Neuapostolen bauen in Wüstenrot eine neue Kirche

Wüstenrot  Das Gebäude in der Wilhelmstraße ist in die Jahre gekommen und nicht barrierefrei. Doch eine Sanierung wäre zu teuer geworden. Die Kirche soll nicht vor kommendem Sommer abgerissen werden.

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Neuapostolen bauen in Wüstenrot eine neue Kirche

Über 50 Jahre alt ist das Gebäude in der Wilhelmstraße. Eine Sanierung wäre zu teuer, deshalb wird neu gebaut. Im hinteren Bereich entstehen Parkplätze.

Foto: Gustav Döttling

Eine Sanierung wäre zu teuer, deshalb erhält die neuapostolische Kirche Wüstenrot einen Neubau. Vermutlich im Frühjahr 2020 soll der Bauantrag eingereicht werden. Der Gemeinderat Wüstenrot hat bereits die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen mit dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan "Kirche im Weingartsäcker".

Die 1967 im Wohngebiet in der Wilhelmstraße errichtete Kirche ist in die Jahre gekommen. Gemeindeleiter Daniel Hoffmann nennt Mängel an der Substanz, beim Brandschutz, beim energetischen Zustand und im Raumprogramm, das wenig Flexibilität zulasse.

Das Gebäude sei nicht barrierefrei, habe viele Treppen, und es fehle ein behindertengerechtes WC. "Eine Sanierung wäre zu umfangreich geworden", meint Hoffmann. Und wäre nicht wirtschaftlich gewesen, wie Susanne Raible, Sprecherin der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland in Stuttgart, ergänzt.

Großer Kirchensaal für Gottesdienste

Im eingeschossigen Neubau soll es einen großen Kirchensaal für die Gottesdienste geben. Die sind sonntags in der Regel gut besucht mit 80 bis 100 Gläubigen. Wenn es mehr sind, platze das Gebäude aus den Nähten, sagt Hoffmann. Das kann schon mal vorkommen, seit die Neuapostolen aus Wüstenrot, Neulautern und Mainhardt eine Einheit bilden. Der Saal kann erweitert werden, sind doch die Räumlichkeiten für die Vorsonntags- und die Sonntagsschule durch Trennwände zuschaltbar. Eine Küche, Sanitäranlagen, Heizungs- und Abstellraum zählt Hoffmann für den eingeschossigen Neubau weiter auf.

Zur Wilhelmstraße ist ein asymmetrisches Satteldach geplant, ist aus der Sitzungsvorlage des Gemeinderats zu entnehmen. Die Nebengebäude fügen sich mit einem Flachdach und geneigter Attika an das Satteldach an.

Einzugsgebiet von Löwenstein bis Mainhardt

Rund 250 Mitglieder hat die neuapostolische Kirche Wüstenrot. Das Einzugsgebiet reicht von Löwenstein bis Mainhardt. Die Fusion von Wüstenrot und Mainhardt erfolgte im Juli 2018. Am 11. Oktober 2018 fand der letzte Gottesdienst in Neulautern statt. Diese Gemeindeglieder wurden nach Wüstenrot integriert. Das Gebäude in Neulautern im Kirchgarten 7 sei verkauft worden, sagt Daniel Hoffmann. Die Kirche in Wüstenrot werde wohl nicht vor dem kommenden Sommer abgerissen, meint er weiter. Während der Bauphase steht das Gotteshaus in Mainhardt zur Verfügung.

Weil es keine Kirchensteuer gibt, werden Investitionen aus Opfern und Spenden finanziert. Nicht die Neuapostolen vor Ort tragen die Kosten für den Neubau, sondern nach dem Solidaritätsprinzip stammten die Finanzmittel aus Spenden der gesamten Gebietskirche Süddeutschland, gibt Hoffmann zur Auskunft.

Kirche in Neulautern wurde verkauft

Neulautern ist die älteste der drei Kirchengemeinden, sie wurde 1933 gegründet. 1951 folgte Mainhardt, ein Jahr später Wüstenrot. Fünf Priester und fünf Diakone hat die Kirchengemeinde Wüstenrot. Wie der Gemeindeleiter sind auch sie ehrenamtlich tätig. Es gibt einen Gemeinde- und einen Flötenchor, die Vorsonntagsschule ab drei Jahren, die Sonntagsschule und eine Jugendgruppe mit einem männlichen und weiblichen Leiter sowie eine Seniorengruppe.

"Das Zusammenwachsen ist in vollem Gange", beobachtet Hoffmann nach der Fusion. Man sei auf einem guten Weg. Nicht nur nach innen ist Integration ein Thema, sondern auch nach außen.

"Die neuapostolische Gemeinde Wüstenrot möchte zukünftig mehr als in der Vergangenheit Teil des christlichen Lebens vor Ort sein", sagt Hoffmann. Angestrebt werde die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Seit einigen Jahren sind die Neuapostolen mit einem Essensstand auf dem Wüstenroter Dorfplatzfest vertreten. Der Gemeindechor tritt beim traditionellen ökumenischen Adventskonzert in der evangelischen Kirche in Neuhütten mit auf. Auch bei Bibelabenden seien Gemeindemitglieder bereits vertreten, nennt Hoffmann ein weiteres Beispiel.


Bebauungsplanverfahren

Der bisherige Bebauungsplan "Weingartsäcker III" sieht ein allgemeines Wohngebiet vor. Für den Neubau der neuapostolischen Kirche am alten Standort in der Wilhelmstraße in Wüstenrot müssen die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Der Gemeinderat beschloss einstimmig die Aufstellung des Planwerks mit dem Namen "Kirche im Weingartsäcker". Die Kosten trägt der Bauherr. Das beschleunigte Verfahren ist möglich, weil keine erheblichen Umweltauswirkungen zu erwarten sind. Als Art der baulichen Nutzung wird "Kirchliche Anlagen" festgesetzt. Die Räte beschlossen auch die Anhörung der Öffentlichkeit.


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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