. Mit Gesang will er keinen Zuhörer vergraulen, deshalb rezitiert er die Liedzeilen, die enden mit: "Würde alles leichter geh'n, würden wir nie unsere Grenzen seh"n, wäre das Leben nur noch halb so schön."

Landrat Detlef Piepenburg zählt die Charakteristika der größten Kommunen im Weinsberger Tal und "der schönsten im Landkreis" auf: gute Infrastruktur, mit allen Schularten ausgestattet, Stadtbahnanschluss, vielfältiges Vereins- und Freizeitangebot. "Sie leisten als Bürgermeister tolle Arbeit", sagt er zu Schmidt.

Gutschein für eine Weinprobe mit dem Sprengel

Klaus Schifferer tritt gleich mal ins Fettnäpfen, als er von fünf Teilorten spricht. "Sechs" ertönt das Echo. "Da habe ich wieder einen mir zugeordnet", meint der Löwensteiner Bürgermeister verschmitzt und macht es gleich wieder gut: Wer Schmidt kenne, wisse, dass er mit vollem Engagement und ohne Rücksicht auf eigene Ressourcen seine Amt ausübe. Als Geschenk überreicht er einen Gutschein für eine Weinprobe bei den Winzern vom Weinsberger Tal für acht Personen - das schließt die Sprengelkollegen mit ein.

In der Tradition von Hölderlin, Uhland, Mörike und Kerner macht sich Tilman Schmidt einen Reim auf die Zukunftsaufgaben. In Versen nennt er seine Prioritäten: solide Finanzen, Allgemeinwohl, sozialer Friede, bezahlbarer Wohnraum, B 39-Umfahrung, Innerortsentwicklung, neue Baugebiete, größere Hallenkapazitäten, Ausbau der Kinderbetreuung, Unterhaltung von Straßen, Kanälen und Wasserleitungen.


Obersulms Bürgermeister macht sich einen Reim auf die Zukunft

Das Geschenk von Landrat Detlef Piepenburg: roter Faden, Lot und Feststellschraube.

Die knitzen, symbolträchtigen Geschenke des Landrats

Was hat er diesmal dabei? Landrat Detlef Piepenburg ist bekannt für seine pfiffigen und symbolträchtigen, knitzen und manchmal vieldeutigen kleinen Geschenke, die er Bürgermeistern bei deren Vereidigung überreicht. Für Tilman Schmidt in Obersulm zaubert er aus einer Schachtel eine Garnkarte mit rotem Faden, eine Feststellschraube und ein Lot. Damit die Dinge im Lot bleiben, der Schultes nie den roten Faden verliert? Da lässt sich einiges an Symbolkraft zusammenspinnen. Eine knifflige Aufgabe für Schmidt.

Interkommunal findet sich die Lösung

Mit vereinten Kräfte Die er nach dem offiziellen Teil interkommunal lösen kann. Dieses dicke ausgefranste Fadenende durch das dünne Loch bringen? Scheint unmöglich. Da hilft auch Spucke nichts. Aber das Minitaschenmesser, das der Löwensteiner Kollege Klaus Schifferer aus seiner Hosentasche hervorholt, um die Spitze abzuschneiden. Dann das Fingerspitzengefühl von Bürgermeister Wolfgang Rapp aus Ellhofen, der ruckzuck das Garn durch die Schraube zieht. Die wird aufs Lot gedreht - und fertig ist die Chose.

Ein paar weitere Beispiele für des Landrats Einfallsreichtum gefällig? Thomas Einfalt bekommt in Hardthausen Knete, nicht im übertragenen Sinne etwa, also kein Geld vom Landkreis, sondern Formmasse. Damit er seine Zukunftsprojekte schon mal modellieren kann.

Wasserwaage und Klappspaten

Rainer Gräßle in Talheim darf sich über eine Wasserwaage freuen, ganz praktisch zum Bauen und hintersinnig für die Ausgewogenheit. Michael Grimm in Roigheim besitzt nun einen Klappspaten, falls er wieder einmal eingeschneit sein sollte. Mit einem Stück Eisenbahnschiene wünscht Piepenburg dem Leingartener Bürgermeister Ralf Steinbrenner, dass die Stadtbahn gen Karlsruhe bald zweigleisig wird. Der Maxi-Spielzeug-Rübenvollernter mit Landkreis-Logo soll Klaus-Peter Waldenberger in Lauffen eine süße Amtsperiode bescheren und den örtlichen Landwirten allseits eine erfolgreiche Rübenernte. 

 

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