Nächstes Forschungsprojekt in Wüstenrot befasst sich mit E-Mobilität

Wüstenrot  Gemeinde Wüstenrot, Wissenschaft und Wirtschaft befassen sich damit, wie E-Mobilität im ländlichen Raum attraktiv und wirtschaftlich werden kann. Eine flächendeckende Umfrage aller Haushalte dient als Grundlage. Die Gesamtkosten liegen bei 2,87 Millionen Euro. Der Bund gewährt eine hohe Förderung.

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Bürgermeister Timo Wolf (links) und Energiebeauftragter Thomas Löffelhardt stehen mit dem E-Fahrzeug auf dem Teilbereich des Schulparkplatzes, wo der E-Carsharing-Bereich hinkommt.

Foto: Sabine Friedrich

Wüstenrot ist für das nächste Pilotprojekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Sachen Energie und Klimaschutz ausgesucht worden. Unter Leitung der Hochschule für Technik (HFT) Stuttgart und mit Partnern aus der Wirtschaft wird untersucht, wie E-Mobilität im ländlichen Raum attraktiv werden kann. Und wie sie organisiert sein muss, damit sie sich rechnet. "Smart2Charge" ist der sperrige Arbeitstitel für diesen zukunftsweisenden Ausbau - frei übersetzt: auf intelligente Weise laden. Grundlage bildet eine flächendeckende Umfrage. Ab 27. April erhalten alle rund 4000 Haushalte in Wüstenrot die Unterlagen mit 63 Fragen. "Die Umfrage wird hoffentlich das Ergebnis bringen, was die Leute wollen", sagt Thomas Löffelhardt, Energiebeauftragte der Gemeinde.

Benutzerfreundliche App für Carsharing

Der Forschungsauftrag über drei Jahre ist komplex. Ein Ziel sei, so erklärt Löffelhardt, für die Ladeinfrastruktur von E-Mobilen eine Bezahlmethode für alle Karten zu entwickeln und eine benutzerfreundliche App für die Buchung des Carsharings. "Das gibt es so meines Wissens noch nicht." Zweiter Pfeiler: Auf einem kleinen Teil des Parkplatzes der Georg-Kropp-Schule in Wüstenrot soll 2021 der E-Carsharing-Standort mit Hybrid- und Elektrofahrzeugen entstehen. Diese nachhaltige Art der Fortbewegung sei eine Ergänzung zum Öffentlichen Personennahverkehr, meint der Energiebeauftragte.

Fahrzeugbatterien sollen selbst Energie liefern

Der dritte Punkt ist der innovativste: Hier spielen Hybrid-Fahrzeuge - sieben stellt Mitsubishi Motors zur Verfügung - eine zentrale Rolle. Sie sollen nicht nur mit Strom aus alternativen Energien gespeist werden, sondern auch selbst welchen liefern. Löffelhardt veranschaulicht das mit Beispielen: Der Bauhof lädt die Batterien des Fahrzeugs mit Strom aus der PV-Anlage des kommunalen Gebäudes und zapft aus ihnen etwa bei der Grünpflege Energie für Maschinen und Geräte ab.

Weniger Energiekosten und weniger CO2-Ausstoß

In der Energie-Plus-Siedlung "Vordere Viehweide" lässt sich diese bidirektionale Ladung - so der Fachbegriff - ebenso realisieren. Mit dem Hybridfahrzeug, "betankt" mit dem kostenlosen Strom der hauseigenen PV-Anlage, werden die Alltagsfahrten erledigt. Steht das Auto in der Garage, versorgt es den Fernseher, den Kühlschrank, die Beleuchtung oder die Wärmepumpe. "Alles, was Strom braucht im Haus, wird so geregelt", sagt Thomas Löffelhardt. Er weist auf die wichtigsten Effekte hin: Energiekosten werden gespart, und der CO2-Ausstoß verringert sich.

Die bidirektionale Be- und Entladung bewirkt zudem, dass das Stromnetz stabilisiert werden kann. Der Energieversorger kann ebenfalls Fahrzeugbatterien aufladen und hat damit Kapazitäten frei, um etwa Windenergie ins Netz einzuspeisen. Und je mehr Strom auf kommunalen und privaten Dächern erzeugt wird, desto schneller kommt Wüstenrot an sein Ziel, bei der Versorgung autark zu werden.

Leuchtturm und Vorbild

Wüstenrot kann zum Leuchtturm der Elektromobilität im ländlichen Raum werden, ein Vorbild für andere Kommunen, sagt Löffelhardt. Denn was im Projekt entwickelt wird, können andere übernehmen.

Löffelhardt hofft auf 30 Prozent Rücklauf bei der Umfrage, für die vier Wochen Zeit ist. Je mehr Einwohner mit Führerschein ihre Haltung und Wünsche zur E-Mobilität äußerten, desto besser sei die Arbeitsgrundlage. Eigentlich wollte die Gemeinde, die im Projekt für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, eine Infoveranstaltung anbieten. Die musste coronabedingt ausfallen. Die Fragebogen können in die Boxen im Rewe und bei Penny in Wüstenrot, im Gutkauf in Neuhütten, bei den Ortsvorstehern sowie im Rathaus in Weihenbronn eingeworfen werden.

Befragte können Preise gewinnen

Als kleiner Anreiz, sich die Zeit für die Fragen zu nehmen, winken Preise. Der Hauptgewinn ist ein Monat kostenlose Nutzung eines Mitsubishi Outlanders. Zwei Mal werden zwei Wochen verlost und vier mal eine Woche. Mitarbeit und Ideen von Einwohnern sind erwünscht. Sie können an Arbeitskreisen teilnehmen. Anmeldung bei Thomas Löffelhardt unter Telefon 07945 919953.

 

Die Kosten, die Partner, die Befragung

Die Gesamtkosten für das Forschungsprojekt mit dem Arbeitstitel "Smart2Charge" belaufen sich auf 2,87 Millionen Euro. Für Wüstenrot fallen rund 332.000 Euro an. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie übernimmt hiervon 90 Prozent. Die durchschnittliche Förderung aller Beteiligter beläuft sich auf 76 Prozent.

Mit im Boot sind neben der Stuttgarter Hochschule für Technik und der Gemeinde Wüstenrot die Mitsubishi Motors Deutschland Automobile GmbH, die enisyst GmbH (Regelung und Steuerung von komplexen Energiesystemen), Oxygen Technologies (App-Entwicklung), Castellan AG (Ladeinfrastruktur), die Stadtwerke Schwäbisch Hall und als assoziierter Partner der Verein Elektromobilität Heilbronn-Franken.

Zur flächendeckenden Umfrage in der Gemeinde zum Ausbau der E-Mobilität gesellen sich noch Interviews mit tiefergehenden Fragen. Die hierfür rund 20 ausgewählten Teilnehmer kommen aus dem Wohngebiet "Vordere Viehweide", aus dem Kreis der Gewerbetreibenden, aus den Reihen der Rathausmitarbeiter und interessierter Bürger. Bei der Haushaltsumfrage wird das Wissen über Elektro- und Hybridautos, Carsharing und bidirektionales Laden eruiert. Es wird nachgefragt, wie groß die Bereitschaft wäre, diese zu nutzen und damit auf einen privaten (Zweit-)Wagen zu verzichten. Wie stehen die Befragten zum Thema Nachhaltigkeit? Würde E-Carsharing das Mobilitätsangebot verbessern, Lärm und Abgasausstoß reduzieren? Wie wird der Erfolg eines solchen Angebots in Wüstenrot eingeschätzt?


Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

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